EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

30/08/2016

Studie von One: Armut ist sexistisch

Entwicklungspolitik

Studie von One: Armut ist sexistisch

Eine junge Händlerin bietet in Nigeria ihre geröstete Ware an.

Wolfgang Kumm/dpa

Frauen führen in vielen armen Ländern noch immer ein Leben in Ungleichheit. Vor allem bei Gesundheit und Ernährung ist die Lage vieler Frauen besorgniserregend, zeigt eine Studie der Entwicklungsorganisation One.

Armut ist sexistisch. Das zeigt der aktuelle Bericht der Entwicklungsorganisation One. Ob bei Bildung, Gesundheitsversorgung und Ernährung – besonders benachteiligt sind dem Report zufolge meist die Frauen.

One erstellte dazu einen Index, der jene 20 Länder auflistet, in denen Mädchen besonders benachteiligt sind. Zu den untersuchten Indikatoren gehören auch der Anteil von Frauen, die ein Bankkonto eröffnen können sowie die Wahrscheinlichkeit, bei der Entbindung zu sterben. Das Ergebnis: Neben dem höheren Gesundheitsrisiko gibt es auch sonst zahlreiche beunruhigende Diskrepanzen zu den Männern: So sind im Jahr 2016 eine halbe Milliarde Frauen Analphabeten, 62 Millionen Mädchen haben kein Recht auf Bildung, und 155 Länder behandeln Frauen vor dem Gesetz anders als Männer.

Vor allem in Afrika sind die Beschwerlichkeiten für Frauen besonders dramatisch. Am härtesten ist das Leben in Niger. Es folgen Somalia und Mali, die Zentralafrikanische Republik und der Jemen. Afghanistan belegt Platz Sieben. Länder mit den schlechtesten Chancen für Mädchen, so zeigt der Bericht auf, sind somit gleichzeitig auch die ärmsten Länder der Welt. In Niger etwa besuchen die Mädchen 16 Monate kürzer die Schule als Jungen, nur 13 Prozent der Parlamentsabgeordneten sind Frauen.

Fünf Prozent der Mütter sterben bei der Geburt

Auch gesundheitliche Risiken sind für Frauen wesentlich höher: Das Risiko etwa, bei der Geburt ihres Kindes zu sterben, liegt bei fünf Prozent. Ein Viertel der Frauen gebiert ein untergewichtiges Baby. Blutarmut, unter der 40 Prozent der Frauen in Afrika ist der Grund für 20 Prozent aller Sterbefälle bei Müttern während oder kurz nach der Geburt. In Subsahara-Afrika entfallen zudem knapp drei Viertel aller HIV-Neuinfektionen unter Heranwachsenden auf Mädchen.

Im Jahr 2015 stand die Gleichstellung von Frauen auf die Agenda der Geberländer weit oben: Die Vereinten Nationen nahmen diesen Punkt in die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung auf. Die G7-Staaten beschlossen, die Berufsausbildung von Frauen und Mädchen in Entwicklungsländern bis 2030 um ein Drittel erhöhen. Bundeskanzlerin Angela Merkel vernastaltete ein internationales Frauen-Dialogforum im Kanzleramt.

„Meinen es die Staats- und Regierungschefs ernst, müssen sie verstärkt in Frauen und Mädchen investieren, denn wir wissen, dass der Kampf gegen extreme Armut massiv beschleunigt werden kann, wenn wir Frauen und Mädchen in die Lage versetzen, ihr volles Potenzial zu entfalten“, mahnt Tobias Kahler, Direkter von One in Deutschland.

Nicht nur Armut entscheidet über Gleichstellung und Chancen

Im September 2015 verpflichteten sich die Staats- und Regierungsoberhäupter zu 17 neuen Zielen, mit denen in den kommenden 15 Jahren extreme Armut bekämpft sowie Ungleichheit und der Klimawandel beendet werden sollen.

Doch bislang haben sich lediglich die Staaten der EU und Norwegen zur Erhöhung der Öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit (ODA) verpflichtet. Sie beschlossen, die ODA als Anteil am Bruttonationaleinkommen (BNE) bis 2015 auf 0,7 Prozent zu steigern, wovon die Hälfte der Erhöhungen für Afrika reserviert wurde.

Entwicklungskommissar Neven Mimica hatte im vergangenen April die Wichtigkeit von Geschlechtergleichstellung in der Entwicklungszusammenarbeit betont: „Ich möchte die Ermächtigung von Frauen und Mädchen in jedem unserer Programme sichtbar machen.“ Die EU-Kommission wolle die Entwicklungsprojekte auf Gleichstellungsaspekte überprüfen und darauf abzielen, die „Gender-Gap“ zu schließen, sagte er.

Weitere Informationen