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27/09/2016

WHO: Große Diskrepanz zwischen Lebenserwartung in Afrika und Europa

Entwicklungspolitik

WHO: Große Diskrepanz zwischen Lebenserwartung in Afrika und Europa

Weltweit gibt es enorme Unterschiede bei der Lebenserwartung, Afrika hinkt hinterher, zeigt ein Bericht der WHO.

[hdptcar/Flickr]

Nirgendwo ist die Lebenserwartung höher als in Europa, zeigt eine neue Statistik der Weltgesundheitsorganisation. Die weltweite Lebenserwartung stieg demnach deutlich, außer in Afrika.

Der Trend ist positiv und verweist auf die Verbesserungen in der globalen medizinischen Versorgung: Weltweit ist die Lebenserwartung seit dem Jahr 2000 um fünf Jahre auf gut 71 Jahre gestiegen. Das zeigt der neue Gesundheitsstatistik-Bericht 2016 der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Frauen werden demnach im Durchschnitt 73,8 Jahre als Männer 69,1 Jahre. Damit werden Frauen im Schnitt fünf Jahre älter als Männer – ein Unterschied, der je nach Kontinenten allerdings stark abweicht. So beträgt die Differenz auf dem amerikanischen Kontinent 3,8 Jahre, in Afrika 2,4 Jahre und in Süd-Ost-Asien 2,1 Jahre.

Auch Afrika verzeichnet, das zeigt die Erhebung, bei der Lebenserwartung Fortschritte. Der Vergleich zu Europa aber offenbart, dass viele Menschen dort noch unter schlechten Bedingungen leben. Ganze 18 Jahre früher als eine Europäerin – im Alter von nur 63 Jahren – stirbt eine Frau in Afrika durchschnittlich. Afrikanische Männer werden im Schnitt Mann 59 Jahre alt.

In Afrika nur zwei Ärzte pro 10.000 Einwohner

Ein wichtiger Grund für die traurige Diskrepanz ist die schlechte Gesundheitsversorgung in Afrika, sagt Renate Bähr, Geschäftsführerin der Entwicklungsorganisation „Stiftung Weltbevölkerung“. Obwohl der Kontinent am stärksten durch vermeidbare Krankheiten wie Aids und Malaria betroffen ist, gibt es beispielsweise nur zwei Ärzte pro 10.000 Einwohner. In Europa sind es 16-mal so viele.“ Die gestiegene Lebenserwartung zeigte jedoch, dass sich Investitionen in die Gesundheitsversorgung und in medizinische Forschung und Entwicklung auszahlen, so Bähr. Für weitere Verbesserungen brauche es mehr qualifiziertes Gesundheitspersonal und bezahlbare Gesundheitsdienste.

Welche Mängel in der Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern noch zu bewältigen sind, zeigt der WHO-Bericht. Vor allem in den Bereichen Mütter- und Kindergesundheit, bei vernachlässigten Armutskrankheiten sowie bei Infektionskrankheiten wie Aids, Malaria und Tuberkulose muss demnach noch viel getan werden.

Der WHO-Bericht zeigt aber auch, dass in vielen Ländern die nötigen Basisdaten fahlen, um die Lebenserwartung verlässlich zu errechnen. „Laut Schätzungen werden 53 Prozent der Todesfälle weltweit und jährlich amtlich nicht registriert. Die Fortschritte dazu sind in den Entwicklungsländern relativ gering“, schreiben die Autoren. Geburten- und Kindersterblichkeit, Mortalität und Krankheitshäufigkeit müssten in jedem Staat ausreichend dokumentiert werden, um sinnvolle Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.

13 der 17 Ziele, die sich die Vereinten Nationen in einem Aktionsplan zum Erreichen nachhaltiger Entwicklungsziele bis 2030 gesetzt haben, sind mit Gesundheit verbunden. Doch dafür würden mehr Informationen benötigt, bemängelt der Report. „Zum Beispiel gibt es nur von 70 Staaten regelmäßig Daten für die WHO über die Mortalität nach Geschlecht, Alter und Todesursachen. Diese Daten sind aber erforderlich, um mehr als ein Dutzend der nachhaltigen Entwicklungsziele zu verfolgen“, heißt es in dem Bericht.