Bulgarien warnt vor Abhängigkeit von Gasimporten via Türkei

Der bulgarische Premierminister Boyko Borissow

Die EU-Kommission wird wohl grünes Licht für eine zweite Verbindung der Pipeline Turkish Stream geben, erwartet der bulgarische Premierminister Boyko Borissow. Er warnt, die EU könnte zu abhängig von durch die Türkei transportiertes Gas werden.

Die sich verschlechternden Beziehungen zur Türkei würden die Frage aufwerfen, ob eine Transitroutte über die Türkei wirklich die beste Option sei, so Borissow gestern. Er war vor zehn Tagen Gast beim World Petroleum Congress in Istanbul gewesen, bei dem die Türkei ihre Ambition äußerte, ein wichtiger Transit- und Umschlagplatz für Gas zu werden.

Bisher leitet Bulgarien russisches Gas für den türkischen Bedarf weiter und profitiert somit von Transitgebühren. Mit der direkten Turkish-Stream-Verbindung wäre die Türkei nicht mehr abhängig von Lieferungen via Bulgarien. Darüber hinaus plant Russland, Gaslieferungen über die ukrainische Route zu beenden. Somit hätte Bulgarien keine Option mehr, außer russisches Gas aus der Türkei zu importieren.

Pipeline-Projekt: Estland warnt vor Folgen von Nord Stream 2

Die geplante Gasleitung von Russland nach Deutschland ist in der EU umstritten. Estlands Außenminister Sven Mikser sieht darin ein mögliches „Werkzeug für politischen Druck“.

Borissow wirbt deswegen für einen Endpunkt der neuen Turkish-Stream-Leitung und eine Drehscheibe zur Gas-Weiterverteilung in Bulgarien: Bei Varna könnten 15,7 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr umgeschlagen werden.

Von russischer Seite hält man sich aber bezüglich der tatsächlichen zweiten Route von Turkish Stream bedeckt. Mit der ersten Leitung soll der türkische Bedarf gedeckt werden; sie wird im europäischen Teil der Türkei enden. Fraglich ist, ob die geplante zweite Leitung mit Lieferungen für Süd- und Südosteuropa parallel dazu verläuft, oder im Schwarzen Meer abzweigt und dann direkt in Bulgarien endet.

Einer der Vorteile letzterer Option wäre der Fakt, dass die Route bereits unter dem verworfenen South-Stream-Projekt geplant worden war. Die tatsächlichen Arbeiten könnten somit schneller aufgenommen werden. Laut Borissow sei auch das innerbulgarische Leitungsnetz, das er als „das fortschrittlichste System der Region“ bezeichnete, ein Vorteil. Mit dem geplanten Hub in Varna sei es sogar möglich, im Notfall die Ukraine mitzuversorgen.

Šefčovič zweifelt an Rentabilität von neuem South-Stream-Projekt

Der Vizekommissionspräsident für die Energieunion Maroš Šefčovič glaubt nicht, dass sich eine mögliche Wiederbelebung des South-Stream-Projekts wirtschaftlich lohnen würde. EURACTIV Brüssel berichtet.

South Stream war abgebrochen worden, nachdem die Europäische Kommission aufgrund zahlreicher Unregelmäßigkeiten und Unklarheiten in den bilateralen russisch-bulgarischen Projektvereinbarungen angedroht hatte, Vertragsverletzungsverfahren gegen Bulgarien einzuleiten.

Bulgarien habe aus seinen Fehlern gelernt und die neue Pipeline werde entsprechend aller EU-Regularien gebaut, versprach Borissow.