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04/12/2016

Studie: Müll in Entwicklungsländern erzeugt enorme Mengen Treibhausgas

Entwicklungspolitik

Studie: Müll in Entwicklungsländern erzeugt enorme Mengen Treibhausgas

Kaum Kreislaufwirtschaft: Ein Mann in Indien verbrennt Müll am Straßenrand.

[Berhard Huber/Flickr]

Plastiktüten, Milchkartons, Verpackungsfolie, Autoschrott: Weltweit belasten die wachsenden Mengen an Abfällen zunehmend Umwelt und Menschen, aber auch das Klima. Besonders in Entwicklungs- und Schwellenländern verursacht unsortiert deponierter und nicht recycelter Müll jährlich riesige Mengen an Treihausgasen, warnt eine Studie des Umweltbundesamtes.

Während Deutschland in den vergangenen Jahren die Emission klimaschädlicher Gase durch die Verwertung von Abfällen erheblich senken konnte, müsste die Abfallwirtschaft in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern, aber auch in zahlreichen OECD-Staaten und den USA deutlich mehr zum Klimaschutz beitragen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von Öko-Institut und IFEU Heidelberg im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA).

„In den Bilanzen für die OECD-Länder, die USA, Indien und Ägypten zeigt der Status-Quo, dass die mit der Deponierung von Abfällen verbundenen Methanemissionen Hauptverursacher der Treibhausgas-Belastungen sind“, schreiben die Autoren der Untersuchung. Nur wenige OECD-Länder wie zum Beispiel Japan, die (organische) Abfälle nicht oder kaum deponieren, würden eine Entlastung erreichen. Je mehr recycelt und je effizienter der Müll verwertet wird, umso deutlicher falle die positive Klimabilanz aus.

Für die Studie verglichen die Forscher die Klimaschutzpotenziale der Abfallwirtschaft in Indien, Ägypten, den USA im Detail. Daneben nahmen sie auch diverse OECD- und EU-Staaten unter die Lupe. Dabei zeigte sich, dass in zahlreichen Ländern eine integrierte Kreislaufwirtschaft dringend gefördert werden muss, um mit mehr Recycling signifikant Treibhausgase zu reduzieren.

Recycling fehlt

Vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern, so das Ergebnis, fehle es noch an geordnetem Recycling. In Ägypten und Indien landen Abfälle, egal welcher Art, größtenteils auf ungeordneten Deponien ohne Sickerwasser- oder gasauffangvorringtungen. Gesammelt, sortiert und verwertet werden sie dort maximal durch private Personen und Organisationen, die den Müll unter schwierigen Bedingungen und Gesundheitsrisiken trennen und Wertstoffe heraussuchen.

So ist in Indien, dessen ca. 1,2 Milliarden Einwohner ein geschätzes Abfallaufkommen von insgesamt rund 243 Millionen Tonnen Abfall produzieren, der informelle Sektor auf zwei Ebenen aktiv. Zum einen gibt es die Haustürsammlung, bei der den Bewohnern ihre Wertstoffabfälle wie Zeitungen, Dosen, Glas, Plastiktüten, Altkleider abgekauft werden. Zum anderen sortieren die sogenannten „waste picker“ Wertstoffe von den Straßen und Deponien aus. Insgesamt landen in dem Land am Ende fast 80 Prozent des Mülls ungeordnet auf Deponien und emittieren knapp 55 Millionen Tonnen CO2.

Abfalltrennung und effiziente Müllverbrennungsanlagen dringend nötig

Würden Länder wie Indien ihre Abfälle stattdessen trennen und effizient verwerten, könnten sie viel zum Klimaschutz beitragen. Dies und die Verbrennung von nicht nutzbarem Restmüll in effizienten Müllverbrennungsanlagen könnte im besten Szenario die Treibhausgasemissionen um bis zu 25 Millionen Tonnen pro Jahr in Indien und knapp 14 Millionen Tonnen pro Jahr in Ägypten senken, heißt es in der Studie. Klare politische und rechtliche Regelungen durch Abfallwirtschaftsgesetze oder ähnliche Maßnahmen, seien dazu unerlässlich.

Ihre informellen Strukturen müssten diese Länder bei der Einführung entsprechender Gesetze berücksichtigen, mahnt Günter Dehoust, Experte für Abfallwirtschaft und stellvertretender Bereichsleiter Infrastruktur & Unternehmen am Öko-Institut. „Dort arbeiten heute viele Menschen, die manuell und leider häufig unter schlechten Arbeitsbedingungen einen Großteil des Recyclings leisten. Ihre Arbeitsplätze zu erhalten und gleichzeitig den Arbeits- und Gesundheitsschutz zu verbessern, ist dringend geboten.“ Außerdem müssten die negativen Auswirkungen der Abfallbehandlung auf die Umwelt minimiert werden.

Vorreiter Deutschland

mit positivem Beispiel geht hier seit einigen Jahren Deutschland voran, dessen Abfallwirtschaft sich mittlerweile zu einem Klimaschützer gewandelt hat. Im Jahr 1990 belastete sie noch mit gut 38 Millionen Tonnen an CO2-Äquivalenten das Klima. Im Jahr 2006 hat die Abfallwirtschaft hingegen etwa 18 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente eingespart.

Was passiert mit den Abfällen in Deutschland?Was passiert mit den Abfällen in Deutschland?

Die Abfallwirtschaft konnte also in den Jahren von 1990 bis 2006 ihre jährlichen Emissionen klimaschädlicher Gase um insgesamt rund 56 Mio. t senken. Das geschah insbesondere durch das Aus für die Deponierung unbehandelter Siedlungsabfälle sowie durch eine verstärkte stoffliche und energetische Nutzung der Abfälle

Recycling ausbaufähig

Das aber auch in Deutschland noch viel zu verbessern ist, verdeutlicht eine im April erschienene Studie zu Plastikabfall in Deutschland, die das Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt, Energie im Auftrag des NABU verfasst hat. Sollte sich der Einsatz von Kunststoff in Deutschland nicht verändern, werde demnach im Jahr 2030 in Deutschland eine Gesamtmenge von mehr als zwölf Millionen Tonnen Kunststoffen im Umlauf sein. Das sind etwa 28 Prozent mehr als im Jahr 2013. Vor allem die Verpackungsbranche nutzte 2013 mit mehr als vier Millionen Tonnen große Mengen Plastik – zehn Jahre zuvor waren es noch 3,5 Millionen Tonnen.

Plastikmüll bleibt auch in Deutschland eine große Umweltbelastung.Plastikmüll bleibt auch in Deutschland eine große Umweltbelastung.

Neben der Bau- und Fahrzeugbranche sind auch Plastiktüten eine riesige Quelle von Kunststoffabfällen: Der Europäischen Kommission zufolge verursachten allein die im Jahr 2010 in der EU über 98 Milliarden genutzten Plastiktüten CO2-Emissionen von mehr als 1,5 Kilogramm pro Stück. Insgesamt sind das rund 15 Millionen Tonnen CO2.

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