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05/12/2016

Europäische Entwicklungsbank: Ex-Sowjetstaaten leiden unter Krise in Russland

EU-Außenpolitik

Europäische Entwicklungsbank: Ex-Sowjetstaaten leiden unter Krise in Russland

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[Jean & Nathalie/Flick]

Die früheren Sowjetrepubliken leiden unter der Wirtschaftskrise in Russland. Das geht aus aktuellen Prognosen der Europäischen Entwicklungsbank hervor.

Russlands Wirtschaftskrise infolge westlicher Sanktionen und des Verfalls seiner Währung zieht laut neuen Prognosen auch den Großteil der früheren Sowjetrepubliken noch auf längere Sicht mit in ihren Strudel.

Wie die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) am Donnerstag bei ihrem Jahrestreffen in Georgiens Hauptstadt Tiflis prognostizierte, dürfte Russlands Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 4,5 Prozent im laufenden und um 1,8 Prozent im kommenden Jahr schrumpfen. Dies werde „mehr Effekte als angenommen auf Länder mit starken Handelsbindungen an Russland haben“.

Von der Entwicklung dürften laut EBRD auch die westlich orientierten Staaten Georgien und Moldau betroffen sein. Die Bank sagte Georgien bis zum Jahresende nur ein leichtes BIP-Wachstum von 2,3 Prozent voraus, nachdem sie bislang mit 4,2 Prozent gerechnet hatte. In Moldau dürfte die Wirtschaftskraft demnach um zwei Prozent sinken. Für die Ukraine sagte die EBRD ein Minus von 7,5 Prozent im laufenden Jahr voraus. Sollten westliche Hilfsprogramme wie geplant anlaufen, sei im kommenden Jahr aber wieder ein Wachstum von drei Prozent möglich.

Ein schwaches Wachstum von 1,5 Prozent erwarte auch die ölreichen Länder Aserbaidschan und Kasachstan, mit einem Rückgang um 1,5 Prozent müsse Armenien rechnen, erklärte die Bank. Für Weißrussland prognostizierte das Institut ein Minus von 2,5 Prozent. Im Fall der zentralasiatischen Staaten Tadschikistan, Usbekistan und Kirgistan warnte die EBRD, dass die Rückkehr hunderttausender Gastarbeiter aus Russland „große wirtschaftliche und soziale Herausforderungen“ für die Länder mit sich bringen werde.

Russland machen die vom Westen in der Ukraine-Krise verhängten Sanktionen, der Verfall des Rubels und der Absturz des Ölpreises auf dem Weltmarkt schwer zu schaffen. Die EBRD erklärte, ein Aufschwung sei in dem Land nicht zu erwarten, solange die „Abkopplung der russischen Wirtschaft vom Rest der Welt“ andaure und Reformen in Moskau ausblieben.

Die nach dem Ende des Kalten Krieges im Jahr 1991 gegründete EBRD ist ein internationales Finanzinstitut im Besitz von 64 Staaten, der Europäischen Union und der Europäischen Investitionsbank. Derzeit unterstützt die Bank mit Sitz in der britischen Hauptstadt London rund 30 Staaten in Europa und in Zentralasien sowie fünf Länder im Nahen Osten und in Nordafrika.