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30/07/2016

ODI-Studie: Klimawandel beeinträchtigt Bildung und Gesundheit in Entwicklungsländern

Entwicklungspolitik

ODI-Studie: Klimawandel beeinträchtigt Bildung und Gesundheit in Entwicklungsländern

Ohne internationale Unterstützung werden Mittel für den Klimaschutz in afrikanischen Ländern zum Beispiel aus dem Bildungsbereich abgezogen. Foto: Colin J. McMechan (CC BY-SA 2.0)

E?ntwicklungsländer sind aufgrund mangelnder internationaler Unterstützung dazu gezwungen, große Teile ihres Haushalts in die Anpassung an den Klimawandel umzuleiten. Laut einem Bericht sind diese Investitionen unzureichend und gefährden zugleich das bereits marode Bildungs- und Gesundheitssystem.

Äthiopien verwendete zwischen 2008 und 2011 rund 14 Prozent seines Haushalts für den Klimawandel. Das entspricht fast der Hälfte seiner Ausgaben für das Grundschulwesen. Tansania investierte fünf Prozent in die Anpassung an den Klimawandel, beinahe zwei Drittel seiner Ausgaben für Gesundheit. Das geht aus einer Studie des britischen Think-Tanks Overseas Development Institute (ODI) hervor. 

Die drei in dem Bericht untersuchten Länder sind Äthiopien, Tansania und Uganda. Sie alle sind sehr stark auf die regenabhängige Landwirtschaft angewiesen. Durch den Klimawandel steigen aber auch dort die Temperaturen und das Wasser wird knapper. Die drei Länder hätten aufgrund ausbleibender internationaler Hilfe sehr viel in die Anpassung ihrer Landwirtschaft und der Städte investiert, sagt Neil Bird, Klimaforscher bei ODI und Autor des Berichts. 

Die Studie stellt dennoch große Finanzierungslücken fest. Die Länder können nur einen Bruchteil dessen finanzieren, was eigentlich für eine wirksame Anpassung an den Klimawandel notwendig wäre. Die äthiopische Strategie zur Bekämpfung des Klimawandels sieht jährliche Ausgaben von 7,5 Milliarden US-Dollar vor. Dem Land stehen allerdings lediglich 440 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Tansania würde 650 Millionen US-Dollar pro Jahr zur benötigen, um derzeitige Klimarisiken anpacken zu können und seine Widerstandfähigkeit zu verbessern. Das ostafrikanische Land kann aber nur 383 Millionen dafür ausgeben. Ugandas Klimaschutzpolitik soll 258 Millionen US-Dollar jährlich kosten – die derzeitigen Ausgaben dafür belaufen sich auf 25 Millionen US-Dollar. 

Die ODI-Studie, die vor dem morgigen Klimagipfel in New York veröffentlicht wird, zeigt, wie arme Länder die Anpassung an den Klimawandel zum größten Teil alleine stemmen müssen.

“Es gibt die bestehende, internationale Verpflichtung, ab 2020 rund 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr bereitzustellen, aber die ODI-Recherche zeigt, dass die derzeitigen Annahmen der weltweiten Anpassungsfinanzierung einen Bruchteil dieser Summe betragen”, sagt Bird.

“In ganz Subsahara-Afrika beträgt die internationale Unterstützung für die Länder zur Anpassung an den Klimawandel im Durchschnitt 130 Millionen US-Dollar, weitaus weniger als die 1,1 Milliarden US-Dollar, die das Vereinigte Königreich alleine für die Flut von vor drei Jahren ausgab, was Erzbischof Desmond Tutu ‘Anpassungsapartheid’ nennt.” 

Den Ländern, die keine Rolle beim menschengemachten Klimawandel spielten, wird minimale Hilfestellung gegeben. Im Gegensatz dazu investieren die reichen Länder bereits sehr viel in ihre Anpassung an den Klimawandel. Bessere Flutabwehrsysteme und besserer Küstenschutz sind dabei nur zwei ihrer Maßnahmen.

Die Briten gaben zwischen 2010 und 2011 ungefähr 700 Millionen Pfund für die Flutabwehr aus. Ärmere Länder und ihre Bürger müssten die Anpassungsherausforderung nach Einschätzung des Berichts mit weitaus weniger Ressourcen bewältigen. 

“Während die reicheren Länder sehr viel in Flutabwehrsysteme, Küstenschutz und andere Projekte investieren, müssen die ärmeren Länder knappe Ressourcen umleiten, was den Fortschritt bei der Armutsbekämpfung möglicherweise wieder umkehrt”, meint Kevin Watkins, ODI-Geschäftsführer. 

Äthiopien, Tansania und Uganda betrachten den Klimawandel nicht nur als Umweltproblem, sondern auch als Problem für die wirtschaftliche Entwicklung. Das spiegelt sich in den Ministerien wider, die die Ausgaben tätigen. Dazu gehören die Landwirtschaftsministerien und die Ministerien für Wasser und Energie. Zu den relevanten Regierungsprogrammen gehören Bewässerungsprojekte, Initiativen zum Trockenland-Management, sowie Entwicklunghilfeprojekte zur Förderung erneuerbarer Energien und der Energieeffizienz. 

Das ODI drängt auf größere Transparenz zur Vertrauensbildung in die Wirksamkeit der Klimafinanzierung. Es schlägt einen neuen Ansatz zur Unterstützung nationaler Maßnahmen gegen den Klimawandel vor. Öffentliche Klimafinanzierung der internationalen Gemeinschaft sollte dem Niveau der inländischen öffentlichen Ausgaben für die Klimaanpassung in den anfälligsten Ländern entsprechen. 

Hintergrund

Nach Angaben der Afrikanischen Entwicklungsbank-Gruppe (AfDB) hat Afrika trotz großer Armut, epidemischer Krankheiten und Lebensmittelunsicherheit große Fortschritte bei den Gesundheitsergebnissen seiner Bevölkerung gemacht.

Dennoch gibt es auch große Herausforderungen. Die afrikanischen Gesundheitssysteme sind für gewöhnlich unterfinanziert, überdehnt und unterbesetzt. Das zeigt den politischen Aspekt der Gesundheitsprobleme in den Entwicklungsländern. 

Der AfDB zufolge führt größerer Wohlstand nicht unweigerlich zu besserer Gesundheit, insbesondere der ärmsten Teile der Gesellschaft.