Simbabwer go solar, nur Unternehmen hinken hinterher

Solarenergie ist in Simbabwe groß im Kommen, glauben Experten. [@MarthaMunyoro/Twitter]

Netzferne Versorgung mit Solarenergie ist in Simbabwe nichts Neues: Laut Regierungsangaben sind bereits mehr als 100.000 Solarenergiesysteme in Haushalten installiert worden. Allerdings hinken simbabwische Unternhemen hinterher.

Die Old Mutual Zimbabwe Ltd., das älteste Verischerungs- und Immobilienunternehmen des Landes, macht jetzt mit: Die Firma will in den nächsten zwei Jahren auf ihren Gebäuden Solarpanels aufstellen, die 20 Megawatt Energie liefern sollen. Grund sei eine landesweite Energiekrise, die sich auf den Umsatz auswirkt, erklärten Unternehmensvorstände.

Die Old Mutual erwartet, dass durch die Solarpanels jährlich 16 Millionen Dollar eingespart werden können, die derzeit zum Kauf von Diesel als Alternative zum nationalen Energienetz aufgewendet werden, so Unternehmenssprecher Tendayi Mutseyekwa. Außerdem würden 33.000 Tonnen CO2-Emissionen eingespart.

"Die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) ist führend bei den erneuerbaren Energien"

Der Chef der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB), Akinwumi Adesina, erklärt wie er in zehn Jahren 75 Millionen Menschen auf dem Land mit Strom versorgen will und warum sein Institut weiter Kohlekraftwerke finanziert.

Nicht nur die Old Mutual, auch die Vereinigung simbabwischer Industrien (CZI) beklagt, dass der staatliche Energieversorger ZESA Holdings nicht genug Strom bereitstellen kann, um den Bedarf zu decken. Dies schade Unternehmen bereits seit Jahren. Im Geschäftsjahr 2015/2016, als der gesamte Südteil Afrikas eine Dürreperiode erlebte, sei beispielsweise die Energieerzeugung aus Wasserkraft zurückgegangen und habe zu einem 50-prozentigen Produktionseinbruch in der simbabwischen Industrie geführt, so die CZI.

Deswegen bauen viele Firmen des Landes nun auf Solarenergie: Sie verspricht nicht nur mehr Unabhängigkeit vom anfälligen Stromnetz, sondern auch niedrigere Kosten.

„Indem das Unternehmen [Old Mutual] saubere und verlässliche Energie in ihren Gebäuden bereitstellt, sichert es seinen gewerblichen Mietern wirtschaftliche Vorteile”, sagt Simba Mhuriro, Geschäftsführer von Oxygen Africa Ltd, einem unabhängigen Energieproduzenten, der das 38 Millionen Dollar schwere Solarprojekt der Old Mutual umsetzt.

Mhuriro erläutert, das Projekt werde Energie für Licht und Heizung sowie zum Betrieb der Büroeinrichtungen der mehr als 8000 Kleingewerbe, die Gebäude und Räume von der Old Mutual mieten, bieten. „In unserem System werden Solarenergie und Strom aus dem staatlichen Netz kombiniert. Tagsüber wird das unabhängige Solarstromsystem aber den Netzstrom größtenteils ersetzen“, so Mhuriro in einer E-Mail an die Thomson Reuters Foundation.

Geld für die Wende

Bisher gehe der Fortschritt allerdings noch langsam vonstatten. Die Regierung Simbabwes erklärte in ihrem Plan zur Erfüllung der Ziele des Pariser Klimaabkommens, sie brauche 3 Milliarden Dollar Entwicklungsunterstützung, um netzferne Solarenergie weiter auszubauen. Simbabwe hat sich verpflichtet, seine Emissionen bis 2030 um ein Drittel zu verringern. Dies soll durch Investitionen in Wasser- sowie Solarenergie und durch verbesserte Energieeffizienz erreicht werden.

Laut ZESA Holdings kamen Ende Juni 2017 knapp 28 Prozent der Energie im nationalen Stromnetz Simbabwes aus mit fossilen Brennstoffen betriebenen Kraftwerken, und ungefähr die Hälfte aus Wasserkraft. Der Rest sei importiert worden.

Tendai Marowa, Direktor des Business Council for Sustainable Development Zimbabwe, kritisiert, Unternehmen hätten bisher keine große Rolle in der Wende hin zu sauberer Energie gespielt, obwohl sie für einen Großteil der Emissionen verantwortlich sind. Das liege vor allem daran, dass es keine klaren Vorschriften und Anreize der Regierung gebe.

Laut einer Studie der CZI gaben Betriebe 2016 nur 2 Prozent ihrer Aufwendungen für Alternativen zum staatlichen Energienetz für Solarenergie aus. 10 Prozent wurden fur Flüssiggas (LPG) und 60 Prozent für Dieselgeneratoren aufgewendet.

Allerdings zeigen die Daten der CZI auch, dass ein Viertel der simbabwischen Unternehmen weiterhin abhängig vom nationalen Stromnetz sind.

Tawanda Muzamwese, ein unabhängiger Energieexperte, glaubt aber, dass sich nun immer mehr Firmen für Solarenergie als Alternative entscheiden werden – allein schon, weil Sonnenlicht in dem südafrikanischen Land reichlich vorhanden sei.

„Unternehmen verstehen langsam, dass nachhaltige Energie ihre Wettbewerbsfähigkeit und Rentabilität verbessert. Außerdem haben sie besseren Zugang zu anderen Märkten, auf denen verstärkte Nachfrage nach nachhaltig produzierten Gütern besteht“, so Muzamwese.

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