Borissow ernennt Georgieva zur bulgarischen UN-Kandidatin

Der bulgarische Premierminister Bojko Borissow läss Irina Bokova fallen. [Europäische Kommission]

Der bulgarische Premierminister Bojko Borissow hat Vize-Kommissionspräsidentin Kristalina Georgieva als UN-Kandidatin seines Landes nominiert. Damit tritt sie offiziell in den Wettkampf um Ban Ki-moons Nachfolge. EURACTIV Brüssel berichtet.

Kristalina Georgieva ist offizielle Anwärterin auf das Amt des UN-Generalsekretärs. Erst gestern berichtete EURACTIV, dass ihre Kandidatur immer wahrscheinlicher werde. Wie nun mit der Bewerbung der bulgarischen UNESCO-Generaldirektorin, Irina Bokova, verfahren wird, ist noch immer unklar. Sie war die erste gewesen, die Borissow für das Amt nominiert hatte.

Der Bulgarische Premierminister hatte nach der vierten Vorabstimmung im UN-Sicherheitsrat damit gedroht, auf einen anderen Anwärter zu setzen, sollte Bokova im fünften Durchlauf vom 26. September nicht auf dem ersten oder zweiten Platz landen. Die Bulgarin rutschte auf Rang sechs ab und verlor dabei auch ihre bisherige Führung als weibliche Anwärterin.

Die Europäische Volkspartei (EVP) sowie die Open Society Foundation von George Soros hatten Borissow schon seit einer Weile dazu gedrängt, eine andere Kandidatin – Georgieva – ins Rennen zu schicken. Während der bulgarische Außenminister Daniel Mitov bei der UN-Sitzung offen für Georgieva warb, ließ der Präsident Bulgariens, Rossen Plewneliew, in seiner Rede bewusst keinen Namen fallen. Sein Land verfüge über eine starke weibliche Anwärterin auf das UN-Spitzenamt, betonte er nur.

Prinzipiell hält nichts ein Land davon ab, auch in diesem fortgeschrittenen Stadium des Auswahlprozesses einen neuen Bewerber zu nominieren. Mit diesem Schritt fällt Borissow seiner bisherigen Kandidatin Bokova jedoch deutlich in den Rücken.

Der bulgarische Botschafter in New York soll sich bereits an das UN-Sekretariat gewandt haben, um sich über das Verfahren zum Kandidatenwechsel informieren zu lassen. Außerdem habe er gefragt, wann die Anhörung der neuen Kandidatin stattfinden könne. Das UN-Sekretariat habe ihm daraufhin mitgeteilt, dass Bokova selbst in einem Schreiben ihren Rücktritt ankündigen müsse, um Platz für eine neue Bewerberin zu machen. Dass sie einen solchen Brief aufsetzen wird, scheint sehr unwahrscheinlich. Am gestrigen Dienstag betonte sie noch, sie sehe keinen Grund, ihre Kandidatur zurückzuziehen. „Mit einem zweiten Kandidaten würde sich Bulgarien lächerlich machen. Der Premierminister hat sich vom internen und externen Druck beirren lassen“, betonte sie.

Noch steht in den Sternen, wie Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker den nun leeren Posten von Georgieva zu füllen gedenkt. Kommissionssprecher bestreiten, dass sie schon während ihrer Zeit als Kommissarin durchgängig Wahlkampf für die UN-Stelle betrieben haben soll.

Weitere Informationen

Kommt der nächste UN-Generalsekretär aus der EU?

Die Suche nach einem Nachfolger für UN-Generalsekretär Ban Ki-moon ist in vollem Gange. Inzwischen führen drei Kandidaten aus der EU die Bewerberliste an. EURACTIV Brüssel berichtet.