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27/09/2016

Schweiz lehnt Umgehung des russischen Importstopps für Nahrungsmittel ab

EU-Außenpolitik

Schweiz lehnt Umgehung des russischen Importstopps für Nahrungsmittel ab

Schweizer Käsefirmen sollen ersatzweise Gouda für Russland produzieren. Foto: Rupert Ganzer (CC BY-ND 2.0)

Die Schweiz hat Versuche einiger EU-Lebensmittelproduzenten abgelehnt, den russischen Importstopp für Nahrungsmittel aus der EU und anderen westlichen Ländern zu umgehen. Das Wall Street Journal berichtet, dass die Lebensmittelproduzenten den Stopp durch die Kennzeichnung ihrer Produkte als Schweizer Lebensmittel umgehen wollten. EurActiv Brüssel berichtet.

Die Schweiz ist von den russischen Vergeltungsmaßnahmen ausgenommen. Sie beteiligt sich nämlich nicht an den westlichen Sanktionen gegen das Land, die auf die Krim-Annexion am Anfang des Jahres folgten. Auch Moskaus Unterstützung der separatistischen Rebellen in der Ostukraine soll damit bestraft werden. 

Einige EU-Lebensmittelproduzenten wollten den russischen Importstopp durch den Export ihrer Produkte über die Schweiz umgehen. Das gab das Schweizer Bundesamt für Landwirtschaft am 19. August bekannt, so das Wall Street Journal. Weiterhin erklärte das Amt, dass es entsprechende Anfragen von Obst-, Gemüse und Nahrungsmittelproduzenten abgelehnt habe, wollte aber keine weiteren Details öffentlich machen.  

Die Schweiz sei verpflichtet, Nahrungsmittelexporte aus Hygienegründen zu zertifizieren, was sie bei Produkten, die im Ausland verarbeitet würden, nicht machen könne, sagte Jürg Jordi, ein Sprecher des Amtes.

Das Land hatte zuvor umgekehrt versprochen, dass Russland das Staatsgebiet der Eidgenossenschaft nicht zur Umgehung der westlichen Sanktionen nutzen darf. 

Unter den derzeitigen Umständen dürfte die Schweiz ihre Verkäufe in Russland steigern. Der Schweizer Käseexporteur InterCheese AG sprach bereits von Anfragen einiger russischer Kunden, die nach alternativen Anbietern verschiedener Käsesorten fragen. Insbesondere niederländischer Gouda und italienischer Mozzarellakäse sind davon betroffen, denn sie unterliegen dem russischen Importstopp.  

Andere Länder wie Serbien und Weißrussland sollen angeblich interessierter daran sein, den russischen Importstopp zu umgehen und Nahrungsmittel aus westlichen Ländern zu verkaufen. Das könnte durch die Anmeldung westlicher Lebensmittel als eigene Produkte geschehen. 

Nach Angaben der Webseite des russischen Fernsehens sind folgende Länder die wichtigsten Nahrungsmittellieferanten für Russland:

1. Deutschland mit 1,83 Milliarden US-Dollar (1,38 Milliarden Euro)
2. Polen mit 1,55 Milliarden US-Dollar (1,17 Milliarden Euro)
3. USA mit 1,54 Milliarden US-Dollar (1,16 Milliarden Euro)
4. Die Niederlande mit 1,42 Milliarden US-Dollar (1,07 Milliarden Euro)
5. Frankreich mit 1,42 Milliarden US-Dollar (1,07 Milliarden Euro)
6. Italien mit 1,34 Milliarden US-Dollar (1,01 Milliarden Euro)
7. Spanien mit 1,26 Milliarden US-Dollar (950 Millionen Euro)