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30/09/2016

Flüchtlingskrise: 2000 Migranten überqueren Grenze nach Mazedonien

EU-Außenpolitik

Flüchtlingskrise: 2000 Migranten überqueren Grenze nach Mazedonien

Flüchtlinge aus einem Lager nahe dem griechischen Ort Idomeni überqueren einen Fluss.

Nake Batev/dpa

Zahlreiche Flüchtlinge aus einem Notlager nahe dem griechischen Idomeni haben die Grenze zu Mazedonien überquert. Die Flucht war laut der Regierung in Athen durch Flugblätter organisiert gewesen.

An der Grenze wurden die Menschen nach einem mehrstündigen Fußmarsch nach Angaben der Polizei festgenommen. Eine Sprecherin sprach von mehreren Hundert Menschen, die nun zurück nach Griechenland gebracht werden sollten. Ein Reuters-Fotograf schätzte die Zahl der nach Mazedonien gelangten Personen auf rund 2000.

Die Menschen, darunter zahlreiche Kinder, durchquerten nach einem längeren Marsch über schlammige Wege auf griechischer Seite einen Fluss. Danach wanderten sie entlang der Grenzanlagen bis zu dem Punkt, wo der Zaun endet. Zwei Gruppen machten sich nacheinander auf den Weg. Einige Personen wurden auf mazedonischem Gebiet von Soldaten zu Militärfahrzeugen geleitet. Augenzeugen zufolge wurden auch etwa 30 Journalisten verhaftet, die den Flüchtlingen über die Grenze gefolgt waren.

Am frühen Morgen hatte die mazedonische Polizei nach eigenen Angaben die Leichen von zwei Männern und einer Frau gefunden, die offenbar versucht hatten, den nach starken Regenfällen angeschwollenen Fluss zu durchqueren.

Die Regierung in Athen sprach von einer durch Unbekannte organisierten Aktion. Griechische Medien veröffentlichten Kopien von Flugblättern, die den Migranten Wege zur Umgehung des mazedonischen Zauns zeigen und an die Flüchtlinge verteilt worden seien.

Im Lager Idomeni sitzen mindestens 12.000 Menschen nach der Schließung der Balkanroute fest, darunter viele Frauen und Kinder. Sie kampieren dort seit Tagen bei Regen und Kälte in Zelten im Schlamm und hoffen, doch noch nach Norden weiterziehen zu können.

Die Flüchtlingskrise ist zentrales Thema beim EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag. Die Staats- und Regierungschefs der EU wollen einem Entwurf zufolge alternative Wege von illegal einreisenden Migranten nach Europa verhindern. Neben der Mittelmeer-Route von Libyen nach Süditalien rückt für die EU auch die bulgarische Grenze stärker in den Fokus. Mit der Türkei wollen die EU-Staaten bei ihrem Treffen endgültig gemeinsame Schritte zur Grenzsicherung beschließen.

Für die deutsche Regierung betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel, sie werde auch weiterhin eine europäische Lösung anstreben. Unbestritten profitiere Deutschland zwar von der Schließung der Balkanroute, weil weit weniger Flüchtlinge einreisten. Eine nachhaltige Lösung sei dies aber nicht, wenn man sich die Lage an der griechisch-mazedonischen Grenze anschaue.