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22/01/2017

Paris und Johannesburg erarbeiten Klimastrategie

Entwicklungspolitik

Paris und Johannesburg erarbeiten Klimastrategie

Die südafrikanische Stadt Johannesburg ist vierzehnmal größer als Paris

[Martijn.Munneke/Flickr]

SPECIAL REPORT / Südafrikas Wirtschaftsdrehkreuz Johannesburg plant eine ambitionierte Klimastrategie. So will man in die Fußstapfen der Stadt Paris treten, die 2007 als erste in Frankreich eine ähnliche Strategie beschloss. EurActiv Frankreich berichtet.

Die südafrikanische Stadt Johannesburg arbeitet nun bereits seit mehreren Monaten an einer eigenen Klimastrategie. Tau Parks, Bürgermeister der Stadt, träumt von einer grüneren Zukunft für den südafrikanischen Wirtschaftsknotenpunkt. Sein Ziel war es, noch vor der gestrigen Eröffnung der UN-Klimakonferenz (COP21) eine entsprechende Strategie zu verkünden.

Die Johannesburger Behörden folgten jedoch den Empfehlungen ihrer französischen Kollegen, ihre Ziele zur Emissionsreduktion erst im Laufe der Pariser Klimakonferenz zu verkünden und somit ihre Klimastrategie 2016 zu starten. „Johannesburg wollte seinen Plan eigentlich noch vor der COP21 präsentieren. Paris empfahl ihnen jedoch, sich mehr Zeit zu nehmen“, erklärte Matthieu Robin, Leiter der Stadtentwicklung bei der französischen Agentur für Entwicklung (AFD).

Paris ist Mitglied von PLATFORMA, dem europäischen Netzwerk lokaler und regionaler Entwicklungsbehörden.

Die Planung einer Klimastrategie

Die Behörden des Büros der Pariser Bürgermeisterin riefen im August einen Expertisenaustausch mit Johannesburg ins Leben. „Wir versuchen gerade, ihnen dabei zu helfen, von unserem Know-how zu profitieren – vor allem wenn es um die Erfassung von Emissionen und die Identifizierung möglicher Ansätze für den Klimaschutz geht“, so Patrick Klugman, stellvertretender Bürgermeister von Paris und Leiter der internationalen Beziehungen sowie der Frankophonie. In dieser Aufgabe erhalten sie bereits Unterstützung von der französischen Entwicklungsagentur und dem C40, einem Städtenetzwerk für den Kampf gegen den Klimawandel – initiiert von Michael Bloomberg, dem ehemaligen Bürgermeister von New York.

Bedroht vom Klimawandel

Der Pariser Klimaplan beschäftigt sich vor allem mit der Emissionsreduktion im Transport und in der Gebäudesanierung. Für Johannesburg liegen die großen Herausforderungen jedoch woanders. „Die Stadt Johannesburg ist noch immer stark von der räumlichen Kluft der Apartheid geprägt“, betonte Robin. Folglich konzentriere sich der Austausch mit Paris mehr auf die notwendige Methodik zur Entwicklung einer Klimastrategie als auf konkrete Maßnahmen.

Doch auch die geografische Situation beider Städte könnte unterschiedlicher nicht sein. Johannesburg ist vierzehnmal größer als Paris und hat zwei Millionen Einwohner. Daher stellen die Netzwerke der Straßen, des Wassers, des Gesundheitswesens und der Stromversorgung für die südafrikanische Stadt große, kostspielige Herausforderungen dar. „Der Transportsektor ist außerdem sehr kohlenstofflastig, denn Johannesburg ist eine Stadt nur für Autos“, so Robin. Südafrikas ökonomisches Drehkreuz ist jährlich für 6,4 Tonnen CO2 pro Kopf verantwortlich. Zum Vergleich: In Barcelona liegt der Betrag bei 4,2 Tonnen und in Neu Delhi bei 1,5 Tonnen. „Die ist ein sehr hoher CO2-Ausstoß für eine sich entwickelnde Stadt“, meinte er.

Die Zusammenarbeit der beiden Städte biete Johannesburg ein konkretes Vorbild für die Erarbeitung einer eigenen Klimastrategie, so der Leiter der Agentur für Entwicklung. Darüber hinaus werde auch deutlich, welche Fallstricke es zu vermeiden gilt. Die Herausforderung liegt vor allem darin, die CO2-intensivsten Sektoren anzugehen. Auch muss man Unternehmen und Vertreter der Zivilgesellschaft an einen Tisch bringen. Nur so lässt sich eine möglichst ambitionierte und inklusive Strategie entwickeln und die erfolgreiche Umsetzung einer langen zusammenhanglosen Liste von Ideen sichern. Matthieu Robin zufolge hilft nichts so sehr bei der Überwindung dieser Herausforderung wie der Dialog zwischen den lokalen Behörden.

Gegenseitigkeit

Nun, da zahlreiche führende Politiker aus aller Welt und Vertreter der UN-Mitgliedsstaaten nach Paris zur COP21 strömen, ist die Kooperation auch für die französische Hauptstadt brandaktuell. „Das ist unser erstes wirklich dezentralisiertes Kooperationsprojekt zum Thema Klima“, sagte Klugman. Die Stadt Paris ist gut für die dezentralisierte Zusammenarbeit aufgestellt. „Wir haben mehrere Leute, die sich mit der Kooperation beschäftigen. Das ist nicht in allen lokalen Behörden der Fall. Die Nachfrage bei uns ist daher sehr hoch“, so Klugman.