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01/10/2016

Malaria, Mangelernährung, Durchfall: Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit

Entwicklungspolitik

Malaria, Mangelernährung, Durchfall: Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit

Foto: Kuster & Wildhaber Photography (CC BY-ND 2.0)

Zwischen 2030 und 2050 wird der Klimawandel voraussichtlich für 250.000 zusätzliche Todesfälle pro Jahr verantwortlich sein. Vor allem die ärmsten Länder mit schwachen Gesundheitssystemen sind vom Klimawandel besonders betroffen.

Neben den Diskussionen um die Ebola-Epidemie waren die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit das zentrale Thema des Weltgesundheitsgipfels in Berlin.

„Gerade die ärmsten Länder mit schwachen Gesundheitssystemen sind vom Klimawandel besonders betroffen“, erklärt der Parlamentarische Staatssekretär im Entwicklungsministerium (BMZ), Thomas Silberhorn, am Montag. „Naturkatastrophen werden mehr Menschenleben kosten als bisher. Krankheiten wie Malaria und Dengue werden zunehmen, weil die übertragenden Mücken sich bei höheren Temperaturen weiter ausbreiten. Und es wird zu mehr Durchfallerkrankungen kommen, wenn durch Dürren und Überschwemmungen weniger sauberes Trinkwasser verfügbar ist.“

Von dem international vereinbarten Ziel, den Anstieg der Erderwärmung auf maximal zwei Grad über der vorindustriellen Zeit zu halten, ist man derzeit noch weit entfernt. Laut Angaben des Weltklimarats (IPCC) hat es zwischen 2000 und 2010 den stärksten Emissionsanstieg der vergangenen 30 Jahre gegeben. Machen die Staaten weiter wie bisher, gebe es eine Erwärmung von voraussichtlich 3,7 bis 4,8 Grad bis 2100, so das IPCC.

Um das Zwei-Grad-Ziel noch zu erreichen, müsse man schnell und mit Entschlossenheit handeln, sagt Silberhorn. Beim Kampf gegen die Erderwärmung sei die UN-Klimakonferenz Ende 2015 in Paris ein entscheidender Meilenstein. Zusätzlich müsse man jedoch Anstrengungen unternehmen, um sich an den Klimawandel anzupassen. Ein Temperaturanstieg von zwei Grad werde immense Auswirkungen haben – auch auf Gesundheitssysteme.

Während man beispielsweise Ebola kontrollieren könne, seien die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit irreversibel, sagt der Heidelberger Mediziner Rainer Sauerborn. Was man brauche, seien funktionierende Gesundheitssysteme. Ansonsten gebe es zu Ebola auch Parallelen: „Niemand nimmt sich der unglamourösen Aufgabe an, Gesundheitssysteme zu finanzieren, welche die Bevölkerungen gegen Ebola und die Auswirkungen des Klimawandels schützen können“, so Sauerborn.

Global betrachtet ragt die gesundheitliche Ungleichheit noch bedrohlich hervor, erklärt Kathryn Bowen, Wissenschaftlerin von der Universität von Melbourne. Die Regionen mit der größten Sterblichkeitsrate bei unter 5-Jährigen liegen dabei in den Entwicklungsländern.

Was gilt es also zu tun? Die adaptive Kapazität sei eines der zentrale Themen, die es zu unterstützen gilt, um vor allem Entwicklungsländern dabei zu helfen, auf die Gesundheitsauswirkungen des Klimawandels zu reagieren, erklärt Bowen. Eine effektive Adaptierung sei von Investitionen gekennzeichnet, die öffentliche Gesundheitsdienste verstärken. Neben der Ausbildung von Fachkräften im Gesundheitswesen sei auch die Einbettung solcher „health professionals“ in Ministerien dabei von zentraler Bedeutung.

Ein Problem ist allerdings der Zugang zu zusätzlich bereitgestellten Finanzmitteln, meint Bowen. So müsste beispielsweise die „health community“ einen besseren Zugang zum Green Climate Fund der UN bekommen.

Was dabei geholfen habe, Klimawandel und Gesundheit auf die Agenda in den betroffenen Ländern zu bringen, könne man anhand der Beispiele Kambodscha und Fidschi sehen, sagt Bowen. In Kambodscha wurde das „National Climate Change Committee“ gegründet, der Premierminister zum Vorsitzenden dieses Komitees gemacht und das „Climate Change Office“ zu einer Abteilung erhoben. Dies seien laut Stakeholdern elementare strukturelle Veränderungen gewesen. In Fidschi sei das Thema Klimawandel im Außenministerium angesiedelt worden. Viele hätten laut Bowen erklärt, dass dieser Schritt ihre Arbeit unterstützt habe.

Silberhorn nannte konkrete Beispiele von Unterstützung durch die Bundesregierung: So arbeite Deutschland seit 2013 in einem Pilotprojekt eng mit der Weltgesundheitsorganisation zusammen und unterstütze mehrere Länder in Afrika und Asien bei der Erstellung nationaler Analysen und Anpassungsstrategien. „Wir wollen, dass alle Menschen weltweit Zugang zu einer umfassenden, qualitativ angemessenen und bezahlbaren Gesundheitsversorgung haben. Dafür investieren wir rund 750 Millionen Euro im Jahr – drei Mal mehr als vor 10 Jahren“, sagte Silberhorn. „Bei der Unterstützung der Gesundheitssysteme in unseren Partnerländern müssen wir ganz gezielt die neuen Herausforderungen durch den Klimawandel berücksichtigen.“

Deutschland ist bereits jetzt der zweitgrößte Geber weltweit in der Klimafinanzierung und hat die öffentlichen Leistungen in den letzten zehn Jahren auf rund 1,8 Milliarden Euro vervierfacht.