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28/09/2016

Oxfam: Reiche Staaten nehmen nur geringen Anteil der Flüchtlinge aus Syrien auf

EU-Außenpolitik

Oxfam: Reiche Staaten nehmen nur geringen Anteil der Flüchtlinge aus Syrien auf

Die Zahl der Flüchtlinge ist nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) so hoch wie nie zuvor.

Foto: Waer Hamzeh/dpa

Reiche Länder haben nur einen Bruchteil der knapp fünf Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen, kritisiert die Hilfsorganisation Oxfam. Nur Deutschland, Kanada und Norwegen hätten mehr getan, als sie müssten.

Seit 2013 seien nur 67.100 Menschen von reichen Staaten endgültig aufgenommen worden, dies entspreche knapp 1,4 Prozent der insgesamt 4,8 Millionen Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland, teilte die britische Organisation mit.

Oxfams Experte für humanitäre Hilfe, Robert Lindner, sagte: Mehr als 4,8 Millionen Menschen sind in den Nachbarländern Türkei, Libanon und Jordanien als Flüchtlinge registriert und haben ihre Hoffnung auf eine baldige Heimkehr aufgegeben. Länder mit einer starken Wirtschaft, guten öffentlichen Leistungen und einer entwickelten Infrastruktur könnten heute problemlos zehn Prozent der Flüchtlinge aufnehmen – eine Zahl die niedriger ist, als Hannover Einwohner hat. Das ist kein unrealistisches Ziel.“

Eine verstärkte Aufnahme von Flüchtlingen außerhalb der Krisenregion würde auch die von der Syrienkrise besonders hart getroffenen Nachbarländer entlasten. Im Libanon ist jeder fünfte Einwohner ein syrischer Flüchtling. In Jordanien machen syrische Flüchtlinge zehn Prozent der Bevölkerung aus und die viertgrößte „Stadt“ des Landes ist ein Flüchtlingscamp.

Oxfam rief die reichen Staaten auf, mindestens zehn Prozent der syrischen Flüchtlinge aufzunehmen. Lediglich Deutschland, Kanada und Norwegen hätten mehr bei der Aufnahme von Menschen getan, als sie im Vergleich zu ihrer wirtschaftlichen Lage eigentlich müssten. Dagegen erfülle beispielsweise Frankreich nur vier Prozent seiner Verpflichtungen.

Am Mittwoch eröffnet UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eine Konferenz in Genf, bei der über eine gerechtere Verteilung der Flüchtlinge gesprochen werden soll. Laut Oxfam ist bereits jeder fünfte Einwohner des Libanons Syrer. In Jordanien stellten Syrer zehn Prozent der Bevölkerung. Diese Länder mit schwacher Wirtschaft und schlechter Infrastruktur könnten nicht länger „nahezu alleine die Verantwortung tragen“, erklärte Oxfam.

Der Bürgerkrieg in Syrien geht mittlerweile in sein sechstes Jahr. Dabei starben mehr als 270.000 Menschen.