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23/07/2016

Kongolesischer Arzt Mukwege gewinnt Sacharow-Menschenrechtspreis 2014

Entwicklungspolitik

Kongolesischer Arzt Mukwege gewinnt Sacharow-Menschenrechtspreis 2014

Gewinner des Sacharow-Preises 2014 ist Denis Mukwege. Foto: EP

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat am Dienstag den Gewinner des Sacharow-Preises bekanntgegeben. In diesem Jahr geht der mit 50.000 Euro dotierte Menschenrechtspreis an den Gynäkologen Denis Mukwege aus der Demokratischen Republik Kongo.

“Die Konferenz der Präsidenten hat einstimmig entschieden, Denis Mukwege aus der Demokratischen Republik Kongo mit dem Sacharow-Preis für seinen Kampf für den Schutz von Frauen auszuzeichnen”, sagte Parlamentspräsident Martin Schulz.

Der Gynäkologe Mukwege gründete das Panzi Krankenhaus in Bukavu. Dort behandelt der 59-Jährige Frauen und Mädchen, die Opfer von sexueller Gewalt wurden.

In vielen bewaffneten Konflikten wird Vergewaltigung als Waffe eingesetzt. Auch wenn der Krieg in der Demokratischen Republik Kongo offiziell beendet ist, finden immer wieder Kämpfe im Osten des Landes statt – ebenso wie Angriffe auf die Zivilgesellschaft und Gruppenvergewaltigungen.

Mukwege setzt sich für Frauenrechte ein, leitet das Panzi Krankenhaus und führt an zwei Tagen in der Woche Operationen durch. Er wurde von der S&D, ALDE und der Grünenabgeordneten Barbara Lochbihler nominiert.

“Denis Mukwege ist ein würdiger Preisträger, der sich für vergewaltigte Frauen und Mädchen einsetzt, die zu den verwundbarsten aller Opfer gehören”, sagt der SPD-Europaabgeordnete Arne Lietz, stellvertretendes Mitglied im Menschenrechtsausschuss. “Sein Engagement verdient diese Auszeichnung auch deshalb, weil Vergewaltigung als Kriegswaffe so schwer zu bekämpfen ist. Es geht um ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das immer noch nicht genügend verfolgt und bestraft wird. Denis Mukwege bricht durch seine Hilfe in mehreren Regionen ein Tabu und ermutigt Frauen und Mädchen, dieses schreckliche Verbrechen öffentlich zu machen, damit solche Taten nicht unentdeckt weiter geschehen.“

Die Preisverleihung für den Gewinner findet während der Plenarsitzung des Europäischen Parlaments am Mittwoch, 26. November, in Straßburg statt.

Seit 1988 vergibt das Europäische Parlament den Sacharow-Menschenrechtspreis an Personen oder Organisationen, die sich für Menschenrechte und Grundfreiheiten einsetzen. Im vergangenen Jahr wurde die Pakistanerin Malala Yousafzai – diesjährige Friedensnobelpreisträgerin – mit dem Sacharowpreis für ihre Bemühungen im Bildungsbereich ausgezeichnet.

Zu den Finalisten gehörten in diesem Jahr neben Mukwege die Menschenrechtsaktivistin Leyla Yunus aus Aserbaidschan und die Euromaidan-Bewegung. Schulz würdigte diese ebenfalls in seiner Rede und betonte, dass es keine Entscheidung gegen die Euromaidan-Bewegung gewesen sein. Die Vertreter der Euromaidan-Bewegung werden zur Preisübergabe im November eingeladen.

Das EU-Parlament werde zudem umgehend eine Delegation mit Mitgliedern aller Fraktionen nach Aserbaidschan senden, um Leyla Yunus zu treffen und ihren Kampf für Demokratie und Freiheit in Aserbaidschan zu unterstützen.

Hintergrund

Der Sacharow-Preis für geistige Freiheit

Das Europäische Parlament verleiht diesen mit 50.000 Euro dotierten Menschenrechtspreis alljährlich im Rahmen einer feierlichen Sitzung in Straßburg am Ende des Jahres.

Der Sacharow-Preis wird an Einzelpersonen oder Organisationen vergeben, um ihre Verdienste zur Förderung der Menschenrechte und der Grundfreiheiten zu würdigen.

Im September jeden Jahres können MdEP Kandidaten für den Sacharow-Preis nominieren. Jeder Kandidat muss von mindestens 40 MdEP unterstützt werden, wobei die einzelnen Mitglieder nur einen Kandidaten unterstützen können. Die unterschriebenen und begründeten Nominierungen werden im Anschluss in einer gemeinsamen Sitzung des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten und des Entwicklungsausschusses bewertet. Daraufhin wird eine Vorauswahlliste mit drei Kandidaten erstellt und der Konferenz der Präsidenten zur endgültigen Abstimmung vorgelegt. Der Gewinner wird in der Regel im Oktober bekannt gegeben.

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