Weiblicher Schutztrupp für südafrikanische Nashörner

Als "Black Mambas" legen 26 südafrikanische Frauen Wilderern das Handwerk. [BarryTuck/Shutterstock]

Ein privates Tierschutz-Reservat in Südafrika erntet internationale Anerkennung für gesunkene Wilderei-Zahlen. Dahinter steckt die einzigartige Geschichte von 26 unbewaffneten Frauen, die als Anti-Wilderei-Einheit zu Schutzengeln der Wildnis wurden.

Was für Craig Spencer, Direktor des Balule Naturreservats im Nordosten Südafrikas, als noble Initiative begann, wurde bald zu einer der weltweit  erfolgreichsten Strategien gegen Wilddieberei. 2013 hatte er die Idee, Frauen unbewaffnet, doch sichtbar durch sein Naturschutzgebiet patrouillieren zu lassen – als Abschreckung gegen Wilderer. Diese Gruppe von Frauen ist inzwischen zu einer Spezialeinheit geworden, die weltweit Aufmerksamkeit und Bewunderung genießt.

Im Kampf gegen Wilderei

Südafrika ist stolz auf den weltweit größten Bestand an Nashörnern. Noch vor einigen Jahren hatte die systematische Wilderei diese Population und andere bedrohte Tierarten stark reduziert. Trotz Militärs und hochmoderner Überwachungstechnologien ging die illegale Jagd in den meisten Naturreservaten unverändert weiter. In Südafrika zeitweise sogar soweit, dass Schätzungen zufolge alle sieben Stunden ein Nashorn getötet wurde.

Doch dann kam die Black Mambas Anti Poaching Unit, benannt nach einer der gefährlichsten Schlangen Afrikas und aus Frauen benachteiligter Bevölkerungsgruppen bestehend. Diese Arbeit hilft den Frauen, von denen die meisten die einzige Einkommensquelle ihrer Familie sind, erklärt Spencer. Und im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen seien sie in ihrem Job entschlossener und fokussierter.

Für die Black Mambas ist ihre Arbeit eine Herzensangelegenheit. In Tarnfarben gekleidet und mit schweren Stiefeln patrouillieren sie täglich sechs Stunden lang durch das 40.000 Hektar große Gelände, auf dem Nashörner, Geparde, Giraffen und Gnus leben. Manchmal legen sie dabei am Tag 21 Kilometer unter extremen klimatischen Bedingungen zurück.

Zu ihren Aufgaben gehört es, jedes noch so kleine Detail aufzuspüren, das auf Wilddiebe schließen lassen könnte. In diesem Zusammenhang überprüfen sie zum Beispiel Elektrozäune auf Löcher und reparieren diese falls notwendig. Sie halten jedoch nicht nur Augen, sondern auch Ohren offen und achten auf mögliche Gewehrschüsse.

Und ihre Mühen zahlen sich tatsächlich aus. Seit Einführung des Trupps ging die Zahl der Jagdvergehen im Balule Naturreservat um 76 Prozent zurück. Die Black Mambas haben Lager von Wilderern, aufgestellte Fallen und Buschfleisch-Küchen zerstört, in denen die Beute direkt verarbeitet und verkaufsfertig gemacht wird.

Ein Quell der Inspiration

Keines der Black-Mamba-Mitglieder hat einen höheren Bildungsabschluss. Doch was ihnen an Bücherwissen fehlt, machen sie durch Leidenschaft und Hartnäckigkeit wieder wett. Sie alle mussten eine harte sechswöchige Ausbildung im paramilitärischen Bereich und im Tierschutz absolvieren. Außerdem sind sie verpflichtet, an Fitnesskursen teilzunehmen, wenn sie sich zur Arbeit melden.

Als Wegbereiter in einem noch immer von Männern dominierten Sektor sind die Black Mambas für viele junge Menschen ein Quell der Inspiration. Denn die Mehrheit der afrikanischen Jugend ist arbeitslos und wird in Anbetracht eines fehlenden Einkommens leicht zur Wilderei verleitet. Um die Denkweisen der Lokalbevölkerung zu ändern und in den Menschen die Wertschätzung für die Tierwelt wachzurütteln, lancierte der Schutztrupp an zehn lokalen Schulen das „Bush Babies“-Programm. Ziel ist es, den Schülern die Liebe zur Tierwelt zu vermitteln und ihnen zu zeigen, welche Gefahren die Wilderei mit sich bringt.  Man hofft, dass die Informationen über die Kinder auch zu den Eltern durchdringen und sich eine Wilderei verneinende Kultur unter den Schülern verankert, solange sie noch jung sind.

Die Bemühungen der Black Mambas blieben nicht lange unbeobachtet. Dieses Jahr wurden sie nach London eingeladen – als erstmalige Gewinner des „Innovation in Conservation“-Preises, der von Helping Rhinos, einer britischen Wohlfahrtsorganisation, vergeben wurde. Er ehrt Personen oder Projekte, die außerordentlichen Einsatz zeigen und durch inspirierende, innovative Maßnahmen spürbar zum Schutz der Nashörner beitragen. Letztes Jahr hatten die Black Mambas bereits den „Champions of the Earth“-Preis gewonnen, die höchste Umweltauszeichnung der UN, mit der Mut im Kampf gegen illegalen Tierhandel auf Gemeindeebene belohnt wird.

Immer seltener hört man nun Gewehrschüsse im Balule Naturschutzgebiet, das inzwischen zum Vorbild für zahlreiche andere Reservate Südafrikas geworden ist – einem Land, in dem Wilderei noch immer zu häufig an der Tagesordnung steht. Regional und international lobt man den Park für seine innovative und nachhaltige Strategie, benachteiligte, lokale Bevölkerungsgruppen einzugliedern, indem man ihnen Arbeit bietet und sie aktiv in den Kampf gegen Wilderei einbindet.