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26/08/2016

NGO: Millenniums-Entwicklungsziele scheitern an “verfehlter Friedenspolitik”

Entwicklungspolitik

NGO: Millenniums-Entwicklungsziele scheitern an “verfehlter Friedenspolitik”

Besonders in Sub-Sahara Afrika bleibt die Weltgemeinschaft bei der Erreichung der MDG-Ziele hinter den Erwartungen zurück. Foto: United Nations Photo

Die internationale Gemeinschaft verhandelt in der kommenden Woche über die Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) für die Zeit nach 2015. Doch besonders in Konfliktländern werden laut einer NGO keines der derzeit bestehenden MDG-Ziele erreicht.  

Noch bis September 2015 hat die internationale Staatengemeinschaft Zeit, ihre im Jahr 2000 gesteckten Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) zu erreichen. Doch wenn sie so weiter macht, wie bisher, werden sie ihre Versprechen nicht erfüllen können. 

Besonders fragile Staaten mit gewaltsamen Konflikte sind weit davon entfernt, überhaupt eins der Entwicklungsziele zu erreichen, erklärt die Entwicklungsorganisation World Vision. 

34 Länder werden nach derzeitigen Schätzungen die MDG-Ziele nicht erreichen. 22 davon sind Konfliktländer. World Vision fordert deshalb eine “neue vorausschauende Friedenspolitik”, die auch in die MDG-Agenda nach 2015 Eingang finden soll.

“Der Fokus muss auf präventive Maßnahmen zur Verhinderung von Konflikten liegen”, sagt World-Vision Friedensexperte Ekkehard Forberg. “Deutschland und die EU könnten Vorreiter sein”. 

Forberg empfiehlt den Aufbau von Frühwarnzentren in den betroffenen Ländern – etwa in Uganda, wo derzeit neue Rebellengruppen entstehen. Dort müssten rechtzeitig Strukturen und Institutionen zur Konfliktbearbeitung entstehen. Und dafür bräuchten die betroffnnen Staaten Unterstützung, auch von Deutschland.

Die Bundesregierung müsse gemeinsam mit den europäischen Partnern einen Pool von schnell einsatzfähigen Zivilexperten und erfahrenen Mediationsteams schaffen, fordert Forberg. Diese sollten in der Lage sind, zwischen Konfliktparteien in einem frühen Stadium zu vermitteln. Dafür ist besonders eins notwendig: Geld. 

Deshalb fordert World Vision die Bundesregierung auf, das Friedens-Budget auf das Niveau des Verteidigungshaushalts aufzustocken und sich dafür einzusetzen, das Ziel “Frieden” in die Post-2015-MDGs zu verankern.

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon rief vor wenigen Tagen die führende Politiker der Staatengemeinschaft auf, mehr für die Erreichung der MDG-Ziele zu unternehmen. “Während die Armutsrate halbiert wurde, müssen die Regierungen in vielen Bereichen einen echten Endspurt hinlegen”, sagte Ban Ki-moon internationalen Journalisten. 

“Rund 57 Millionen Kinder gehen noch immer nicht zur Schule. Frauen und Kinder sterben noch immer an Krankheiten, die hätten verhindert werden können”, so der UNO-Generalsekretär. 

Noch immer leiden laut dem aktuellen Welternährungbericht rund 805 Millionen Menschen Hunger. Das ist ein positiver Trend und ein Rückgang von über 100 Millionen in den letzten zehn Jahren. Das erste Millenniumsziel – also die Halbierung der Hungerleidenden Menschen für den Zeitraum zwischen 1990 und 2015 – könnte erreicht werden, wenn die Staatengemeinschaft “geeignete und umgehende Maßnahmen” ergreift. 

Laut dem Bericht ist das größte Sorgenkind noch immer Sub-Sahara Afrika. Dort ist jeder vierte Mensch unterernährt. Auch in Asien hungern bis zu 526 Millionen Menschen.

Auf ihrer Vollversammlung wollen die Vereinten Nationen für die Zeit nach 2015 so genannte Nachhaltige Entwicklungsziele (SDGs) diskutieren. Erste Rahmenbedingungen haben die Staaten auf der Rio+20-Konferenz 2012 beschlossen

Zeitstrahl

Mittwoch, 24. September 2014: Sonder-Treffen der UN-Generalversammlung zu den MDGs in der Zeit nach 2015