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21/01/2017

UN-Bericht: 60 Prozent weniger Malaria-Tote seit 2000

Entwicklungspolitik

UN-Bericht: 60 Prozent weniger Malaria-Tote seit 2000

Südlich der Sahara gibt es die meisten Malaria-Fälle.

[US Army Africa/Flickr]

Gute Nachricht im Kampf gegen vermeidbare Todesfälle: Die Zahl der Malaria-Opfer ist drastisch gesunken. Aber überwiegend in Asien und im Kaukasus – in Afrika geht es hingegen deutlich schlechter voran.

Die Zahl der durch Malaria verursachten Todesfälle ist nach UN-Angaben seit dem Jahr 2000 um 60 Prozent zurückgegangen. Vor 15 Jahren seien von geschätzt 262 Millionen Malaria-Patienten fast 840.000 gestorben, heißt es in einem gemeinsamen Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des UN-Kinderhilfswerks Unicef, der am Donnerstag in Genf veröffentlicht wurde. Für 2015 werde hingegen prognostiziert, dass von rund 214 Millionen Malaria-Patienten 438.000 Menschen sterben.

Damit wurde dem Bericht zufolge die Trendwende erreicht, die zu den Millenniumszielen der internationalen Gemeinschaft gehören. Die Eindämmung der Tropenkrankheit sei „eine der großen Erfolgsgeschichten in der öffentlichen Gesundheitsversorgung der vergangenen 15 Jahre“, erklärte WHO-Chefin Margaret Chan. „Wir können diesen alten Mörder besiegen.“ Chan hob hervor, dass Kinder unter fünf Jahren immer noch die große Mehrheit der Malaria-Todesopfer ausmachten. Immerhin sank die Malaria-Todesrate bei Kindern aber in den vergangenen 15 Jahren um 65 Prozent.

Wenn die Rate der Malaria-Infektionen und -Todesfälle seit 2000 nicht derart zurückgegangen sei, wären dem Bericht zufolge 6,2 Millionen Menschen mehr an der durch Mücken übertragenen Krankheit gestorben. Die größten Fortschritte gegen Malaria wurden demnach in Asien und im Kaukasus gemacht, in Afrika ging es demnach deutlich schlechter voran. In den Ländern südlich der Sahara gebe es auch dieses Jahr fast 80 Prozent der weltweiten Malaria-Todesfälle, heißt es in dem UN-Bericht.

Wegen dieses ungleichen Fortschritts müssten den am schwersten betroffenen Ländern mehr Aufmerksamkeit und Ressourcen gewidmet werden, forderten Chan und Unicef-Chef Anthony Lake. „Das Auslöschen von Malaria weltweit ist möglich – aber nur wenn wir diese Barrieren überwinden und den Fortschritt beschleunigen“, schrieben sie.

Seit dem Jahr 2000 wurden die Aufwendungen im Kampf gegen Malaria bereits verzwanzigfacht, etwa um mit Insektiziden behandelte Moskitonetze zu verteilen. Heute schlafen fast 70 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren südlich der Sahara unter solchen Netzen, 2000 waren es noch weniger als zwei Prozent.

Malaria wird durch Parasiten verursacht, die durch die Stiche infizierter Mücken übertragen werden. Die Tropenkrankheit führt über einen Befall der Leber zur Zerstörung der roten Blutkörperchen, zu Fieber, Kopfschmerzen und Erbrechen. Unbehandelt kann die Krankheit schnell lebensbedrohlich werden, wenn die Blutversorgung lebenswichtiger Organe gestört wird.

Positionen

"Die großen Erfolge zeigen, dass sich Investitionen zur Bekämpfung dieser Krankheit auszahlen", sagt Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung. "Doch der Handlungsbedarf bleibt riesig. Rund 3,2 Milliarden Menschen – fast die Hälfte der Weltbevölkerung – sind noch immer von Malaria bedroht. Vor allem Kinder unter fünf Jahren in den ärmsten Regionen der Welt sind der Krankheit oft schutzlos ausgeliefert und sterben. Dabei kann Malaria durch einfache und günstige Mittel effektiv bekämpft werden, beispielsweise durch imprägnierte Moskitonetze. Gerade der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria hat sich als äußerst wirksam erwiesen. Wichtig sind zudem Investitionen in Forschung und Entwicklung von Medikamenten, Impfstoffen und Diagnostika. Denn aufgrund von Resistenzen gegen die Wirkstoffe müssen Malaria-Medikamente weiterentwickelt werden, um dauerhaft wirksam zu sein. Ich appelliere daher an die Bundesregierung, die Mittel für die Verbesserung der Gesundheitssituation in Entwicklungsländern deutlich aufzustocken.“