Osteuropa: Geflüchtete nicht willkommen

Migranten in der Transitzone an der serbisch-ungarischen Grenze in Horgos, Juli 2016. [Edvard Molnar/EPA]

Die neueste Gallup-Studie zum Thema Migration unterfüttert Erahntes mit Zahlen: Neun der zehn Staaten, die Migranten wenig willkommen heißen, liegen in Mittelosteuropa.

Sechs dieser Länder sind die EU-Staaten Ungarn, Slowakei, Tschechien, Lettland, Estland und Kroatien. Die restlichen drei – Mazedonien, Montenegro und Serbien – liegen auf der Balkanroute, auf der 2015/16 tausende Migranten von Griechenland nach Westeuropa reisten. Das zehnte Land in der „Top Ten“ ist Israel.

Außerdem liegen im Gallup-Ranking nur drei europäische Länder in der Gruppe der zehn migrantenfreundlichsten Länder: Island sowie die EU-Staaten Schweden und Irland.

Die EU kämpft seit 2015 mit massiven Flüchtlingsbewegungen, insbesondere aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Während die Hauptrouten 2015 und 2016 über griechische Inseln und den Balkan verliefen, ist inzwischen Süditalien der Einreise-Hotspot für Migranten. In den ersten sechs Monaten des Jahres haben die italienischen Behörden 85.000 Einreisen verzeichnet.

Die italienische Regierung ruft daher seit längerem die EU zu Unterstützung auf. Die Kommission müsse sicherstellen, dass andere Mitgliedsstaaten Geflüchtete aufnehmen – wie in einem Notfallplan vor zwei Jahren abgemacht. Dieser Plan ist in Realität jedoch kaum umgesetzt worden.

Die Kommission hat bereits Verfahren gegen die Tschechische Republik, Ungarn und Polen eingeleitet, die sich weigern, Migranten aufzunehmen.

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Die Studie von Gallup basiert auf drei Fragen, die im Jahr 2016 in 138 Ländern und 2017 in den USA gestellt wurden. Teilnehmer sollten ihre Meinung dazu äußern, dass bzw. wenn Migranten in ihre Länder einreisten, in ihre Nachbarschaft zögen und einen/eine ihrer Verwandten heirateten.

Menschen in osteuropäischen Ländern waren generell eher feindseelig gegenüber Migranten eingestellt und zeigten auch die größte Abneigung gegenüber Geflüchteten aus Syrien.

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Die Studie entdeckte auch Anhaltspunkte, „dass Menschen in diesen Ländern – von denen viele eine lange Geschichte gewaltsamer Auseinandersetzungen mit ihren Nachbarn haben – generell skeptisch und misstrauisch gegenüber Fremden sind. Die neuen Flüchtlingsströme haben diese Einstellung weiter verstärkt.”

Auch vor der sogenannten Flüchtlingskrise habe „die Mehrheit der Osteuropäer geäußert, dass Immigration in ihre Länder verringert werden sollte“, so das Meinungsforschungsinstitut. Grundsätzlich sei festgestellt worden, dass Akeptanz von Migranten bei höher gebildeten und städtischen Bevölkerungsteilen sowie unter Einwanderern der ersten Generation weiter verbreitet ist als in anderen Gesellschaftsschichten.

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