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30/09/2016

Ost-Ukraine: Folter und Festnahmen von Zivilisten

EU-Außenpolitik

Ost-Ukraine: Folter und Festnahmen von Zivilisten

m Bürgerkrieg im Osten der Ukraine werden nach Erkenntnissen von Menschenrechtlern Zivilisten auf beiden Seiten willkürlich inhaftiert und gefoltert.

Foto: dpa

Im Bürgerkrieg im Osten der Ukraine werden Menschenrechtlern zufolge Zivilisten auf beiden Seiten willkürlich inhaftiert und gefoltert. Sowohl  pro-russische Separatisten als auch ukrainische Einheiten seien beteiligt.

Das geht aus einem Bericht von Amnesty International und Human Rights Watch (HRW) hervor. „Menschen in der Ostukraine werden von beiden Konfliktparteien verschleppt und sind der Gnade und Gewalt ihrer Entführer hilflos ausgeliefert. Das ist unter keinen Umständen zu rechtfertigen“, erklärte die HRW-Expertin Tanya Lokshina. Marie Lucas von Amnesty International sagte: „Diese Menschen werden brutal misshandelt und gefoltert, weil sie verdächtigt werden, die Gegenseite zu unterstützen.“ Sie blieben teilweise über ein Jahr lang inhaftiert, häufig ohne Kontakt zu ihren Familien oder Anwälten.

Die Menschenrechtsorganisationen führten nach eigenen Angaben 40 Interviews mit Männern und Frauen, die misshandelt wurden, sowie mit ihren Familienmitgliedern, Zeugen, Anwälten und anderen Informanten. Sie dokumentierten sowohl Fälle, bei denen Zivilisten durch ukrainische Einheiten inhaftiert wurden, als auch willkürliche Inhaftierungen von Zivilisten durch pro-russische Separatisten.

Die Hälfte der Personen kam den Informationen zufolge im Rahmen von Gefangenenaustauschen frei. „Die Tatsache, dass häufig auch Zivilisten für Gefangenenaustausche genutzt werden, gibt Anlass zur Befürchtung, dass beide Seiten möglicherweise bewusst Zivilisten zu diesem Zweck festhalten. Solche Inhaftierungen würden als Geiselnahme und somit als Kriegsverbrechen gelten“, erklärte Lucas.