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27/09/2016

Gescheiterter Raketenstart verhindert Facebooks Internetprojekt in Afrika

Entwicklungspolitik

Gescheiterter Raketenstart verhindert Facebooks Internetprojekt in Afrika

Am 1. September explodierte im US-amerikanischen Cape Canaveral die Falcon-9-Rakete von SpaceX.

[USLaunchReport.com]

Eine mächtige Explosion ließ Cape Canaveral am 1. September erzittern. An Bord der brennenden Rakete: ein Facebook-Satellit, der Subsahara-Afrika ans Internet anbinden sollte. EurActiv Brüssel berichtet.

Die Falcon-9-Rakete am NASA-Luftwaffenstützpunkt Cape Canaveral in Florida kam gar nicht erst zum Start. Noch bevor sie abheben konnte, gab es eine Explosion, die nicht nur die Rakete selbst zerstörte, sondern auch den an Bord befindlichen AMOS-6-Satelliten.

Der im Iran produzierte und von Facebook über eine französische Firma gemietete Satellit sollte eigentlich dazu dienen, Subsahara-Afrika ans Internet anzubinden. So zumindest hatte es Facebook-Gründer Mark Zuckerberg im Rahmen seines umstrittenen Projekts internet.org geplant. Durch die Zerstörung der SpaceX-Rakete und ihrer Fracht wird sein Vorhaben um Monate, wenn nicht sogar Jahre, zurückgeworfen.

Kritiker hegten zunehmend Zweifel an Zuckerbergs Vorhaben, Entwicklungsländer auf diese Weise mit einem Internetanschluss zu versorgen. Sie vermuten hinter seinen philanthropisch anmutenden Plänen den Versuch, als erster vom aufstrebenden Internetmarkt Afrikas zu profitieren. In Indien wurde Zuckerbergs Projekt sogar verboten, weil es gegen die Vorschriften der Netzneutralität verstoßen habe. Facebook hatte nur eine selbst zusammengestellte Auswahl von Seiten kostenlos zugänglich gemacht.

Die gesamte Breitbandkapazität des nun zerstörten AMOS-Satelliten war von Facebook und Eutelsat für fünf Jahre gebucht worden. Eigentlich sollten mithilfe des Satelliten grundlegende Internetdienste wie die Wetteraussichten und Nachrichten für ältere, langsamere Smartphone-Modelle bereitgestellt werden. Während Facebook dabei auf Satelliten-Technologie setzt, nutzt Google zunehmend Stratosphären-Ballons.

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Als die Nachricht vom gescheiterten Raketenstart bekannt wurde, befand sich Zuckerberg zufällig in Afrika. In einer Stellungnahme auf Facebook schreibt der er, er sei „zutiefst enttäuscht“ über die Fehlzündung, bei der zum Glück niemand verletzt wurde. Für die Explosion macht er SpaceX und somit indirekt den Firmengründer und Internetrivalen Elon Musk verantwortlich. „Ich bin zutiefst enttäusch, hier in Afrika von SpaceX‘ gescheitertem Raketenstart zu erfahren, bei dem unser Satellit zerstört wurde, mit dessen Hilfe wir so vielen Unternehmern und anderen Menschen auf dem Kontinent eine Anbindung ans Internet ermöglicht hätten.“

„Glücklicherweise haben wir jedoch auch andere Technologien wie Aquila entwickelt, die ebenfalls Menschen miteinander verbinden werden“, so der Facebook-Chef. „Es bleibt unsere Aufgabe, Menschen zu vernetzen. Wir werden solange daran arbeiten, bis jeder eben jene Möglichkeiten hat, die dieser Satellit hätte bieten sollen.“ Aquila ist eine solarbetriebene Drohne, die das Internet in entlegene Gegenden bringen soll. Im Juni unternahm Facebook den ersten erfolgreichen Aquila-Flug.

Zuckerberg weigerte sich, einen Zeitplan bekannt zu geben, ab wann das Satellitenprojekt wieder einsatzfähig sei. Auf die Frage eines Facebook-Nutzers hin, ob der Satellit versichert gewesen sei, antwortete er: „Geld ist nicht das Problem. Problematisch ist, dass es nun länger dauern wird, Menschen miteinander zu vernetzen.“

Das Facebook-Projekt internet.org wurde 2013 ins Leben gerufen. Der Zugang zum Internet sei ein „Menschenrecht“, hatte Zuckerberg damals verkündet. Sinn und Zweck des Vorhabens ist es, begrenzt kostenlose Online-Dienste anzubieten, um den Nutzern zu zeigen, wie hilfreich das Internet sein kann. So können Landwirte von Wettervorhersagen profitieren oder Mikro-Zahlungen getätigt werden. Kostenlos zugänglich sind unter anderem Facebook, Wikipedia, die Bing-Suchmaschine (nicht jedoch Google), Accuweather und Ask.com. Die Plattform der frei verfügbaren Seiten läuft unter dem Namen „Free Basics“.

Mindestens zwei Studien belegen, dass manche Menschen in den Entwicklungsländern entweder davon ausgehen, Facebook sei das Internet, oder gar nicht wissen, dass sie beim Besuch von sozialen Netzwerken auf das World Wide Web zugreifen. So behaupteten neun Prozent der Facebook-Nutzer in Nigeria, nie das Internet zu benutzen.

Facebook verfügt weltweit über etwa 1,4 Milliarden User. Die nächste Milliarde an Nutzern, die bald aufs Internet zugreifen kann, wird dafür womöglich größtenteils ihr Smartphone benutzen.

 

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