Flüchtlingskrise: Deutschland und Türkei vereinbaren engere Zusammenarbeit

Ein syrischer Junge in einem Flüchtlingscamp an der türkischen Grenze [Freedom House/Flickr]

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der türkische Regierungschef Ahmet Davutoglu haben eine engere Kooperation zur Bewältigung der Flüchtlingskrise vereinbart. Deutschland steht der Andrang neuer Flüchtlinge aus Afghanistan bevor.

Deutschland und die Türkei wollen zur Bewältigung der Flüchtlingskrise enger zusammenarbeiten. Das vereinbarten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der türkische Regierungschef Ahmet Davutoglu bei einem Treffen in New York. Die Flüchtlingsbewegung Richtung Europa hielt am Wochenende an: Im Mittelmeer wurden mit Beteiligung der deutschen Marine rund 500 Flüchtlinge gerettet, 17 Menschen ertranken am Sonntag vor der türkischen Küste, nach Kroatien gelangten binnen zehn Tagen 65.000 Flüchtlinge.

Eine deutsch-türkische Arbeitsgruppe werde die Kooperation in den nächsten Wochen „in konkreter Weise“ voranbringen, teilte ein Sprecher der Bundesregierung mit. Auch Griechenland könnte in die Bemühungen eingebunden werden. Merkel sagte am Sonntag, Ziel sei eine „bessere Kontrolle der Flüchtlingsbewegungen“. Die Kanzlerin hatte sich am Samstag mit Davutoglu am Rande des UN-Nachhaltigkeitsgipfels getroffen. In ihrer ersten Rede vor den Vereinten Nationen seit 2010 hatte die Kanzlerin zur Bekämpfung der Ursachen von Flucht und Vertreibung aufgerufen.

Die Türkei hat rund zwei Millionen Flüchtlinge aufgenommen, die Syrien wegen des Bürgerkriegs verließen. Sie ist ein bedeutendes Transitland für Flüchtlinge auf ihrem Weg in die Europäische Union. Vor der türkischen Küste kamen 17 syrische Flüchtlinge ums Leben, als ihr Holzboot sank und sie nicht rechtzeitig aus der Kabine entkamen. 20 weitere Flüchtlinge gelangten nach Informationen der Nachrichtenagentur Dogan mit Rettungswesten an die Küste. Das Boot hatte in der türkischen Küstenstadt Bodrum abgelegt und sollte zur griechischen Insel Leros gelangen. In einer Bilanz der Rettungseinsätze im Mittelmeer vom Sonntag teilte die italienische Küstenwache mit, innerhalb von 24 Stunden seien 500 Menschen in Sicherheit gebracht worden. An den Einsätzen war auch das deutsche Versorgungsschiff „Werra“ beteiligt, das am Samstag vor der libyschen Küste 140 Flüchtlinge an Bord nahm. Darunter waren 42 Frauen und zwei Kinder, wie ein AFP-Fotograf berichtete. An dem Einsatz war auch ein Schiff der Organisation Ärzte ohne Grenzen beteiligt. Die Flüchtlinge kamen vor allem aus Nigeria, Ghana, Senegal und Sierra Leone.

Auf Deutschland könne auch ein neuer Andrang von Flüchtlingen aus Afghanistan zukommen, berichtete die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise. Als ein Grund wurde die Ausgabe elektronisch lesbarer Pässe durch die Regierung in Kabul genannt, mit denen eine Ausreise in den Iran möglich ist. Zudem hätten Schleuser in Afghanistan das Gerücht gestreut, Deutschland werde über die Zahl 800.000 hinaus keine weiteren Flüchtlinge mehr aufnehmen; die Folge seine eine massenhafte plötzliche Ausreise.

EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn wies auf eine möglicherweise bevorstehende Fluchtbewegung aus dem Libanon hin. Der Libanon sei „der fragilste Staat“ in der Region, sagte Hahn der „Welt“ vom Samstag. „Von dort könnte die nächste große Flüchtlingswelle kommen.“ Hahn sagte, derzeit lebten rund eine Million syrischer Flüchtlinge im Libanon. Es gebe dort eine hohe Arbeitslosigkeit und eine ausufernde Staatsverschuldung, dies sei „eine gefährliche Mischung“. In Kroatien trafen nach Angaben des Innenministeriums in Zagreb innerhalb von zehn Tagen 65.000 Flüchtlinge ein. Nach der Schließung der Grenze zwischen Ungarn und Serbien Mitte September weichen viele Flüchtlinge in das Nachbarland Kroatien aus. Inzwischen hat es sich eingespielt, dass die kroatischen Behörden die Weiterreise an die Grenze zu Ungarn ermöglichen, das seinerseits für eine Weiterreise nach Österreich sorgt.