Sigmar Gabriel: Ein Außenminister sucht einen starken Partner

German Economic Affairs Minister Sigmar Gabriel is calling for greater flexibility for countries like France and Italy in exchange for reforms within the Stability and Growth Pact. [The Council of the European Union]

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD): "Es gibt Grenzen, die man nicht überschreiten darf" [Foto: The Council of the European Union]

Sigmar Gabriels erster richtiger Tag als Außenminister beginnt ungewöhnlich, und zwar auf dem Flughafen Braunschweig-Wolfsburg.

Dort bricht er am Samstag im Morgengrauen zu seiner ersten Auslandsreise in neuer Funktion auf. Nach seinem Amtsantritt am Vortag in Berlin wollte Gabriel seine Frau Anke und die vierjährige Tochter Marie zurück ins heimische Goslar bringen. Deswegen fällt auf den nahe gelegenen Airport mit dem ersten Sonnenstrahl auch ein bisschen Glanz der Weltpolitik.

Keine 24 Stunden nach seinem Amtsantritt reist Gabriel nach Paris. Nachdem er den Posten des Wirtschaftsministers abgegeben, den Rücktritt vom SPD-Parteivorsitz angekündigt und den Ballast des potenziellen Kanzlerkandidaten abgeworfen hat, wirkt Gabriel im Flieger entspannt – aber auch gespannt angesichts seiner neuen Aufgabe.

Er übernimmt das Außenministerium in einer Zeit, in der die Welt täglich ihre bisherige Umlaufbahn ein bisschen mehr zu verlassen scheint. Die EU bereitet sich auf die Brexit-Verhandlungen mit Großbritannien vor, der Krieg in Syrien geht bald ins siebte Jahr, der Ukraine-Konflikt ist ungelöst. Und dann ist da noch die große Frage, wie Europa dem neuen US-Präsidenten Donald Trump begegnet.

Nachdem sich Gabriel in der von ihm ausgelösten Postenrochade das Außenministerium ausgesucht hatte, wurde umgehend die Frage aufgeworfen, ob er der Richtige für dieses Amt sei. Schließlich ist Gabriel bekannt dafür, hin und wieder impulsiv, manchmal laut zu sein.

Seine ersten Schritte im Amt signalisieren Stabilität: Mit seinem Antrittsbesuch in Paris folgt Gabriel einer deutschen Tradition, nach der ein neuer Minister im Auswärtigen Amt als erstes den europäischen Verbündeten auf der anderen Rheinseite besucht. „Für uns ist wichtig, dass inhaltlich und öffentlich sichtbar wird, dass Deutschland und Frankreich möglichst überall gemeinsame Positionen vertreten“, sagt Gabriel.

Mit seinem französischen Kollegen Jean-Marc Ayrault will er ein Zeichen senden: Deutschland und Frankreich müssten das Rückgrat Europas sein, damit der Kontinent stark ist und in der Welt mit einer Stimme spricht. Das ist besonders an Trump und die neue Regierung in Washington gerichtet.

Im Auswärtigen Amt werden in diesen Tagen unter Hochdruck die nächsten Schritte des neuen Chefs geplant. Aus Diplomatenkreisen heißt es, Gabriel wolle zunächst nach Brüssel reisen, um dort mit den EU-Vertretern „rasch zentrale europäische Themen zu besprechen“. Das nächste Ziel könnte dann schon Washington sein: Gabriel will dort den neuen Außenminister Rex Tillerson treffen – und nach eigenen Angaben selbstbewusst auftreten.

In Paris war es für Gabriel hingegen fast ein Heimspiel: Sein langjähriger Freund Ayrault empfing ihn nicht nur mit viel Lob zum Antrittsbesuch im altehrwürdigen Quai d’Orsay, er begrüßte den „lieben Sigmar“ auch in einwandfreiem Deutsch. Gabriel verspricht daraufhin, Anfang und Ende seiner nächsten Rede in Frankreich wolle er auf Französisch halten. „Das wird vielleicht die größte Herausforderung für mich“, sagt er mit einem Augenzwinkern – wohlwissend, dass die politische Weltlage noch ganz andere Herausforderungen für ihn bereit hält.