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29/09/2016

Chios: Ausschreitungen von Flüchtlingen wegen Abschiebung in Türkei

EU-Außenpolitik

Chios: Ausschreitungen von Flüchtlingen wegen Abschiebung in Türkei

Ausschreitungen von Flüchtlingen wegen Abschiebung in Türkei

Stratis Balaskas/dpa

Kurz vor der Abschiebung der ersten Flüchtlinge in die Türkei ist es in einem Flüchtlingslager auf der griechischen Ägäis-Insel Chios zu Ausschreitungen gekommen.

Drei Flüchtlinge wurden bei den Auseinandersetzungen in der Nacht zum Freitag so schwer verletzt, dass sie ins Krankenhaus gebracht werden mussten, wie die Nachrichtenagentur ANA berichtete. Auch Teile des Lagers Vial wurden beschädigt, darunter die Krankenstation. Die Polizei setzte
Blendgranaten ein, um die Proteste aufzulösen.

Nach Angaben von Aktivisten hatten die Flüchtlinge seit Donnerstagabend gegen ihre Internierung in dem Lager protestiert, in der Nacht kam es dann zur Gewalt. Auf Chios befindet sich einer von fünf sogenannten Hotspots in Griechenland. In den Registrierungslagern werden die Flüchtlinge bis zu ihrer Abschiebung in die Türkei neuerdings eingesperrt. Aus Protest gegen die Internierung der Menschen schränkten das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und
mehrere weitere Hilfsorganisationen ihre Zusammenarbeit mit den griechischen Behörden ein.

Laut ANA sind im Camp Vial auf Chios inzwischen mehr als 1500 Menschen untergebracht, obwohl das Lager nur für 1200 Menschen ausgelegt ist. Die  Behörden wollen demnach nun einige von ihnen in ein offenes Lager verlegen.

Am Montag sollen die ersten Flüchtlinge von den griechischen Ägäis-Inseln in die Türkei abgeschoben werden. Damit soll die Umsetzung des EU-Flüchtlingspaktes mit Ankara offiziell beginnen. Am Donnerstag hatte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu in einer Fernsehansprache bestätigt, dass die Umsetzung des Plans wie geplant am Montag starten solle. Das griechische Parlament wollte im Laufe der Freitags bei einer Dringlichkeitssitzung darüber abstimmen.

Das vor zwei Wochen mit Ankara geschlossene Abkommen sieht vor, dass alle Flüchtlinge, die seit dem 20. März in Griechenland angekommen sind, in die Türkei zurückgeschickt werden. Im Gegenzug sollen die EU-Länder für jeden zurückgeschickten Syrer aus den Flüchtlingslagern in der Türkei einen Syrer auf legalem Wege aufnehmen. Die Flüchtlinge dürfen die Registrierungslager auf den Ägäis-Inseln seit dem 20. März nicht mehr verlassen.