EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

07/12/2016

FAO: Ernährungssicherheit braucht keine Abholzung

Entwicklungspolitik

FAO: Ernährungssicherheit braucht keine Abholzung

Das Roden von Wäldern schadet vor allem ärmeren Menschen.

[Angela Marie CC BY 2.0/Flickr]

Immer mehr Wälder fallen der Erweiterung von Ackerflächen zum Opfer. Für die Ernährungssicherheit ist das laut Welternährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) nicht sinnvoll. EurActiv-Kooperationspartner Le Journal de l’Environnement berichtet.

„Man muss nicht unbedingt Bäume fällen, um mehr Nahrung zu produzieren“, betonte FAO-Generalsekretär José Graziano da Silva am 18. Juli bei der Veröffentlichung des Berichts über den Zustand der Wälder weltweit 2016.

Die Landwirtschaft scheint einen unstillbaren Hunger nach immer neuem Ackerboden zu haben. Sieben Millionen Hektar Regenwald wurden von 2000 bis 2010 jährlich abgeholzt. Im selben Zeitraum wuchsen landwirtschaftliche Nutzflächen um sechs Millionen Hektar pro Jahr. Dabei trägt eine gut geführte Forstwirtschaft sehr wirksam dazu bei, die nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) zu erreichen, welche im September 2015 beim UN-Gipfel für nachhaltige Entwicklung angenommen wurden. Mithilfe von Waldressourcen kann man der Mangelernährung entgegenwirken, aquatische Lebensräume besser schützen und wiederherstellen, den Zugang zu grüner Energie erleichtern und gegen den Klimawandel kämpfen.

Ernährungssicherheit

„Wir können Ernährungssicherheit sowohl durch eine intensivere Landwirtschaft als auch durch andere Maßnahmen erreichen. So hilft es zum Beispiel eher, die soziale Sicherung voranzutreiben, anstatt Ackerfläche auf Kosten der Wälder auszuweiten“, betont Eva Müller, Direktorin der FAO-Abteilung für Forstpolitik und Ressourcenverteilung.

Wälder zu roden, zerstört wertvolle Ökosysteme, die den Wasserkreislauf schützen, CO2 binden und eine natürliche Schädlingsbarriere bilden – ganz zu schweigen von der Tatsache, dass Forstgebiete das lokale Klima beeinträchtigen und Lebensräume für wichtige Bestäuber und andere Spezies bieten.

40 Prozent für die kommerzielle Landwirtschaft

Vor allem in Ländern mit niedrigem Einkommen und einer wachsenden Landbevölkerung werden Bäume gefällt, um Platz für Ackerböden zu schaffen. Dies ist schon seit Jahrhunderten gängige Praxis, wurde jedoch meist durch die natürliche Wiederherstellung von Waldflächen andernorts ausgeglichen.

Dem FAO-Bericht zufolge gehen die derzeitigen Entwaldungsraten in den tropischen und subtropischen Gebieten zu 40 Prozent auf kommerzielle Landwirtschaft zurück. Dahinter liegt die landwirtschaftliche Selbstversorgung (33 Prozent). Die restlichen 27 Prozent entfallen auf die Entwicklung von Infrastruktur, die Urbanisierung und den Bergbau. Diese Werte können jedoch laut Bericht von Region zu Region stark schwanken.

Großangelegte kommerzielle Landwirtschaft für den Export bringe durchaus gewisse wirtschaftliche Vorzüge mit sich und könne die Versorgung mit Nahrungsmitteln verbessern, so die FAO. Allerdings trage sie nur zu einem sehr geringen Maß zu lokalen oder nationalen Ernährungssicherheit bei.

In Afrika treibt vor allem der Subsistenzanbau die Entwaldung voran. Arme Haushalte setzen häufig auf risikoarme, weniger ertragreiche Anbautechniken, die große Flächen an Ackerland erfordern. Die großangelegte kommerzielle Landwirtschaft hingegen ist für nur ein Drittel der Waldrodungen auf dem Kontinent verantwortlich.

Neuanpflanzungen

Die Landnutzung wird meist bestimmt vom demographischen Wandel, geänderten Ernährungsgewohnheiten und Anbaumethoden, Marktentwicklungen, technologischen Verbesserungen und aktivem politischen Eingreifen. Man darf nicht vergessen, dass der Verlust der Waldfläche von 2010 bis 2015 zum Teil ausgeglichen werden konnte: 2,2 Millionen Hektar pro Jahr durch die natürliche Ausweitung von Wäldern auf verlassenem Ackerland und 3,1 Millionen Hektar im Jahr durch aktives Neuanpflanzen.

Die FAO untersuchte darüber hinaus, wie 35 Länder unterschiedliche ihre Landnutzungsänderungen organisieren und dokumentieren. Dabei musste sie zuerst feststellen, dass gerade einmal die Hälfte der betrachteten Länder den Begriff Landnutzungsänderungen überhaupt in ihren Dokumenten verwenden. „Es ist wichtig, die traditionell üblichen Landrechte formal anzuerkennen. Das betrifft vor allem ärmere Menschen, die auf die Wälder angewiesen sind“, so die Organisation.

Leider handelt die nationale oder lokale Politik nicht immer im besten Interesse dieses Bevölkerungsteils. „Die Regierungen sollten lokalen Gemeinden nicht nur die gesicherten Rechte am Ackerland zusprechen, sondern auch die gesicherten Rechte auf Waldbesitz. Ein Landwirt weiß am besten, wie er mit den eigenen Ressourcen umzugehen hat. Meist fehlen ihm jedoch die rechtlichen Mittel“, meint Müller.