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24/07/2016

Rekord-Wachstum für deutsche Fairtrade-Produkte

Entwicklungspolitik

Rekord-Wachstum für deutsche Fairtrade-Produkte

Der Absatz von Fairtrade-Bananen steig 2014 um 62 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

[Dave Crosby/Flickr]

Deutsche Verbraucher haben im vergangenen Jahr deutlich mehr Geld für fair gehandelte Produkte ausgegeben. In Europa ist der Fairtrade-Umsatz lediglich in Großbritannien kräftiger. Deutschland soll nun Pionierland bei der Einführung eines neuen Fairtrade-Siegels für nachhaltige Mode werden.

Die Verbraucher in Deutschland legen immer mehr Wert auf fair gehandelte Ware. Der Umsatz mit Fairtrade-Produkten ist 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent auf 827 Millionen Euro gestiegen – das “stärkste absolute Wachstum” seit Bestehen des Fairtrade-Siegels, erklärte Dieter Overath, Geschäftsführer des Vereins TransFair, vor Journalisten in Berlin.

Overath bezeichnet den deutschen Fairtrade-Markt als den “dynamischsten weltweit”. Das politische Bewusstsein der deutschen Konsumenten sei in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Mit Blick auf die weltweiten Katastrophen und Missstände wollten immer mehr Menschen ihren positiven Beitrag leisten.

Die vier wichtigsten Produktkategorien seien weiterhin Kaffee mit 18 Prozent Plus. Darüber hinaus hätten Bananen mit 62 Prozent Plus “einen richtigen Sprung gemacht” und mit acht Prozent Marktanteil am deutschen Bananenmarkt eine gute Präsenz. Jede vierte verkaufte Rose sei fair gewachsen, gepflückt, gehandelt und verkauft. Darüber hinaus wurden 2014 7.590 Tonnen Fairtrade-Kakao verkauft – eine Versechsfachung zum Vorjahr.

Die deutschen Pro-Kopf-Ausgaben für fair gehandelte Produkte liegen mittlerweile bei zehn Euro. “In Großbritannien und der Schweiz geben die Verbraucher drei- bis viermal so viel für Fairtrade-Waren aus”, erinnert Overath. Er sieht Fairtrade-Produkte in Deutschland dennoch im Aufwärtstrend. Gerade große Discounter und Handelsketten würden vermehrt auf fair gehandelte Produkte setzen – mitunter aus Angst, dass in naher Zukunft niemand mehr in den Ländern des globalen Südens bereit sei, für Hungerlöhne auf den Feldern zu schuften. “Auch wenn ihr Versuch unrealistisch ist: Die jungen Generationen werden in die Städte auswandern, sollte sich nichts an der Einkommenssituation auf den Plantagen ändern”, so Overath.

In Planung: Fairtrade-Label für Mode

Bis Ende 2015 will Transfair nun ein Fairtrade-Siegel für Textilien ins Leben rufen. Bislang sei aber noch unklar, ob darunter ausschließlich Baumwoll-Kleidung oder auch synthetische Textilien fallen, so Overath. Das Ziel des Siegels: Soziale Mindesstandards sollen entlang der gesamten Lieferkette eingehalten werden. Zwar gebe es vereinzelt schon verlässliche Siegel wie GOTS, allerdings sei das traditionelle Fairtrade-Siegel das bekannteste und vertrauenswürdigste, meint Overath.

Ende vergangenen Jahres trat der TransFair bereits dem Textil-Bündnis von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller bei, um die verschiedenen Stakeholder – Modeunternehmen und NGOs – bei der Standardsetzung, Kontrolle und dem Empowerment von Zuliefer-Unternehmen zu beraten. Langfristig plant Müller die Einführung eines “grünen Knopfes”, ein weiteres Nachhaltigkeits-Label. Das Textil-Bündnis steht jedoch in der Kritik, weil von den namhaften Modeunternehmen bislang kein einziges beigetreten ist. “Wir unterstützen das Bündnis dennoch, denn sie hält die Diskussion um Sozialstandards in der Modeproduktion am Laufen und versucht das Basisniveau zu steigern”, sagt Michael Fuchs, Vorstandsvorsitzender von Transfair.

Für Kleidung mit dem künftigen Fairtrade-Siegel werden Verbraucher allerdings tiefer in die Geldtasche greifen müssen. “Um existenzsichernde Löhne in den Fabriken zu zahlen müssen die Deutschen höhere Preise zahlen. Die Händler müssen sich trauen, mehr Geld von ihren Kunden zu verlangen”, sagt Transfair-Chef Overath. Um existenzsichernde Löhne langfristig in den Produzentenländern zu garantieren, müssten zudem Gewerkschaften aufgebaut und gestärkt werden. “Das geht nicht im Handstreich, das ist ein langfristiger Produzent, der Geld kostet.”

Hintergrund

Das Fairtrade-Siegel wird an Produkte vergeben, bei denen gewährleistet ist, dass Kleinbauern und Plantagenarbeiter angemessene Preise erhalten und unter fairen Bedingungen arbeiten. Außerdem soll vor Ort in Bildungs- und Entwicklungsprojekte investiert und umweltfreundlich produziert werden. In Deutschland gibt es schätzungsweise 42.000 Geschäften Produkte mit diesem Siegel.

Der Verein TransFair wurde 1992 gegründet. Er handelt nicht selbst mit Waren, sondern vergibt das Faurtrade-Siegel für fair gehandelte Produkte und fördert das Bewusstsein für nachhaltigen Konsum.

Weitere Informationen

TransFair-Jahresbericht 2014/2015 (11. Mai 2015)

Der Spiegel: "Unfaire Geschäfte" (6. Oktober 2014)

TransFair: Statement zum Spiegel-Artikel "Unfaire Geschäfte" (6. Oktober 2014)

European Parliament: Fair trade and consumers in the European Union (25. März 2014)

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): Sonderseite Textil

Bündnis für nachhaltige Textilien: Webseite