EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

25/09/2016

Obama wirbt energisch für „No-Brexit“

EU-Außenpolitik

Obama wirbt energisch für „No-Brexit“

Präsident Barack Obama landet mit Air Force One in London.

Foto: EPA/HANNAH MCKAY, dpa

Noch vor seinem Treffen mit Premierminister David Cameron hat US-Präsident Barack Obama bei seinem Großbritannien-Besuch energisch für den EU-Verbleib der Insel geworben.

„Die Europäische Union schmälert den britischen Einfluss nicht – sie vergrößert ihn“, schrieb er in einem Beitrag für den traditionell EU-kritischen „Daily Telegraph“.

Die EU habe geholfen, britische Werte und Praktiken von der Demokratie bis zu offenen Märkten bis an den Rand des Kontinents zu verbreiten, heißt es in dem heute veröffentlichten Beitrag. Und auch in Zukunft werde ein starkes Europa die „globale Führungsrolle Großbritanniens nicht bedrohen, sondern steigern“.

Obama war am Donnerstagabend zu seinem fünften Besuch seit seinem Amtsantritt in Großbritannien eingetroffen. Heute ist zunächst ein Mittagessen mit Königin Elizabeth II. auf Schloss Windsor geplant. Die Monarchin hatte am Donnerstag ihren 90. Geburtstag gefeiert. Am Nachmittag steht dann das Treffen mit Cameron an, anschließend wollen sich die Politiker
der Presse stellen.

Obama hatte schon zuvor klar gemacht, dass er durch einen Austritt des Königreichs bei einem „Nein“ im Brexit-Referendum im Juni eine Schwächung der EU fürchte. Im „Telegraph“ schrieb er nun an die Briten: „Die USA und die Welt brauchen auch weiterhin Ihren übergroßen Einfluss – innerhalb Europas“. Der Weg, den Großbritannien im Sommer einschlagen werde, werde gar „in den Chancen der heutigen Generation der US-Bürger widerhallen“.

Während viele „Atlantiker“ auf der Insel für Obamas Worte empfänglich sein dürften, versuchen die EU-Gegner, seine Werbung auszuschlachten. Ukip-Chef Nigel Farage rief den US-Präsidenten auf, sich aus den britischen Belangen „herauszuhalten“. Ex-Kabinettsminister Iain Duncan Smith bezeichnete Obamas Intervention als „unangemessen“. Beide bedienen die verbreitete Sorge, London sei Washingtons Schoßhündchen.

Schon vor Obamas Landung gab es Kritik. Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson bezeichnete es als „empörend“, dass die USA in dem britischen Referendum Position beziehen. Medienberichten zufolge machten zudem mehr als hundert Parlamentarier ihrem Unmut in einem Brief an den US-Botschafter in London Luft.

Weitere Informationen