EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

25/09/2016

Menschenschmuggel: Das einträgliche Geschäft

EU-Außenpolitik

Menschenschmuggel: Das einträgliche Geschäft

Auch die Nato ist gegen Schlepper im Einsatz.

[ Ann Wuyts/Flickr]

Interpol und Europol warnen: Der Schmuggel von Flüchtlingen sei eine der größten Einkommensquellen für die organisierte Kriminalität überhaupt. Schlepper verdienten 2015 fünf Milliarden Euro.

Die internationalen Polizeibehörden Interpol und Europol haben vor wachsenden Risiken durch Schleppernetzwerke gewarnt. Der Menschenschmuggel nach Europa entwickle sich für die organisierte Kriminalität, aber auch für Terrornetzwerke zu einem einträglichen Geschäft, heißt es in einem gemeinsamen Bericht, den die europäische Polizeibehörde
Europol und die internationale Behörde Interpol am Dienstag an ihren Sitzen in Lyon und Den Haag vorstellten. Sie schätzen, dass im vergangenen Jahr für Schlepperdienste nach Europa rund 5,3 Milliarden Euro gezahlt wurden.

Damit wäre der Schmuggel von Flüchtlingen eine der größten Einkommensquellen für die organisierte Kriminalität in Europa überhaupt, hieß es weiter. Die Polizeibehörden äußerten die Befürchtung, dass Terrororganisationen verstärkt versuchen könnten, in dem Geschäft mitzumischen – mit dem Ziel, sich Einnahmen zu sichern oder über die Fluchtrouten eigene Aktivisten nach Europa einzuschmuggeln.

„Es wächst die Sorge,  dass illegale Migrationsnetzwerke von ausländischen Kämpfern benutzt werden könnten, die in die EU heimkehren wollen, oder von Terrororganisationen, die ihre Aktivitäten finanzieren wollen“, heißt es in dem Bericht.

Die beiden Behörden schätzen, dass rund 90 Prozent der in Europa ankommenden Flüchtlinge auf die Dienste von Schlepperbanden zurückgegriffen haben. Dabei zahlten sie in der Regel zwischen 3000 und 6000 Euro pro Person. Hochgerechnet auf die gesamte Zahl der 2015 nach Europa gekommenen Flüchtlinge ergäben sich daraus Gesamteinnahmen von mehr als fünf Milliarden Euro.

Die Polizeiagenturen warnten, dass dieses Geschäftsmodell trotz derzeit sinkender Flüchtlingszahlen längst noch nicht erledigt sei. Sie gehen sogar davon aus, dass eine wachsende Zahl von Migranten versuche, in die EU zu gelangen. Allein in Libyen warteten derzeit rund 800.000 Flüchtlinge auf eine Chance zur Überfahrt.