GVO: Eine umstrittene Antwort auf den Hunger in Afrika

Genmais als Lösung im Kampf gegen den Hunger in den Entwicklungsländern? [CIAT/Flickr]

This article is part of our special report Innovationen für Kleinbauern in Entwicklungsländern.

SPECIAL REPORT / Für einige Experten sind gentechnisch veränderte Organismen (GVO) die Antwort auf Afrikas geringe landwirtschaftliche Produktivität. Für Gegner sticht die Abhängigkeit von mächtigen Saatgutunternehmen die Vorteile aber aus. EURACTIV Frankreich berichtet.

Das Versprechen der gentechnisch veränderten Organismen (GVO) klingt für afrikanische Länder verlockend. Durch extreme Wetterbedingungen und die schnell wachsende Nachfrage stehen die die afrikanischen Bauern unter einem großen Druck, ihre Produktivität zu erhöhen.

Es ist deshalb auch einleuchtend, warum eine dürre- und insektenresistente Maissorte als Wunderlösung für die Ernährungssicherheit in Entwicklungsländern erscheint.

Afrika hängt stark von Importen und Nahrungsmittelhilfen ab. Der Kontinent gibt jedes Jahr durchschnittlich 35 Milliarden US-Dollar für Lebensmittelprodukte aus Industrieländern aus – obwohl beinahe drei Viertel seiner Bevölkerung Bauern sind.

Die Bevölkerung wächst rasant und wird sich bis 2050 auf 2,4 Milliarden Menschen verdoppeln. Gerade deshalb ist es wichtig, Wege zu finden, diese Form der Abhängigkeit zu beenden.

Viele betrachten GVO als ein unverzichtbares Instrument, um den Herausforderungen für die Ernährungssicherheit in Afrika begegnen zu können.Die USA unterstützen diesen Ansatz. Sie produzieren rund 40 Prozent der GV-Pflanzen.

Die öffentlich-private Partnerschaft “Wassereffizienter Mais für Afrika” (WEMA) ist ein Beispiel dafür. Sie will Maissorten entwickeln, die sowohl Dürren als auch Insektenangriffen standhalten. Eine vom amerikanischen Saatgutunternehmen Monsanto produzierte Varietät soll ab 2017 in Südafrika angepflanzt werden.

Die Ziel ist einfach: Die Pflanzen in dürregeplagten Ländern beständiger zu machen und die Produktivität damit nach Schätzungen um 20 bis 30 Prozent zu erhöhen.

„GVOs werden in überwältigendem Maße als Innovationen zur Hungerbekämpfung in Subsahara-Afrika dargestellt. Doch ihr Hauptzweck ist die Öffnung neuer Märkte für die großen internationalen Saatgutunternehmen, die Afrika als Markt der Zukunft sehen“, warnt Clara Jamart, Referentin für Ernährungssicherheit bei Oxfam Frankreich.

Die teuren, patentierten GVO-Samen werden nichts dafür tun, das Problem der landwirtschaftlichen Produktivität in Subsahara-Afrika zu lösen, sagen Kritiker. 90 Prozent aller Bauernhöfe dort sind Familienbetriebe. Die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Biodiversität bleiben die Unbekannte in dieser Gleichung und sind damit ein Grund zur Sorge.

Meinungsumschwung?

Obwohl nur eine Handvoll afrikanischer Länder die GV-Pflanzen heute zulassen, scheinen sie immer beliebter zu werden.

Burkina Faso, der Sudan und Südafrika sind die einzigen afrikanischen Länder, die derzeit gentechnisch veränderte Pflanzen kommerzialisieren. Ägypten gab die GVO 2013 auf.

Gentechnisch veränderte Pflanzen machen immer noch einen sehr kleinen Anteil der afrikanischen Landwirtschaft aus. Im Sudan werden nach Angaben des Internationalen Services für die Verbreitung der Agro-Technik (ISAAA) beispielsweise nur 100.000 Hektar mit GVO bepflanzt. Das ist nur ein kleiner Bruchteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche.

Doch die GVO breiten sich Schritt für Schritt aus. Ägypten, Ghana, Kamerun, Kenia, Malawi, Nigeria und Uganda unternahmen kürzlich Feldversuche.

Einige gehen noch weiter. Der kenianische Präsident kündigte im August an, ein Ende des kenianischen Moratoriums für GVO-Importe zu planen, das seit 2012 besteht.

„Einige afrikanische Staats- und Regierungschefs sind davon überzeugt, dass GVO die Antwort für die Entwicklung des landwirtschaftlichen Sektors in Afrika sind“, sagt Jamart.

Die Neue Allianz für Ernährungssicherheit (NASAN) fördert diese neue Begeisterung für GVO nach Kräften. Die G8-Staaten begründeten NASAN 2012 mit dem Ziel, die Einführung, Verteilung und den Verbrauch von biofortifizierten Nahrungsmitteln in Entwicklungsländern zu fördern. Ihr Ziel ist die Bekämpfung von Unterernährung durch die Verbesserung des Nährwerts von Lebensmitteln.

Die NGOs CCFD-Terre Solidaire, Oxfam France und Action Against Hunger schreiben in ihrem Bericht „Hunger, nur ein weiteres Geschäft„: „Einige von NASANs Partnerländern, wie Nigeria, verändern bereits ihre gesetzlichen Rahmen, um die Pflanzung von GVO zuzulassen.“

Hintergrund

Rund 3,7 Prozent der Agrarfläche und 13 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche sind von genetisch veränderten Nutzflächen abgedeckt. Damit sind 87 Prozent aller landwirtschaftlichen Nutzflächen GVO-frei.

Die ISAAA berichtete 2013, dass 18 Millionen Bauern GV-Pflanzen produzieren, rund ein Prozent der Bauern weltweit.

Die USA sind der größte GVO-Produzent der Welt, gefolgt von den Schwellenländern Argentinien, Brasilien, China und Indien.

Der GVO-Anbau ist in Europa nicht verbreitet. In einigen Ländern wie Frankreich ist er verboten.

In Afrika bauen nur eine Handvoll Länder genetisch veränderte Nutzpflanzen an, vor allem Baumwolle und Mais.