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28/09/2016

Klimaschutz: Private Banken finanzieren Kohlekraft mit 66 Milliarden Euro

Entwicklungspolitik

Klimaschutz: Private Banken finanzieren Kohlekraft mit 66 Milliarden Euro

Während weltweit die staatliche Kohleförderung einbricht, erlebt sie bei Privatbanken ein Rekordhoch. Foto: Dominik (CC BY-NC-SA 2.0)

Privatinvestitionen in die Kohleindustrie erreichen einen neuen Rekordstand: Allein im vergangenen Jahr finanzierten 92 Privatbanken die Kohlekraft mit mindestens 66 Milliarden Euro. Unter den Top-Kohlebanken ist auch die Deutsche Bank.

Immer mehr privates Kapital fließt in die Kohleindustrie: Im vergangenen Jahr finanzierten 92 Privatbanken mit mindestens 66 Milliarden Euro verschiedene Kohlebergbau- und Kohlekraftwerksfirmen. Gegenüber 2005 haben sich die klimaschädlichen Kohleinvestitionen damit vervierfacht. Das geht aus einer am Mittwoch vorgestellten Studie des Netzwerks BankTrack hervor. 

„2013 ist ein trauriges Rekordjahr der Kohlefinanzierung durch Privatbanken“, resümiert Heffa Schücking, Geschäftsführerin der Umweltorganisation urgewald, die den Bericht mit herausgibt. Die Bankenwelt sei beim Thema Kohle zweigeteilt. Öffentliche Banken wie Weltbank, die Europäische Investitionsbank (EIB) und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) hätten sich 2013 Regeln gegeben, um die Kohlefinanzierung einschränken. Privatbanken hingegen scheinen den Klimawandel zu ignorieren, so Schücking.

Die Studie „Banking on Coal 2014“ untersucht die Finanzdienstleistungen für 65 Unternehmen aus dem Kohlebergbau und dem Kohlekraftwerkssektor zwischen 2005 und April 2014. Im gesamten Zeitraum erhielten die Unternehmen laut BankTrack 373 Milliarden Euro von den 92 Banken. 73 Prozent dieser Summe hätten allein die 20 Hauptfinanzierer zur Verfügung gestellt, unter ihnen die Deutsche Bank.

Angeführt wird die Liste von den amerikanischen Banken JP Morgan Chase (21,52 Milliarden Euro) und Citi (20,425 Milliarden Euro) sowie der britischen Royal Bank of Scotland (RBS, 18,131 Milliarden Euro). Die Deutsche Bank vergab 15,245 Milliarden Euro und befindet sich damit auf Rang 10. Die Commerbank landete knapp sieben Milliarden Euro auf Platz 21. 

Der Bericht schließt an den „Bankrolling Climate Change“ Bericht von 2011 an. JP Morgan Chase und Citi führten auch damals die Liste an. RBS rückte auf, ebenso zwei chinesische Banken: China Construction Bank (17,252 Milliarden Euro, Rang 5) und Industrial Commercial Bank of China (16,795 Milliarden Euro, Rang 7). 

„Mit Rang zehn statt Rang sechs wie im Jahr 2011 hat sich die Deutsche Bank tatsächlich verbessert, was aber wohl leider mehr mit gestiegener chinesischer Kohlefinanzierung zu tun hat, als mit einem Kurswechsel der Deutschen Bank“, so Schücking.

BankTrack veröffentlicht den Bericht als Auftakt zur „Banks: Quit Coal“ Kampagne, die Privatbanken unter Druck setzen will, sich von der Finanzierung der Kohleindustrie zu verabschieden. „Die Ergebnisse unserer Recherche sind schockierend, gerade im Licht des in den kommenden Tagen erscheinenden Weltklimarat-Berichts, der neue wissenschaftliche Daten zum Ausmaß des Klimawandels vorlegen wird. Die Privatbanken müssen deshalb unbedingt aufhören, die Kohleindustrie zu finanzieren“, erklärte Yann Louvel von BankTrack, der Autor des Berichts.

KfW-Kohlefinanzierung weiter umstritten

Etliche öffentliche Entwicklungsbanken starteten Initiativen, aus der staatlichen Kohleförderung auszusteigen. Trendsetter war die Nordische Investitionsbank (NIB), die Dänemark, Estland, Finnland. Island, Lettland, Litauen, Norwegen und Schweden gehört und bereits 2012 in ihrer Nachhaltigkeitsrichtlinie eine enstprechende Finanzierung ausschloss. Weltbank, EIB und EBWE folgten diesem Beispiel 2013.

Die Bundesregierung hält die Kohleförderung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) aufrecht. Umweltministerin Barbara Hendricks will die Finanzierung zwar abschaffen, doch werden etwa zwei Drittel der Projekte durch das Bundeswirtschaftsministerium gefördert. Dessen Chef, Sigmar Gabriel, hielt sich dazu bisher zurück. Eine Einigung wollen Umwelt- und Wirtschaftsministerium noch in diesem Jahr erzielen. 

Zwischen 2006 und 2013 finanzierte die KfW-Tochter IPEX-Bank weltweit Kohle-Projekte mit mindestens 3,3 Milliarden Euro – neben Südafrika auch in Serbien, Indien und Australien. Die KfW rechtfertigt die Kohlefinanzierung in Entwicklungs- und Schwellenlendern. So sei sie ein „wichtiger Baustein für die wirtschaftliche Entwicklung und damit die Armutsbekämpfung“. Insbesondere in Ländern mit großen eigenen Kohlevorkommen und für deren Nachbarstaaten seien Kohlekraftwerke langfristig eine Option für einen verbesserten Energiezugang, so die KfW. 

Dem widerspricht der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Oliver Krischer: „Mit der KfW-Förderung konterkariert die Bundesregierung nationale und internationale Klimaschutzziele und den Ausbau der erneuerbaren Energien“, sagte er dem „Handelsblatt“. Es dürfe nicht sein, dass eine staatliche Bank natur- und klimaschädliche Kohle-Projekte fördere.

Weitere Informationen

BankTrack: "Banking on Coal 2014" (29. Oktober 2014)