EU-Afrika-Gipfel: Jugendarbeitslosigkeit wichtiges Thema für beide Seiten

Arbeitslosigkeit ist einer der Hauptgründe für Migration -insbesondere unter jungen Afrikanern. [Fabian Melber/Flickr]

This article is part of our special report EU-Afrika-Gipfel: Fokus auf Jugend, Sicherheit und Investitionen.

Fehlende Arbeitsmöglichkeiten sind ein Hauptgrund, warum junge Afrikaner nach Europa migrieren. Beim EU-Afrika-Gipfel in Abidjan stehen die afrikanischen und europäischen Regierungschefs daher unter Handlungsdruck. Ein Bericht von EURACTIV Frankreich.

Bessere Zukunftsaussichten für junge Afrikaner schaffen – das ist die große Aufgabe der 28 EU-Regierungen und der 55 Staatenlenker der Afrikanischen Union, die sich derzeit in der Hauptstadt der Elfenbeinküste zum 5. EU-AU-Gipfel treffen.

Seit dem Jahr 2000 treffen sich die Vertreter der EU und der AU alle drei Jahre zum interkontinentalen Dialog – dieses Jahr zum ersten Mal in einem Subsahara-Land, wie der Präsident der Elfenbeinküste, Alassane Dramane Ouattara, bei seiner Eröffnungsrede vermerkte.

Das zentrale Thema des Gipfels, Investitionen in eine nachhaltige Zukunft für die Jugend, ist sowohl für Europa als auch für Afrika aus gutem Grund wichtig: Afrika ist bereits heute der jüngste Kontinent der Welt. Ungefähr 60 Prozent der Afrikaner sind unter 25 Jahre alt – und 30 Prozent von ihnen haben keine Arbeit.

In Anbetracht des erwarteten Bevölkerungswachstums – laut UN-Schätzungen wird sich die Bevölkerung auf dem afrikanischen Kontinent bis 2050 verdoppeln – werden jedes Jahr 18 Millionen Jobs fehlen, erklärten EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Moussa Faki, Präsident der AU-Kommission, gemeinsam.

Doch auch auf europäischer Seite ist die Jugendarbeitslosigkeit politisch relevant. Laut Eurostat waren im März diesen Jahres 17,2 Prozent der jungen Europäer ohne Arbeit. Dabei fallen die besonders hohen Zahlen in Ländern wie Griechenland (48 Prozent) und Spanien (40,5 Prozent) auf.

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Keine Arbeit in Aussicht

In Afrika treibt die fehlende Zukunftsperspektive tausende junge Menschen in die illegale Migration nach Europa, wo sie sich ein besseres Leben versprechen.

„Investitionen, um die Jugend in Lohn und Brot zu bringen, wird junge Afrikaner dazu bewegen, nicht mehr unter größter Lebensgefahr das Mittelmeer zu überqueren,“ sagte eine afrikanische Jugend-Vertreterin während der Eröffnungssitzung des Gipfels. „Wir rufen Sie daher auf, Entscheidungen zu fällen, die es jungen Afrikanern möglich machen, nicht nach Europa gehen zu müssen.“

Der ivorische Präsident Ouattara stimmte zu: „Die jungen Leute haben – in Europa ebenso wie in Afrika – das Recht, Chancen für eine bessere Zukunft einzufordern. Die Jugend ist für uns eine Chance; sie kann aber auch eine Gefahr sein, wenn wir für sie nicht die Möglichkeiten schaffen, die sie verdient.“

Zum Abschluss seiner Eröffnungsrede wandte sich der Präsident an die Jugend Afrikas: „Liebe junge Leute, ihr repräsentiert die Zukunft unseres Kontinents, ihr seid von unschätzbarem Wert für Afrika. Ich möchte euch dazu auffordern, nicht das Abenteur [der illegalen Migration] einzugehen und eure Leben zu riskieren.“

Die Migrationskrise

Die Migration, welche gerade für die afrikanische Jugend ein wichtiges Thema ist, wird während des Gipfels sicherlich in vielen offiziellen Veranstaltungen sowie bei bilateralen Gesprächen debattiert.

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Der 21 Jahre junge Bamba Yaya berichtete während der Eröffnungsveranstaltung von seiner versuchten Reise nach Europa. Auch ihn habe die Aussichtslosigkeit, eine Arbeitsstelle in seinem Heimatland Elfenbeinküste zu finden, angetrieben: „Jemand wie ich, der absolut keine Hoffnung hat, eine vernünftige Arbeit zu finden, der hat keine Angst vor der Wüste.“

Nachdem er mehrere Monate lang in Libyen gestrandet war, wurde Bamba im Rahmen einer Aktion des ivorischen Staates und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zurück nach Abidjan gebracht.

Am Ende seines Traums von einem besseren Leben in Europa steht Bamba nun wieder am Ausgangspunkt – und ist nach wie vor ohne Job. „Ich glaube, wenn die Regierungschefs eine Möglichkeit finden könnten, um den Jugendlichen Arbeit in ihren Heimatländern zu bieten, würden diese auch nicht auswandern wollen. Ich würde mich sehr freuen, in meinem Land zu bleiben und hier zu arbeiten.“

Als einen möglichen Lösungsansatz schlägt Präsident Ouattara eine Neuausrichtung des Europäischen Entwicklungsfonds zugunsten der Bildung und beruflichen Ausbildung vor. Außerdem sollten mehr Möglichkeiten für junge Afrikaner geschaffen werden, die in Europa studieren möchten.

Auch Friederike Röder, Sprecherin der NGO One, sagte in Abidjan: „Die Europäische Union und die Mitgliedstaaten müssen zusätzliche Mittel zur Finanzierung von Bildungsprogrammen bereitstellen, insbesondere durch die Global Partnership for Education.“

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