Russland schenkt Serbien ausrangierte Kampfjets

Ein russisches Kampfflugzeug des Typs MiG-29 [REUTERS]

Russland hat die ersten von insgesamt sechs MiG-29 Kampfflugzeugen nach Serbien geliefert. Das russische Geschenk könnte die Spannungen zwischen dem EU-Beitrittskandidaten Serbien und seinen Nachbarn auf dem Balkan wieder verschärfen.

Moskau schenkt Serbien die ausrangierten Flugzeuge, liefert sie aber in Einzelteilen. Der Zusammenbau kostet Belgrad fast 200 Millionen Euro. Außerdem wird es einige Zeit in Anspruch nehmen, bis die MiGs wieder fit für Flugeinsätze sind. Einige Beobachter bezweifeln daher, dass die Maschinen die serbische Luftwaffe tatsächlich stärken.

Die Kampfflugzeuge sollen am 20. Oktober bei einer Parade zum Befreiungstag Belgrads im Zweiten Weltkrieg in der Hauptstadt präsentiert werden. Der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu wird als Gast erwartet.

Die ersten beiden demontierten MiGs kamen am 2. Oktober aus Russland an, zwei weitere folgten am 3. Oktober. Am morgigen Freitag sollen die restlichen Maschinen, Ausrüstung, Waffen und Ersatzteile geliefert werden. Die erste Ladung wurde am Montag auf dem Stützpunkt Batajnica von Verteidigungsminister Aleksandar Vulin und hochrangigen Offizieren in Empfang genommen.

„Wir sind stolz, dass unsere Luftwaffe zum ersten Mal seit 1987 neue Flugzeuge erhält,“ so Vulin in einer Pressemitteilung. Die MiGs würden die serbische Armee „stärker, besser organisiert und moderner“ machen.

Der Westen und die Nachbarn sind wachsam

Serbiens Bemühungen, die militärischen Beziehungen zu Russland zu verbessern, sorgen für Stirnrunzeln bei westlichen Staaten und Bedenken bei den Nachbarn Bosnien-Herzegowina und Kroatien. Letzteres ist auch NATO-Mitglied.

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Serbien selbst ist seit 2012 offizieller EU-Beitrittskandidat. Die Verhandlungen verlaufen bisher allerdings schleppend und Belgrad sucht die Nähe zu Moskau. In den Balkankriegen der 1990er Jahre war Russland Serbiens engster Verbündeter und belieferte das Land während des westlichen Embargos mit Gütern. Kulturell betonen Vertreter beider Länder auch das gemeinsame Slawentum sowie das orthodoxe Christentum.

Serbien ist von vielen NATO-Mitgliedern umgeben, hat sich mit einer Parlamentserklärung vor zehn Jahren jedoch militärisch neutral erklärt. Das Land ist allerdings Teil der Partnerschaft für den Frieden und unterzeichnete im Jahr 2015 eine individuelle Partnerschaft (Individual Partnership Action Plan, IPAP) mit der NATO. Die IPAP gilt als die engstmögliche Zusammenarbeit der NATO mit Nicht-Mitgliedstaaten.

Die aktuelle Schenkung der sechs russischen Kampfflugzeuge war im Dezember 2016 vom damaligen serbischen Premier Aleksandar Vučić und Russlands Verteidigungsminister Schoigu vereinbart worden.

Nachdem die „neuen“ MiGs der serbischen Luftwaffe bei der Parade in Belgrad präsentiert worden sind, werden sie einer Modernisierung unterzogen. Es ist momentan nicht klar, wann die Flugzeuge tatsächlich einsatzbereit sind. Schätzungen von Experten reichen von mehreren Monaten bis zu wenigen Wochen, da die Jets angeblich bereits in Russland teil-modernisiert worden waren.

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