Bedrohtes Grundnahrungsmittel Reis: Forscher sagen Erregern Kampf an

Eine Frau erntet Reis auf ihrem Feld in Ruanda. [Foto: Chess Ocampo/Shutterstock]

Die ohnehin zu knappen Reisernten sind weltweit in Gefahr – ein Erreger bedroht sie. Forscher arbeiten nun an resistenten Pflanzen.

Reis als Grundnahrungsmittel wird immer knapper – und bedrohter. Während die Nachfrage nach den kostbaren Körnern in Subsahara-Afrika  um mehr als ganz sechs Prozent pro Jahr wächst – schneller als für jedes andere Nahrungsmittel – nehmen die Ernten der wichtigsten Nahrungspflanzen wie Weizen, Reis, Soja laut einer 2013 von der University of Minnesota veröffentlichten Studie weltweit lediglich um 0,9 bis 1,6 Prozent jährlich zu. Nötig währen aber 2,4 Prozent, um den sich für 2050 abzeichnenden globalen Bedarf zu decken. Grund sind Veränderungen der Verbraucherpräferenzen und die Urbanisierung.

Reis wird in etwa 40 von 54 Ländern in Afrika angebaut und bietet damit die Haupttätigkeit und Einnahmequelle für mehr als 35 Millionen Kleinbauern. In der Region südlich der Sahara ist Reis schon jetzt der drittwichtigste Kalorienlieferant, berichtet das Afrikanische Reiszentrums „AfricaRice“.  Die im beninischen Cotonou ansässige Forschungsorganisation will zur Armutsbekämpfung und Ernährungssicherheit des Kontinents beitragen und wird dabei vom Forschungsnetzwerk für internationale Agrarforschung (CGIAR) unterstützt.

Agrarsubventionen – Auf dem Weg zu global angeglichenen Bedingungen?

Die EU und Brasilien nähern sich im Rahmen des geplanten EU-Mercosur-Handelsabkommens an. Wie bei wachsendem Freihandel faire Wettbewerbsbedingungen für Landwirte dennoch gesichert werden, dazu haben sie nun einen Vorschlag vorgelegt.

Doch die lokale Reisproduktion deckt nur 60 Prozent der derzeitigen Nachfrage in Afrika ab, was zu einer Einfuhr von zehn bis zwölf Millionen Tonnen pro Jahr führt.

Reis – zu knapp und massiv durch Krankheitserreger bedroht

Doch die ohnehin schon besorgniserregende Verknappung könnte durch ein beunruhigendes Szenario tragische Ausmaße erreichen. Forscher warnen, die sogenannte Weißblättrigkeit, eine vom bakteriellen Erreger Xanthomonas oryzae oryzae übertragene Pflanzenkrankheit, könnte die Reisernten in Afrika und ganz Südostasien gefährden. Damit wäre auch die Existenz von Millionen afrikanischen Kleinbauern bedroht.

Afrikanische Kleinbauern in absoluter Notlage

70 Prozent der Nahrungsmittel stammen von Kleinbauern. Diese müssten bis 2030 ihre Produktion verdoppeln, um mit dem Bevölkerungswachstum Schritt zu halten.

Ein internationales Forscherteam um den Düsseldorfer Pflanzenforscher Wolf B. Frommer vom Institut der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf für Molekulare Physiologie stellt sich darum seit August 2017 dem Kampf gegen die Bedrohung. Gemeinsam mit Kollegen aus den USA, dem französischen Montpellier, Kolumbiien und den Philippinen hat der Wissenschaftler einen Weg gefunden, Pflanzen gegen den Erreger resistent zu machen.

Sie fanden ein Protein – den Zuckertransporter SWEET – das Reispflanzen resistent gegen Weißblättrigkeit macht. „Diese überraschende Entdeckung gibt uns jetzt die Strategie für unser gemeinsames Forschungsprojekt vor: Wir schneiden den Krankheitserregern den Zugang zu ihrer Speisekammer – den Zuckerspeichern der Pflanzen – ab und hungern sie so aus“, sagt olf B. Frommer.

Das Forschungsprojekt „Transformative Strategy for Controlling Rice Disease in Developing Countries“ will sich in den kommenden Jahren speziell auf die Produktion von Elitesorten für Indien und Afrika konzentrieren.

Hoffnung auf Wege zum Kampf gegen weitere Pflanzenkrankheiten 

Doch die Forschungsergebnisse können weit über das konkret untersuchte Szenario der Weißblättrigkeit hinaus bedeutsam sein, meint Frommer: „Unsere Entdeckung stellt möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs dar. Mit dem gleichen Ansatz könnten wir versuchen, auch andere Pflanzenkrankheiten zu bekämpfen und so hoffentlich ein Stück zum Schutz der Welternährung beizutragen.“

Pflanzenwelt in Burkina Faso: Bedrohlich bedroht

Der Großteil der Bevölkerung in Burkina Faso ist auf pflanzliche Produkte angewiesen. Doch nicht nur die Wüstenbildung gefährdet die Ernährungssicherheit in dem armen Land. Auch ein großer Teil der dortigen Pflanzenwelt ist stark bedroht, zeigt eine Studie.

Davon könnten auch Klima und Umwelt profitieren: Denn wenn Pflanzenkrankheiten effektiv bekämpft werden können, müssen weltweit weniger Pflanzenschutz- und Düngemittel eingesetzt werden, um für ausreichende Ernten zu sorgen.

In Zeiten verschärfter Nahrungsmittelversorgung durch Spekulation mit landwirtschaftlichen Ressourcen, durch Ackerflächenverschwendung für übermäßige Fleischproduktion und die steigende „Bioenergie“-Erzeugung auf Nahrungsmittelflächen sowie zunehmende Wetterextreme aufgrund des Klimawandels dürften Forschungsprojekte wie die von Frommers Team eine wachsende Bedeutung erlangen.

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