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25/09/2016

Oxfam: Reichste Länder beherbergen nur neun Prozent aller Flüchtlinge

Entwicklungspolitik

Oxfam: Reichste Länder beherbergen nur neun Prozent aller Flüchtlinge

Der Lebanon ist eines der Länder, die gezwungenermaßen am meisten für syrische Flüchtlinge tun.

[Trocaire CC BY 2.0/Flickr]

In den sechs wohlhabendsten Volkswirtschaften der Welt leben laut Oxfam gerade einmal 2,1 Millionen Flüchtlinge. Der Rest entfällt gezwungenermaßen auf die ärmsten Länder. EurActiv Frankreich berichtet.

Die meisten Flüchtlinge kommen in Entwicklungsländern nahe ihrer Heimat unter, wohingegen die sechs reichsten Staaten der Welt nur eine marginale Rolle bei der Aufnahme Schutzbedürftiger spielen. Frankreich, Deutschland, Großbritannien, die Vereinigten Staaten, China und Japan produzieren mehr als 50 Prozent der Weltwirtschaftsleistung. Dennoch beherbergen sie nur neun Prozent aller Flüchtlinge weltweit (2,1 Millionen Menschen), so das Ergebnis eines gestern veröffentlichten Oxfam-Berichts.

Darin werden die Anstrengungen von Ländern wie Jordanien, der Türkei, Pakistan, dem Libanon, Südafrika und den besetzten palästinensischen Gebieten beschrieben. Sie machen nur zwei Prozent der Weltwirtschaft aus und bieten doch 50 Prozent aller Flüchtlinge Schutz (12 Millionen Menschen).

„Die internationale Migration hat nie da gewesene Ausmaße angenommen und ist zu einer komplexen Herausforderung geworden, die eine globale Antwort erfordert“, erklärt Winnie Byanyima, Exekutivdirektorin von Oxfam International. Die wohlhabendsten Länder müssen bei der Lösung mitwirken und einen fairen Teil der Verantwortung übernehmen, indem sie mehr Flüchtlinge aufnehmen und ihnen Schutz bieten.“

Ungenügende Unterstützung

Von den sechs genannten Industrieländern zeigte sich Deutschland Oxfam zufolge am offensten für Flüchtlinge. 736.000 der 2,1 Millionen Asylsuchenden in den reichsten Ländern entfallen auf die Bundesrepublik. Doch auch wenn Berlin mehr für Flüchtlinge tue als andere große Volkswirtschaften, so sei der Unterschied zu den Bemühungen in einigen Entwicklungsländern noch immer beträchtlich, betont Oxfam.

Über die Aufnahmestatistiken hinaus geht der Bericht darauf ein, wie viel die größten Volkswirtschaften in den Umgang mit der Flüchtlingskrise investieren. 2015 stellten die sechs genannten Industrienationen laut Oxfam zwei Milliarden Dollar für das Hohe Flüchtlingskommissariat der UN (UNHCR) bereit. Diese Einrichtung koordiniert die internationale Flüchtlingshilfe.

Mit 1,35 Milliarden Dollar im Jahr sind die USA mit Abstand größter Geldgeber des UNHCR, gefolgt von Großbritannien (262 Millionen Dollar), Japan (173 Millionen Dollar), Deutschland (142 Millionen Dollar) und Frankreich (42 Millionen Dollar). Die drei europäischen Länder trugen 2015 über den EU-Haushalt noch weitere 191 Millionen Dollar bei.

Grenzkontrollen

Der Oxfam-Bericht kritisiert, wie manche europäische Länder ihre Hilfsgelder für Flüchtlinge ausgeben. So nutzen viele einen Großteil ihres Budgets eher zur Kontrolle von Migrationsströmen und Grenzsicherung, anstatt den Flüchtlingen zu helfen.

„Es wichtig, gegen Armut und Ungleichheiten in den Entwicklungsländern zu kämpfen“, so der Bericht. „Viele europäische Regierungen sind jedoch bereit, Regime wie im Sudan oder in Eritrea zu unterstützen, um Völkerwanderungen zu verhindern.“