Melilla: Spanische Enklave in Marokko als Fluchtweg nach Europa

Einige Migranten aus Subsahara-Afrika jubeln, als sie die temporäre Flüchtlingsunterkunft in Melilla erreichen. Melilla, 19. Juli 2017. [F.G. Guerrero/EPA]

Die Repressionen in der marokkanischen Region Rif haben die spanische Enklave Melilla zu einem wichtigen Ausreisepunkt für verfolgte Menschen gemacht, die in der EU Asyl erhalten wollen. Ein Bericht von euroefe.es.

In Beni-Enzar, dem Hauptgrenzposten zwischen Marokko und Spanien in Melilla, gibt es ein Büro für EU-Asylanträge. Die meisten Asylsuchenden kommen aus Kriegsregionen wie dem Irak und Syrien, aber in den vergangenen Monaten häufen sich Anträge von Marokkanern aus Alhucemas. In dieser Stadt, ungefähr 100 Kilometer von Melilla entfernt, befindet sich das Epizentrum der jüngsten Zusammenstöße in der Region Rif.

„Angeblich werden diese Menschen von der marokkanischen Polizei gesucht“, so der Anwalt Rafael Gámez, der für die spanischen Polizeikräfte in Asylfragen tätig ist, gegenüber EFE.

Die Proteste in Rif begannen im Oktober 2016. Seitdem sind fast 200 Aktivisten verhaftet worden, die für Entwicklung und wirtschaftliches Wachstum sowie gegen die „Militarisierung“ ihrer Region demonstrierten. Die Menschen, die sich in das Asylbüro der EU-Enklave flüchten, hätten Angst und „werden dafür verfolgt, dass sie in friedlichen Demonstrationen für ihre Rechte einstehen“, so der Anwalt. „Sie kommen aus Angst vor Vergeltung und weiterer Repressalien hierher.“

"Inkonsistente" Haltung: Marokko droht EU

Die EU müsse klar machen, wie sie zu Marokko stehe und mit widersprüchlichen Positionen aufräumen, warnt der marokkanische Landwirtschaftsminister. Andernfalls werde es Konsequenzen bei der Einwanderung und im Handel geben. EURACTIV Spanien berichtet.

Gámez erklärt weiter, dass die Asylsuchenden ihre aktive Beteiligung an den Protesten – beispielsweise durch Videos, Fotos oder schriftliche Publikationen – sowie, dass sie in Marokko polizeilich gesucht werden, belegen müssten.

Geschafft hat dies Moneim, der Alhucemas verließ und heimlich nach Melilla einreiste. „Ich kann meinen Ausweis nicht benutzen“, sagt er gegenüber EFE. Die Gefahr, von marokkanischen Grenzposten festgesetzt zu werden, sei zu groß. Er sei „in einer Menschenmenge und dank der Hilfe dieser Menschen“, die in Melilla mit Waren handeln, in die spanische Stadt gedrängt.

Der junge Mann berichtet weiter, die marokkanischen Behörden suchten nach Aktivisten. „Sie foltern sie und tun viele andere schlimme Dinge.“ Deswegen würden immer mehr von ihnen versuchen, über Melilla Asyl in Europa zu erlangen. „Wenn du frei sprechen möchtest, musst du dieses Land verlassen“, so Moneim.

Schwierige Weiterreise

Der in Melilla gewährte Schutz habe ihm allerdings kein Ticket nach Europa gesichert, und Moneim fürchtet, dass er jetzt „ein Jahr oder eineinhalb Jahre hier warten muss“, ohne dass er die Stadt verlassen kann.

Geflüchtete mit syrischer Nationalität verbrächten nur einige Wochen in der Enklave, bevor sie nach Spanien weitergeschickt werden. Menschen aus dem Maghreb, wie er selbst, hätten hingegen das Gefühl, „endlos gefangen“ zu sein. „Melilla ist kein Platz zum Bleiben, an dem man sich niederlässt”, findet Moneim. Er wolle „nicht so lange warten. In dieser ganzen Zeit könnte ich so viele andere Dinge schaffen. Es geht um meine Zukunft.“ Doch eine andere Angst überwiegt bei ihm: Dass die marokkanischen Behörden „jemanden rüberschicken“ könnten, der ihn zurück nach Marokko bringt – „als sei nichts geschehen.“

EU-Bevölkerung wächst aufgrund von Migration

Die EU-Bevölkerung ist im vergangenen Jahr gewachsen, obwohl die Geburten- und Todeszahlen gleich geblieben sind. Grund dafür ist die gestiegene Migration.

In den offiziellen Daten über Flüchtlinge in Melilla – insgesamt fast 1300 seit Anfang des Jahres – werden Menschen aus der Rif-Region nicht gesondert geführt. NGOs wie die spanische Flüchtlingshilfsorganisation CEAR sprechen von ungefähr einem Dutzend.

Diese Zahl erscheint klein, aber Moneim erwartet, dass sie steigen wird: „In Alhucemas ist praktisch jede Person ein Aktivist. Alle wollen ihre Rechte einfordern.“