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23/07/2016

Anschlag in Istanbul: Mindestens neun Deutsche unter Todesopfern

EU-Außenpolitik

Anschlag in Istanbul: Mindestens neun Deutsche unter Todesopfern

Nahe der Blauen Moschee in Istanbul ist es zu einem Bombenaschlag gekommen, bei denen überwiegend deutsche Touristen ums Leben gekommen sein sollen. Foto: dpa

Ein großer Teil der Todesopfer des Selbstmordattentats in Istanbul waren offenbar Deutsche. Das bestätigte der türkische Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu.

Ein Selbstmordattentäter hat sich am Dienstag in der Nähe einer deutschen Reisegruppe in Istanbul in die Luft gesprengt und neun Deutsche mit in den Tod gerissen. Insgesamt seien bei dem Anschlag zehn Menschen getötet worden, teilte die türkische Regierung mit. Nach Angaben von Ministerpräsident Ahmed Davutoglu war der Attentäter Mitglied der Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, der “internationale Terrorismus” habe “wieder einmal sein menschenverachtendes Gesicht” gezeigt. Auch unter den 15 Verletzten, von denen sich zwei in Lebensgefahr befanden, waren Deutsche.

Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Davutoglu sagte aber im Fernsehen: “Wir haben ermittelt, dass der Urheber dieser Terrorattacke ein ausländisches IS-Mitglied ist.” Es handele sich um einen 28-jähriger Syrer, der erst kürzlich in die Türkei gereist sei, sagte Regierungssprecher Numan Kurtulmus. Auch Präsident Recip Tayyip Erdogan verurteilte das “terroristische Attentat”. Die Türkei sei “das erste Ziel von allen Terrororganisationen, die in dieser Region aktiv sind”.

Der Attentäter zündete seinen Sprengsatz um 10.18 Uhr Ortszeit vor einem Obelisken vor der Blauen Moschee, als sich dort eine deutsche Reisegruppe aufhielt. Augenzeugen berichteten von einem großen Feuerball. Der Ort im Stadtteil Sultanahmet ist der größte Anziehungspunkt für Touristen in der türkischen Metropole.

Es habe eine extrem laute Explosion gegeben, die die Erde erzittern ließ, sagte die deutsche Touristin Caroline, die mit ihrer Tochter in der Nähe unterwegs war. Dann habe sie einen starken Geruch wahrgenommen, der ihr in der Nase gebrannt habe. Sie sei dann mit ihrer Tochter in ein Gebäude geflüchtet. “Ich habe einen sehr lauten Knall und viele Schreie gehört”, berichtete ein Anwohner. “Dann sah ich einen Feuerball und bin davongerannt.”

Kanzlerin Merkel zeigte sich erschüttert. “Heute traf es Istanbul, es traf Paris, es traf Tunesien, es traf auch schon Ankara”, sagte sie in Berlin mit Blick auf vorherige verheerende Anschläge, die alle auf das Konto des IS gehen sollen. Der neue Anschlag zeige die Notwendigkeit, “entschlossen gegen Terrorismus vorzugehen und letztlich diese Grausamkeiten zu überwinden”.

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach von einem “schrecklichen Terroranschlag” und verurteilte “diesen barbarischen, feigen Akt aufs Schärfste”. Der Anschlag habe “mitten auf das Herz von Istanbul gezielt, das wir alle als weltoffene Stadt kennen und schätzen”. Das Auswärtige Amt richtete einen Krisenstab ein und rief alle Reisenden in Istanbul “dringend” auf, Menschenansammlungen auf öffentlichen Plätzen zu meiden.

Davutoglu hatte Kanzlerin Merkel in einem Telefonat über die deutschen Opfer informiert und sein Beileid übermittelt. Er sicherte zu, alles für die Verletzten zu tun und die Tat aufzuklären. Er rief sein Sicherheitskabinett zusammen, zu dem auch Geheimdienstchef Hakan Fidan gehört.

Auch der bislang blutigste Anschlag auf türkischem Boden, bei dem im Oktober in Ankara 103 Menschen getötet worden waren, wird dem IS zugeschrieben. Seitdem gilt in der Türkei die höchste Terrorwarnstufe.

Die EU bekundete ihre Solidarität mit der Türkei. “Ich verurteile den brutalen Terrorakt in Istanbul”, schrieb EU-Ratspräsident Donald Tusk auf Twitter. EU-Chefdiplomatin Federica Mogherini erklärte, die EU und die Türkei “stehen vereint gegen alle Formen des Terrorismus”. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg versicherte, die Allianz stehe geschlossen an der Seite ihres Mitglieds Türkei.

Ankara war lange vorgeworfen worden, nicht entschieden gegen die IS-Dschihadisten in Syrien vorzugehen. Seit sich Ankara nach langem Zögern im Sommer dem Kampf gegen den IS anschloss, ist die Türkei zunehmend ins Visier der Extremistengruppe geraten.