EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

18/01/2017

Moskau blockiert Einstellung ukrainischer Journalisten bei Euronews

EU-Außenpolitik

Moskau blockiert Einstellung ukrainischer Journalisten bei Euronews

Euronews' futuristischer Sitz in Lyon, Frankreich.

[ricochet64 / Shutterstock]

Moskau finanziert die Russland-Sektion des französischen Senders Euronews – weigert sich aber, Journalisten der mittlerweile geschlossenen Ukraine-Abteilung bei sich einzustellen. EurActiv Brüssel berichtet.

Der EU-geförderte Privatsender Euronews geriet in den letzten Jahren zusehends ins Wanken. Grund dafür war das Auftauchen ausländischer Investoren. Erst kürzlich musste der Sender seinen Ukrainedienst wegen mangelnder Finanzierung schließen und 17 Journalisten entlassen.

Diskriminierung aufgrund von Nationalität?

Der‘ Russlanddienst von Euronews hingegen verfügt über fünf offene Stellen, weigert sich jedoch, einen der 17 Reporter der ehemaligen Ukrainesektion einzustellen. Aus den Führungsetagen heißt es, das russische Staatsfernsehen habe als Anteilseigner die explizite Anweisung gegeben, keine ukrainischen Journalisten anzuheuern.

Die Betroffenen argumentieren, es verstoße gegen das französische Arbeitsrecht, offene Positionen innerhalb einer Firma nicht jenen anzubieten, deren Stellen gekürzt werden – ganz zu schweigen von der moralischen Verantwortung eines Unternehmens gegenüber seinen Mitarbeitern, die mittlerweile seit über fünf Jahren gute Arbeit leisten.

Das Management entgegnet diesen Vorwürfen nur, ukrainische Journalisten könnten nicht für die Russlandsektion arbeiten, weil „ihr kultureller Hintergrund zu verschieden“ sei. Lächerlich, meinen die Reporter. Die Mitarbeiter beider Abteilungen stammen aus der ehemaligen Sowjetunion, sind also in einem ähnlichen kulturellen und bildungspolitischen Umfeld aufgewachsen.

Die Entlassenen verweisen in ihrer Argumentation auch auf den Englanddienst, der im Laufe der Zeit Journalisten aus Australien, Neuseeland, Südschottland, Irland, den USA und sogar Frankreich beschäftigt habe. Dort sei ein anderer kultureller Hintergrund nie ein Problem gewesen. Darüber hinaus gehöre kulturelle Vielfalt zu den Hauptwerten des Senders. Sie unterscheide Euronews von der Konkurrenz, wie der Unternehmensvorstand zu sagen pflegt.

Was derzeit unternehmensintern vor sich gehe, sei laut französischer Rechtsprechung illegal, meinen Euronews-Journalisten im Gespräch mit EurActiv. Sie selbst würden kämpfen, versprechen sie.

Abgesehen von der Einstellungsproblematik sorgen sich die Journalisten über die „brutal schwindende“ europäische Dimension des Senders. Das Management versuche, aus Euronews ein „schlechtes CNN“ zu machen, das über alles berichtet außer die EU.

„Wenn sich das Management heute den Einstellungsforderungen aus Russland beugt, könnten morgen alle Euronews-Dienste gezwungen sein, russische Staatspropaganda in ihrer jeweiligen Sprache auszustrahlen“, so ein Journalist.

Die finanzielle Situation des Senders ist angeblich angespannt. Schuld daran sei eine Geldstrafe in Höhe von 1,5 Millionen Euro wegen unerlaubter Nutzung von Videos der französischen Presseagentur AFP.

Vergangenes Jahr hatte EurActiv Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gefragt, ob er von Problemen bei Euronews gehört habe. In seiner typischen Art ging er jedoch mit Witzen über die eigentliche Frage hinweg.