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27/09/2016

UN: Hälfte der Bevölkerung im Jemen hungert

Entwicklungspolitik

UN: Hälfte der Bevölkerung im Jemen hungert

Das World Food Programme der UN ist stark unterfinanziert.

Foto: Shutterstock

In 19 von 22 Provinzen des Landes leiden die Menschen Hunger, so ein aktueller Bericht des UN World Food Programme. Die Situation werde sich weiter verschlechtern, sollte der Konflikt im Land anhalten, warnen UN-Vertreter.

Für mindestens 7 Millionen Menschen – ein Viertel der Bevölkerung – hat die Ernährungslage die Notfallstufe (Phase 4 der 5-stufigen Skala) erreicht. Das entspricht einer Steigerung um 15 Prozent seit Juni 2015. „Diese Ergebnisse machen mehr als deutlich, welches enorme Ausmaß die humanitären Krise im Jemen erreicht hat“, erklärte der UN-Nothilfekoordinator im Jemen, Jamie McGoldrick. Der Konflikt habe dem Land und der Bevölkerung enormen Schaden zugefügt, die ohnehin weitverbreitete Not weiter verschärft und die Familien praktisch vollkommen hilflos gemacht. Mit dem Ergebnis: „Hunger ist weiterhin untragbar groß.“

Hauptursachen für die dramatische Ernährungslage sind unter anderem Treibstoffmangel und Importeinschränkungen.  Als Folge ist die Verfügbarkeit von Grundnahrungsmitteln – welche zu 90 Prozent importiert werden – stark zurückgegangen. So waren die Preise für Weizen im Mai diesen Jahres 12 bis 15 Prozent höher als vor Beginn der Krise, obwohl die weltweiten Weizenpreise in den vergangenen Monaten sanken.

Zudem hat Saatgut- und Düngermangel die Getreideproduktion im Jemen zum Erliegen gebracht – einem Land, in dem zirka die Hälfte der Bevölkerung ihren Lebensunterhalt in der Landwirtschaft verdient.

„Der anhaltende Konflikt, Vertreibung sowie der eingeschränkte Zugang zu Ackerflächen und Fischfanggebieten führen weiter zu erheblichen Verlusten in der Landwirtschaft und bedrohen das Überleben der Bauern“, sagte Salah El Hajj Hassan, Vertreter der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) im Jemen. Es sei  von essentieller Bedeutung, den betroffenen Gemeinden zu helfen, sich unter anderem durch Gemüseanbau und Geflügelhaltung im eigenen Hinterhof selbst zu ernähren.

“In dieser instabilen Situation und bis eine politische Lösung gefunden wurde, wird die Zahl der Menschen weiter steigen, die sich und ihre Familien kaum ernähren können“, sagte Landesdirektorin des UN World Food Programme (WFP), Purnima Kashyap. „Wir fordern deshalb alle beteiligten Parteien auf, uneingeschränkten humanitären Zugang zu den betroffenen Menschen zu gewährleisten.“  

Nach Angaben des IPC-Berichts benötigen rund 3 Millionen Kinder unter fünf Jahren sowie schwangere und stillende Frauen Unterstützung, um akute Mangelernährung vorzubeugen oder zu behandeln. Mangelernährung hat in den meisten Provinzen des Landes alarmierende Raten von bis zu 25,1 Prozent erreicht.

„Von Januar bis Ende April 2016 konnten wir rund 3,6 Millionen Menschen mit Notrationen unterstützen. Unser Nothilfeprogramm ist jedoch erheblich unterfinanziert“, sagte McGoldrick. „Ich appelliere dringend an die Gebergemeinschaft, die Mittel für die humanitäre Hilfe zu erhöhen, damit wir weitere Millionen bedürftiger Menschen mit Ernährungshilfe erreichen können.“

Deutschland zählt konstant zu den wichtigsten Gebern des Landes. Bereits zu Beginn dieses Monats hat die deutsche Bundesregierung 15 Millionen Euro für die WFP-Nothilfe im Jemen zugesagt, um besonders Kleinkinder sowie schwangere und stillende Frauen mit angereicherter Spezialnahrung zu unterstützen. Zudem hat Deutschland zwischen 2013 und 2015 über 100 Millionen Euro für WFP-Programme im Jemen zur Verfügung gestellt.