EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

23/01/2017

Pressefreiheit in Thailand: New York Times erscheint mit leerer Titelseite

EU-Außenpolitik

Pressefreiheit in Thailand: New York Times erscheint mit leerer Titelseite

Hauptsitz der New York Times in Manhattan

[SamChills/Flickr]

Die International New York Times sah sich gestern in Thailand gezwungen, eine praktisch leere Titelseite zu drucken. Daraufhin übte der Wächter über die Pressefreiheit, Index on Censorship, scharfe Kritik an der „großen Abschreckungswirkung“ der Militärjunta. EurActiv Brüssel berichtet.

Die International New York Times hatte weltweit einen langen Beitrag zum Wirtschaftsabschwung Thailands auf die Titelseite setzen wollen. In Thailand entfernten lokale Druckereien jedoch den Beitrag mit dem Titel „Thai Economy and Spirits Sagging“ (Einbruch der thailändischen Wirtschaft und Stimmung). Übrig blieb ein großes weißes Feld auf der Titelseite.

Laut Index on Censorship, einem Watchdog für Pressefreiheit, gebe es seit der Machtübernahme der Militärjunta im letzten Jahr ein Muster sowohl beim scharfen Vorgehen gegen die Medien als auch bei der Selbstzensur der Presse. „Die Pressefreiheit in Thailand hat seit dem Putsch 2014 deutlich abgenommen“, sagte die Vorstandsvorsitzende Jodie Ginsberg EurActiv. „Unter den Gesetzen zur Majestätsbeleidigung droht jedem, der die Königsfamilie kritisiert, eine Gefängnisstrafe von bis zu 15 Jahren. Wie das Beispiel der New York Times zeigt, verschreckt dies die Medien in Thailand ungemein.“

Ein „Blitzkrieg gegen freie Berichterstattung“

Die Razzien bei Nachrichtenredaktionen und die Festnahmen von Journalisten seit dem Putsch im Mai 2014 kämen einem Blitzkrieg gegen freie Berichterstattung und die Mitteilung von Informationen gleich, kritisierte Reporter ohne Grenzen, ein Pariser Watchdog. In seinem Pressefreiheitsindex erreicht Thailand nur Platz 134 von insgesamt 180 Ländern.

In der Dienstagsausgabe der International New York Times beschrieb der Beitrag, dass Raubüberfälle und Eigentumsdelikte 2015 um 60 Prozent zugenommen hätten. Außerdem zählten die thailändischen Haushalte laut Artikel zu den am stärksten verschuldeten Haushalten in Asien.

Stattdessen hieß es auf der praktisch leeren Titelseite der thailändischen Ausgabe: „Die thailändischen Drucker haben den an dieser Stelle geplanten Artikel entfernt. Die International New York Times und ihr Redaktionsteam sind nicht für die Auslassung verantwortlich.“ Die lokalen Drucker von Eastern Printing PCL kommentierten ihre Entscheidung nicht, so die Nachrichtenagentur Agence-France Presse. Schon im September hatte man ebenfalls einen Artikel der NYT zum Gesundheitszustand des achtzigjährigen Monarchen, König Bhumibol, entfernt.

Unter der Junta des Generals Prayuth Chan-ocha, drohen nun dem britischen Anwalt und Aktivisten Andy Hall bis zu sieben Jahre Haft. Der Grund: Er hatte bei der Recherche eines finnischen NGO-Berichts zu Verstößen gegen Arbeitnehmerrechte in der Obstkonservenindustrie geholfen.

Das Militärregime versprach, im Laufe des Jahres 2017 nach langwierigen Beratungsgesprächen und der Ausarbeitung einer Verfassung zu einer neue Zivilregierung zurückzukehren. In Folge des Putsches hatte die EU die Verhandlungen zu einem bis dahin fast abgeschlossenen Freihandelsabkommen mit Bangkok ausgesetzt. Letzte Woche enthüllte EurActiv, es gebe „scheinbar null Chancen“ darauf, dass man mit Thailand unter der Militärregierung ein Freihandelsabkommen ratifiziere.

Reporter ohne Grenzen veröffentlichte letzten Monat seinen Bericht „Media hounded by junta since 2014 Coup“ (Die Jagd der Junta auf die Medien seit dem Putsch 2014). Darin wirft man Chan-ocha vor, er würde die Medien verfolgen. „Er erzwingt eine Herrschaft des Terrors mit Verhören, willkürlichen Verhaftungen, einer Welle strafrechtlicher Verfolgungen und unverhohlenen Drohungen“, heißt es im Bericht.

Weitere Informationen