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27/08/2016

Nachhaltige Entwicklung: Zu viele Entwicklungsziele erschweren die UN-Verhandlungen

Entwicklungspolitik

Nachhaltige Entwicklung: Zu viele Entwicklungsziele erschweren die UN-Verhandlungen

Die UN muss sich auf Ziele für die Lese- und Schreibfertigkeiten im Rahmen der SDG einigen.

[Julien Harneis/Flickr]

Die Vereinten Nationen finalisieren in dieser Woche ihre Post-2015-Entwicklungsagenda. Doch bei der Umsetzung und Bewertung der neuen nachhaltigen Entwicklungsziele gibt es nach wie vor große Fragezeichen. EurActiv Frankreich berichtet.

Nach der internationalen Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung in Addis Abeba entwickelt die internationale Gemeinschaft jetzt in New York bei einer Marathonkonferenz die Post-2015-Entwicklungsagenda.

Vom 20. – 31. Juli werden Unterhändler aus 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen (UN) den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) den letzten Schliff geben. Sie werden die Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) am Jahresende ersetzen.

Seit zwei Jahren laufen die Verhandlungen auf UN-Ebene. Jetzt wird die Liste der 17 übergeordneten Ziele sowie ein Großteil der 169 begleitenden Ziele abgeschlossen.

Inklusive Methode

Dieser Prozess neigt sich dem Ende entgegen, der in New York stattfindende Gipfel soll die endgültige Einigung im September verabschieden. Doch sowohl die Industrie- als auch die Entwicklungsländer sind frustriert.

“Die EU war in der Lage, die Fragen nach Frieden und Regierungsführung zu zentralen Themen zu machen, dank der offenen Art, in der diese Verhandlungen geführt wurden”, ist aus Kommissionskreisen zu hören.

Diese inklusive Methode berücksichtigt die Ansichten aller teilnehmenden Länder. Doch sie hat auch die Anzahl der Ziele sehr stark erhöht.

Deshalb sind die 17 SDG und die 169 Unterziele, die das Rückgrat der Entwicklungsagenda ausmachen, mehr als vage.

Das Vereinigte Königreich versuchte, die Liste mit den Zielen zu kürzen. Doch es konnte die G77, die Gruppe von Entwicklungsländern aus Afrika, Asien und Lateinamerika nicht von Neuverhandlungen überzeugen.

“Die europäische Position war es, Stabilität zu finden”, selbst wenn das Ergebnis “nicht sehr gut ist”, erklären Kommissionskreise.

Die schiere Zahl der Ziele und Unterziele werde die Länder davon abhalten, ihre Umsetzung wirksam zu bewerten, meint Faustine Bidaud von Association 4D, einer Nichtregierungsorganisation, die sich mit nachhaltiger Entwicklung befasst. “Bei 169 Unterzielen werden sie 169 verschiedene Quellen benötigen, um sie zu bewerten! Viele Beobachter glauben, dass es viel zu viele Unterziele gibt und dass ihre Auswertung sie vor ernsthafte Probleme stellen wird.”

Doch die fehlende Klarheit in der langen Liste der Ziele und Unterziele waren ein Stolperstein für die Verhandlungen.

Unterziel sechs des Ziels Nummer vier zur Bildung lautet beispielsweise: “Sicherstellen, dass alle Jugendlichen und mindestens X Prozent der Erwachsenen, sowohl Männer als auch Frauen, Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten erreichen”- bis zum Jahr 2030.

“Einige Länder wollen das ‘X’ stehenlassen, insbesondere die kleinen Inselstaaten, und andere wollen es durch ‘einen erheblichen Anstieg’ ersetzen, aber für die Industrieländer ist es inakzeptabel, das Dokument in seinem derzeitigen Stand zu belassen”, so Bidaud.

Multiplikatoreffekt

Die Frage der Leistungsindikatoren ist möglicherweise ein weiteres Problemfeld. “Normalerweise gibt es fünf Indikatoren pro Unterziel”, erklärt ein europäischer Experte gegenüber EurActiv. Doch das würde bedeuten, für die Post-2015-Entwicklungsagenda rund 800 Indikatoren zu haben. “Wir brachten die Idee vor, Indikatoren zu finden, die für mehrere Unterziele genutzt werden können, um ihre Zahl einzuschränken.”

Mittel zur Durchführung

Die UN-Mitgliedsstaaten müssen sich auch darüber einigen, wie sie diesen globalen Entwicklungsplan überhaupt umsetzen wollen. Nach Schätzungen der Weltbank liegt die globale Entwicklungsfinanzierungslücke bei über einer Billion US-Dollar pro Jahr. Es wird also keine einfache Aufgabe.

Das Abkommen von Addis Abeba gibt einen groben Ausblick auf die Finanzierung der SDG. Dennoch “sind viele NGOs des globalen Südens nicht zufrieden damit”, sagt Bidaud.

“Vorerst versuchte lediglich Brasilien, die Frage in den Vordergrund zu rücken, doch es spielt den einsamen Ranger. Die Frage nach der Finanzierung wird vorerst vermieden.”

Hintergrund

Die nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) sind der Rahmen für die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft, die Welt bis 2030 fairer und nachhaltiger zu Machen. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen wird die SDG im September 2015 verabschieden. Diese Ziele werden die Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) ersetzen, die am Jahresende auslaufen.

Zeitstrahl

  • 25.-27. September 2015: Gipfel in New York

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