EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

09/12/2016

Weltbank-Bericht über die Schäden durch Boko Haram in Nigeria

Entwicklungspolitik

Weltbank-Bericht über die Schäden durch Boko Haram in Nigeria

Einer von etlichen Gründen für die Fluchtbewegungen aus Afrika: Blutiger Islamistenterror erschüttert weite Teile Afrikas

Foto: dpa

Durch die Erhebung der Islamistengruppe Boko Haram sind laut einer vorläufigen Bilanz der Weltbank in Nigeria bereits rund 20.000 Menschen getötet und Schäden in Höhe von 5,9 Milliarden Dollar (5,2 Milliarden Euro) angerichtet worden.

Diese Angaben aus dem unveröffentlichten Bericht erfuhr die Nachrichtenagentur AFP heute von mit dem Dokument vertrauten Quellen.

Der Bericht ist demnach Teil der Überprüfung eines Programms von Weltbank, Europäischer Union und den Vereinten Nationen zur Befriedung und zum Wiederaufbau von sechs Bundesstaaten im Nordosten Nigerias. Überprüft wurden in allen sechs Bundessstaaten unter anderem die Bereiche Bildung, Wohnen, Wasser- und Energieversorgung, Wirtschaft und Handel.

Daraus ergab sich den Angaben zufolge, dass seit Beginn des Aufstands im Jahr 2009 allein im Bundesstaat Borno, der Hochburg von Boko Haram, 20.000 Menschen durch die Islamistengruppe getötet worden sein könnten und damit deutlich mehr als bislang geschätzt. Die Mehrheit der zwei Millionen Binnenvertriebenen kommt demnach auch aus Borno.

Durch die Gewalt der Islamisten wurden dort dem Bericht zufolge fast 30 Prozent der Wohnungen, 5335 Klassenräume oder ganze Gebäude von 552 Schulen zerstört oder beschädigt. Dazu kämen mehr als 1200 Behördengebäude sowie Polizeiwachen, Gefängnisse und Gesundheitszentren.

Aus Kreisen der Regierung von Borno verlautete, der Bericht sei noch nicht offiziell abgesegnet. Die Weltbank-Niederlassung in Nigeria wollte keine Stellungnahme abgeben.

Boko Haram, was sich sinngemäß mit „westliche Bildung ist Sünde“ übersetzen lässt, kämpft seit Jahren mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Dabei griff die Gruppe immer wieder Polizei, Armee, Kirchen und Schulen an.

Der Konflikt weitete sich auf die Nachbarländer Kamerun, Tschad und Niger aus. Im März 2015 leistete Boko Haram der im Irak und in Syrien kämpfenden Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) den Treueschwur.

Weitere Informationen