EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

26/08/2016

Humanitäre Hilfe: UN-Studie fordert Abgabe auf Fußball- und Konzerttickets

Entwicklungspolitik

Humanitäre Hilfe: UN-Studie fordert Abgabe auf Fußball- und Konzerttickets

EU-Kommissarin Kristalina Georgieva schlägt in einem Bericht eine "Solidaritätsagabe" für humanitäre Hilfseinsätze vor.

[EC]

Für die steigenden Bedürfnisse der humanitären Hilfseinsätze rund um die Welt fordert eine UN-Studie eine “Solidaritätsabgabe” auf Tickets für Fußballspiele und Konzerte. Das sei “moralisch richtig und zugleich in unserem eigenen Interesse”, sagte die Mitautorin des Berichts und EU-Kommissarin Kristalina Georgieva.

Tickets für Fußballstpiele und Konzerte sollen nach den Vorschlägen eines UN-Berichts durch eine Sonderabgabe für humanitäre Hilfe teurer werden: Ein am Sonntag veröffentlichter Bericht nennt zudem eine ganze Reihe weiterer möglicher Einnahmequellen, darunter auch Abgaben auf Flugreisen oder Treibstoff sowie einen Zugriff auf Einnahmen aus dem verpflichtenden muslimischen Almosen Sakat.

Die UN-Studie wurde von einer Kommission aus neun Experten unter Leitung der EU-Kommissarin Kristalina Georgieva und des malaysischen Sultans Nasrin Schah erarbeitet. Sie bilanziert, dass der Bedarf an humanitären Hilfsleistungen von zwei Milliarden Dollar im Jahr 2000 auf 24,5 Milliarden Dollar (rund 22,5 Milliarden Euro) 2015 gestiegen ist. Die UNO vermochte im vergangenen Jahr nur noch die Hälfte der erforderlichen Mittel einzusammeln.

Aus Mangel an Finanzmitteln wurden die Nahrungsmittelhilfen für 1,6 Millionen syrische Flüchtlinge im vergangenen Jahr verringert. Das trug zu der massiven Flucht syrischer Flüchtlinge Richtung Europa bei. Den Opfern von Konflikten und Katastrophen zu helfen sei “moralisch richtig und zugleich in unserem eigenen Interesse”, sagte Georgieva. “Das hat die Flüchtlingskrise gezeigt.”

Die UN-Studie regt drei Lösungsmöglichkeiten an. Zunächst sollte der Hilfsbedarf durch verbesserte Krisenprävention verringert werden. Dann soll der Kreis der Geber erweitert werden. Schließlich soll eine “Solidaritätsabgabe” eingeführt werden, wie sie im Rahmen der Unitaid-Initiative bereits besteht. Diese Nichtregierungsorganisation erreichte, dass in zehn Ländern eine Abgabe auf Flugtickets eingeführt wurde, um Mittel für den Kampf gegen Malaria und die Immunschwächekrankheit Aids einzusammeln.

“Die Welt ist noch nie so freigiebig gewesen”, sagte Georgieva. “Und dennoch war die Freigiebigkeit noch nie so unzureichend.” Über die neue Studie soll beim Weltgipfel für Humanitäre Hilfe beraten werden, der auf Einladung der UNO im Mai in Istanbul stattfindet.

Georgieva war vor ihrem Einsatz als EU-Haushaltskommissarin für die humanitären Operationen der UNO zuständig. Sie wird immer wieder als mögliche Kandidatin für die Nachfolge von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon genannt, der Ende des Jahres aus dem Amt scheidet.