Kosovo-Streit: Serbien zieht Botschafter aus Mazedonien ab

Der serbische Präsident Aleksandar Vučić feiert seinen Wahlsieg. Belgrad, am 2. April 2017 [Andrej Cukic/ EPA]

Serbien hat am Montag seine Botschaftsmitarbeiter aus dem südlichen Nachbarland Mazedonien abgezogen, nachdem Berichte erschienen waren, laut denen Skopje diplomatische Bemühungen unterstützt, um dem Kosovo die Mitgliedschaft in der Kulturorganisation der Vereinten Nationen (UNESCO) zu ermöglichen.

Die ehemalige serbische Provinz Kosovo, deren Bevölkerung zu 90 Prozent ethnisch albanisch ist, hatte sich 2008 von Serbien unabhängig erklärt. Das Land wird heute von 114 Staaten anerkannt, darunter von Mazedonien sowie von 23 EU-Mitgliedsländern. Die Verbündeten Serbiens – Russland und China – blockieren jedoch weiterhin eine Vollmitgliedschaft des Kosovo in der UN.

Am Montag sagte der serbische Präsident Aleksandar Vučić gegenüber Journalisten, die Botschaftsmitarbeiter würden abgezogen, nachdem Belgrad Beweise „für durchaus angreifende Handlungen [Mazedoniens] gegen Organe und Institutionen Serbiens“ gesammelt habe. Vučić gab diesbezüglich keine weiteren Details bekannt, fügte aber hinzu: „Es gibt viel Spekulation. Ich denke, in den nächsten zehn Tagen wird alles etwas klarer werden.“

Neue mazedonische Führung will EU-NATO-Integration vorantreiben

Premierminister Zaev hat angekündigt, Mazedonien werde die Beziehungen zu seinen EU-Nachbarn Griechenland und Bulgarien verbessern und Reformen umsetzen.

Serbiens Außenminister Ivica Dačić warnte, Mazedoniens Anstrengungen für eine UNESCO-Mitgliedschaft des Kosovo könnten die Beziehungen der beiden Länder weiter belasten. Er schien auch  darauf anzuspielen, dass Serbien den Landesnamen „Mazedonien“, der Mittelpunkt eines Streits zwischen Mazedonien und Griechenland ist, möglicherweise nicht mehr anerkennen werde.

Mazedonien ist EU-Beitrittskandidat. Die Verhandlungen wurden allerdings bisher nicht aufgenommen, da Griechenland sie blockiert. Aus Athener Sicht spiegelt der Name Mazedonien territoriale Ansprüche auf die nordgriechische Region gleichen Namens wider.

In einer Mitteilung erläuterte die mazedonische Regierung gestern: „Mit der Entscheidung, für den UNESCO-Beitritt des Kosovo zu stimmen, folgt Mazedonien einem Großteil der EU-Staaten.“

Ethnische Albaner machen fast ein Drittel der Bevölkerung Mazedoniens aus.

Die Beziehungen zwischen Belgrad und Skopje hatten sich bereits im April verschlechtert, als Medien berichteten, dass ein serbischer Geheimdienstmitarbeiter zugegen gewesen sein soll, als das mazedonische Parlament von Protestlern gestürmt worden war und die Angreifer mehrere Abgeordnete, darunter Premierminister Zoran Zaev, verprügelt hatten.

Parlament in Mazedonien gestürmt

Demonstranten protestierten gegen den Plan des Sozialdemokraten Zaev, sich mithilfe einer Partei der albanischen Minderheit zum Regierungschef wählen zu lassen.