Russia Today: Russische „Propagandamaschine“ startet in Frankreich

Der Sender RT ist wichtiger Kommunikationskanal des Kremls. Bald gibt es neben dem Online-Angebot auch einen TV-Sender in französischer Sprache [RT]

Der russische TV-Sender RT (ehemals Russia Today) sendet ab Dezember auch aus Paris. Der Kreml scheint seinen Informationskrieg auszuweiten. Ein Bericht von EURACTIV France.

Laut französischen Medienberichten startet der französischsprachige Kanal von RT Ende des Jahres mit einem Budget von 25 Millionen Euro. Neben dem Online-Angebot in vielen Sprachen sendet RT englisch-, spanisch- und arabischsprachige TV-Sendungen aus Moskau und hat im Jahr 2014 neue Studios in London eröffnet. Der Sender hat ein jährliches Budget von 300 Millionen Euro.

RT will es sowohl über Satellit als auch Kabel-TV mit den etablierten französischen Sendern aufnehmen. Für den Ableger in Frankreich sollen bis zu 150 Journalisten angestellt werden.

Die Bezeichnung „Journalist“ für RT-Mitarbeiter wird jedoch nicht überall als treffend angesehen. Während eines Gipfetreffens mit Russlands Präsident Wladimir Putin in Versailles im Mai sagte der französische Präsident Emmanuel Macron, die Verfasser von Beiträgen auf RT und Sputnik könne man nicht Journalisten nennen: „Russia Today und Sputnik verhalten sich wie Propagandamaschinen. Sie lügen und verbreiten diffamierende Unwahrheiten”, sagte der sichtlich verärgerte Präsident damals.

Ukraine, Syrien und russische Propaganda: Macron setzt rote Linien

Die Präsidenten Frankreichs und Russlands haben sich gestern in Versailles getroffen. Emmanuel Macron kritisierte insbesondere die russischen Medien Sputnik und Russia Today.

Zum Ende des Wahlkampfes hatte Macrons Partei La République En Marche! Vertretern der beiden Sender Zugang zu ihren Pressekonferenzen verweigert, nachdem diese falsche Gerüchte über Macrons angebliche Homosexualität verbreitet (Sputnik) und den Hashtag  #Macronleaks der russischen Hackergruppe APT 8 benutzt hatten.

Während der Wahlkampagne hatten RT und Sputnik Informationen aus Blogs und anderen Websites gesammelt und diese in Nachrichtenartikel umformuliert. So trugen sie zur Verbreitung von Fake News bei.

Fake News und die extreme Rechte

Dieser Artikel von Sputnik darüber, dass sich angeblich eine Million Europäer zu Anti-Migranten-Milizen zusammenschließen, verdeutlicht die Vorgehensweise dieser Sender: Ein (falscher) Fakt wird in die Überschrift geschrieben, andere Medien als Quelle genannt (in diesem Fall die Iswestija), und der Text mit einem echten Foto komplettiert (in diesem Fall ein Bild der Nachrichtenagentur Reuters, das ungarische Jugendliche in Pfadfinder-Uniformen zeigt).

Russland-Propaganda: "Ein Kampf um die Gesinnung der Massen"

Die neue Abteilung für Propaganda und Cyber-Kriegsführung im russischen Verteidigungsministerium umfasst 1.000 Mitarbeiter und ein Budget von 300 Millionen Euro. Vor allem die Wahlen in Frankreich stehen derzeit im russischen Fadenkreuz. EURACTIV Frankreich berichtet.

RT konzentriert sich hauptsächlich auf drei Themen: Anti-Migration, europäische Politiker und den angeblichen Zusammenbruch Europas. So konnte man am 20. August beispielsweise auf der RT Homepage zwei Artikel über Armut in Deutschland, vier Anti-Immigranten-Texte und ein Live-Video sehen, das einen Polizisten zeigt, der angeblich einen Terroristen im russischen Surgut erschießt.

Es ist davon auszugehen, dass die redaktionelle Linie des neuen TV-Senders, der kürzlich die Zulassung der französischen Rundfunkbehörde (CSA) erhalten hat, sich der von francais.rt.com und von Sputnik.fr anpassen wird: Scharf anti-EU, strikt prorussisch und mit einem Nachgeschmack von Rechtspopulismus und -extremismus.