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25/09/2016

Legale Prostitution: Mit käuflicher Liebe gegen Menschenhandel?

EU-Außenpolitik

Legale Prostitution: Mit käuflicher Liebe gegen Menschenhandel?

In den meisten Fällen sind Frauen die Opfer von Menschenhandel - oft folgt die Zwangsprostitution.

Tim Brakemeier/dpa

Die meisten Opfer von Schleppern werden sexuell ausgebeutet – fast immer sind Frauen und Mädchen betroffen. Eine Studie hat nun untersucht, ob erlaubte Prostitution den Menschenhandel eindämmen kann.

Die Dunkelziffer ist hoch – dennoch ist klar: Die Zahl der Opfer von Menschenhandel in der EU ist in den letzten Jahren massiv gestiegen. Dabei sind Zwangsarbeit und erzwungene Prostitution die beiden größten Antriebe. Wie eine Studie im Auftrag der EU Kommission nun zeigt, handelt es sich bei den sexuell ausgebeuteten Opfern von Menschenhandel mit 96 Prozent bei der großen Mehrheit um Frauen und Mädchen. Daten von Eurostat aus dem Jahr 2012 zeigen zudem, dass drei Viertel der Opfer von Menschenhandel weiblich sind.

Seit langem schon wird darüber gestritten, ob und wie die Entkriminalisierung von käuflicher Liebe dazu beitragen könnte, Zwangsprostitution zu minimieren. Vor kurzem wurde nun das Anbieten von käuflichem Sex in den meisten EU-Mitglied legalisiert, ein Schritt, den das EU-Parlament in einer Entschließung vom 26. Februar 2014 über die sexuelle Ausbeutung und Prostitution (2013/2103 (INI)) empfohlen hatte. Doch bislang fehlt in der EU keine einheitliche Linie, wie mit legaler Prostitution umgegangen wird. Noch immer verboten ist Prostitution nur noch in wenigen Mitgliedstaaten wie Kroatien, in Deutschland und den Niederlanden etwa ist sie erlaubt.

Niederlande und Deutschland als Vorbild?

Ob sich der Menschenhandel mit dem Zweck sexueller Ausbeutung tatsächlich verringern lässt, wenn man die legale Prostitution reguliert, untersuchte nun die Studie eines internationalen Teams der Lancaster University und der Universität Duisburg-Essen. Besonders zwei Städte standen dabei im Fokus: Dortmund und Amsterdam. Die Niederlande und Deutschland erlauben Prostitution als Geschäft, kombinieren dies allerdings mit einem hohen Grad an Überwachung und Regulierung.

Beide untersuchten Städte gingen neue Wege, Prostitutionsstätten zu genehmigen, zu regulieren und zu kontrollieren, sagt die Co-Autorin Birgit Apitzsch. „In Dortmund müssen Bordelle dem Gewerbeamt gemeldet sein, und in der Regel braucht der Betreiber eine Konzession.“ Polizei und Ordnungsamt kontrollieren zudem regelmäßig, ob es Anhaltspunkte für Menschenhandel gibt.

In Amsterdam sind Bordellbetreiber verantwortlich dafür, dass Frauen sich nicht unfreiwillig anbieten, selbstständige Sexarbeiterinnen müssen sich bei der Handelskammer registrieren. Ämter und Polizei in beiden Städten setzten außerdem auf einen vertrauensvollen Umgang mit Prostituierten, kooperierten eng mit Beratungsstellen“, betont der Mitautor Markus Tünte.

Experten betrachten verbotene Formen der Prostitution, etwa auf der Straße und unter Einbeziehung junger Menschen, als besonders fördernd im Zusammenhang mit Menschenhandel. Die Studien-Autoren schließen daraus, dass die Änderungen in der gesetzlichen Regelung bestimmter Formen von Prostitution zu weniger Menschenhandel beigetragen haben, empfehlen jedoch weitere Schritte.

Einheitliche Lizensierung von Bordellen

Die Lizensierung von Bordellen sollte bundesweit einheitlich geregelt werden, die Beratungsstellen müssten besser finanziert werden, fordern sie. „Indem sie sich um Opfer von Menschenhändlern kümmern, unterstützen sie auch deren Strafverfolgung“, sagt Apitzsch.

Deutschland will der sexuellen Ausbeutung nun außerdem mit einem Gesetzentwurf von Justizminister Heiko Maas einen Riegel vorschieben. Freier, die Dienste von Zwangsprostituierten in Anspruch nehmen, sollen demnach in Zukunft mit einer Haft von bis zu fünf Jahren bestraft werden.

Das Thema Zwangsprostitution beschäftigt auch das EU-Parlament, das zurzeit eine Resolution erarbeitet. Der Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Nahrungsmittelsicherheit (ENVI) des Parlaments hatte vor wenigen Tagen dazu aufgerufen, die Bekämpfung des Menschenhandels stärker in den Fokus zu nehmen.