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09/12/2016

EU-Parlament will Menschenhandel bekämpfen

EU-Außenpolitik

EU-Parlament will Menschenhandel bekämpfen

Demonstranten setzen auf dem „Walk for Freedom" im Oktober 2015 in Stuttgart ein Zeichen gegen Menschenhandel.

Foto: dpa

Der Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Nahrungsmittelsicherheit (ENVI) des Europäischen Parlaments ruft in seiner heutigen Sitzung dazu auf, die Bekämpfung des Menschenhandels stärker in den Fokus zu nehmen.

Der ENVI-Ausschuss des Europäischen Parlament diskutierte am Vormittag über eine Resolution, die dem Kampf gegen Menschenhandel stärkeres Gewicht in den EU-Außenbeziehungen einräumen will. Der ENVI-Berichterstatter Miroslav Mikolášik drängte in seinem Report darauf, seinen Appell zur verbesserten Gesundheitsversorgung von Betroffenen in der Resolution entsprechend zu berücksichtigen.

Die häufigsten Formen von Menschenhandel, der häufig mit dem Begriff moderne Sklaverei synonym verwendet wird, sind Zwangsarbeit, Organhandel und sexuelle Ausbeutung. Insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Migrationsbewegungen und der Schutzlosigkeit, in der sich viele Menschen während ihrer Reise befinden, steigt das Risiko, in die Fänge von Menschenhändler-Netzwerken zu geraten. Vor allem Kinder, die ihre Eltern verloren haben, aber auch Obdachlose und Analphabeten sind die am stärksten betroffenen Gruppen.

Mikolášik betonte in seinem Bericht, dass die Mehrheit der Menschen, die sexuell ausgebeutet werden, Frauen und Mädchen seien, aber auch männliche Opfer von sexueller Gewalt keine Ausnahmen darstellen. Auch sieht der EVP-Politiker eine besondere Herausforderung sowie Verantwortung in der Bereitstellung spezieller gesundheitlicher Infrastruktur: sowohl für Betroffene illegalen Organhandels, die sich nur selten über die Langzeit-Konsequenzen einer Organentnahme bewusst seien, als auch für Opfer sexueller Gewalt, die vor allem psychologische Betreuung benötigen. Kliniken müssten ihre Behandlungsangebote stärker auf die besonderen Bedürfnisse dieses Patientenkreises zuschneiden, da sie häufig der erste Kontakt für die Opfer seien, mahnte der slowakische Politiker.

31 Millionen Menschen leben weltweit in sklavenähnlichen Bedingungen, schätzt der Global Slavery Index. Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sind knapp 21 Millionen Menschen Opfer von Zwangsarbeit, davon allein 5,5 Millionen Kinder. Die überwiegende Mehrheit der Zwangsarbeiter werden von Privatpersonen oder Unternehmen ausgebeutet. 2 Millionen gehen auf das Konto von Staaten oder Rebellengruppen.

Die ebenfalls als Berichterstatterin geladene Vizepräsidentin des Menschenrechtsausschusses, Barbara Lochbihler von den Grünen/EFA-Fraktion, bezeichnete den Menschenhandel als eine der „schlimmsten Formen von Menschenrechtsverletzungen“, da er Menschen wie Waren behandle. Menschenhandel gehöre jedoch zu den profitabelsten Sektoren des organisierten Verbrechens, die Gewinnmargen entsprechen denen im Drogen- und Waffenhandel, so Lochbihler. Allein der Organhandel käme auf Erträge zwischen 600 Millionen und 1,2 Milliarden Euro pro Jahr.

Die Empfehlungen des ENVI sollen bei der nächsten Sitzung des Auswärtigen Ausschusses in den Resolutionsentwurf übergenommen werden. Im nächsten Schritt wird die Resolution dem Parlament zur Abstimmung gegeben.