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09/12/2016

ONE: „Armut und Geschlechterungleichheit gehen Hand in Hand“

Entwicklungspolitik

ONE: „Armut und Geschlechterungleichheit gehen Hand in Hand“

Insbesondere die Gesundheitshilfe ist von den Einsparungen bei der Entwicklungshilfe betroffen. Foto: European Commission DG ECHO

Geschlechterungleichheit führt dazu, dass Frauen in den ärmsten Ländern besonders häufig von Krankheiten und Elend betroffen sind, warnt die Entwicklungsorganisation ONE. Entwicklungszusammenarbeit müsse das dringend stärker berücksichtigen.

1, 25 Dollar täglich: Wer mit dieser Summe oder weniger überleben muss, gilt als „extrem arm“. Die hoffnungsvolle Nachricht dazu lautet, dass die extreme Armut im Jahr 2015 nach Angaben der Weltbank erstmals auf unter zehn Prozent, genauer 9,6 Prozent der Weltbevölkerung, zurückgegangen ist. In absoluten Zahlen aber bleibt das Problem enorm. Rund 702 Millionen Menschen lebten auch 2015 in extremer Armut.

Die Entwicklungsorganisation ONE fordert darum anlässlich des OECD-Forums in Paris, die globale Ungleichheit weiter mit allen Mitteln zu bekämpfen. „Zwischen 1990 und 2012 wurde die extreme Armut bereits halbiert. Jetzt müssen die Regierungen dafür sorgen, dass Entwicklungszusammenarbeit und Unterstützung vor allem die ärmsten Länder erreichen“, sagt Kassandra Kate Ramey im Gespräch mit EurActiv.de.

Die 22-Jährige Jurastudentin Ramey ist eine der 250 ONE-Jugendbotschafter, die in Paris globale Herausforderungen diskutieren wollen, während zur gleichen Zeit mehr als 40 der reichsten Länder bei der OECD zusammenkommen, um bis zum 2. Juni über wirtschaftliche Ungleichheit und die Möglichkeiten einer nachhaltigeren Entwicklung zu sprechen. Die ONE-Vertreter wollen in Paris drei Tage lang Politiker aus den Ländern treffen, die sich am 25. September 2015 auf dem Gipfel der Vereinten Nationen in New York zur „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ verpflichtet haben.

Ein großes Anliegen ist Ramey zufolge für ONE, dass mehr für die Geschlechtergleichheit weltweit getan wird. „Armut und Geschlechterungleichheit gehen Hand in Hand“, sagt sie. Der kürzlich erschienene Bericht von ONE „Armut ist sexistisch“ hatte darauf verwiesen, dass Mädchen und Frauen besonders stark von Armut betroffen sind.

Drei von vier an Aids erkrankten jungen Erwachsenen in Afrika sind Frauen

Dass Frauen stärker in den Fokus von Entwicklungsunterstützung kommen müssen, zeigt sich auch bei den Zahlen der am stärksten von HIV, Tuberkulose und Malaria Betroffenen. So sind drei von vier an Aids erkrankten jungen Erwachsenen in Afrika Frauen. Krankheiten im Zusammenhang mit Aids sind die Haupttodesursache für junge Frauen zwischen 15 und 44. ONE sieht darum wie auch andere Entwicklungsorganisationen dringenden Bedarf nach einer Erhöhung der Mittel, die in den Globalen Fonds zur Bekämpfung der weltweit wütenden Epidemien Aids, Tuberkulose und Malaria fließen. Nach Angaben des Fonds wurden dadurch seit 2002 17 Millionen Menschenleben gerettet.

Auf die Finanzierungskonferenz für den Globalen Fonds, die am 16. September dieses Jahres in Kanada ausgerichtet wird, setzt auch Renate Bähr von der Organisation Stiftung Weltbevölkerung. „Jedes Jahr sterben mehr als drei Millionen Menschen an Aids, Malaria und Tuberkulose, vor allem in Entwicklungsländern. Die meisten Erkrankungen ließen sich durch Präventionsmaßnahmen, wie zum Beispiel imprägnierte Moskitonetze, und eine bessere Gesundheitsversorgung vermeiden.“

Der Globale Fonds, der mit Hilfe von öffentlichen und privaten Gebern Präventions- und Behandlungsprogramme in mehr als 140 Ländern fördert, hat sich als Ziel gesteckt, mindestens 13 Milliarden US-Dollar für die Jahre 2017 bis 2019 zu mobilisieren. „Da die Bundesregierung anders als die meisten Geber bei den vergangenen zwei Finanzierungskonferenzen keine Erhöhungen im Gepäck hatte, wäre eine Steigerung des Beitrags von derzeit 210 Millionen Euro auf mindestens 300 Millionen Euro jährlich ein begrüßenswerter erster Schritt“, fordert Bär.

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