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25/06/2016

EU ruft “Weißhelm”-Ärztekorps ins Leben

Entwicklungspolitik

EU ruft “Weißhelm”-Ärztekorps ins Leben

Das Ärztekorps ist Bestandteil der Europäischen Notfallbewältigungskapazität, die im Rahmen des EU-Katastrophenschutzverfahrens eingeführt wurde

[Army Medicine/Flickr]

Die Ebola-Epidemie war der Auslöser: Die Europäische Union (EU) hat den Startschuss für ihr neues Ärztekorps gegeben – bisher haben neun europäische Staaten eine Beteiligung zugesagt.

Europäische Länder haben für das heute beschlossene Korps medizinisches Personal und Material bereitgestellt. So soll in Notfällen die schnelle Entsendung von Hilfe zu möglich sein, teilte die EU-Kommission in Brüssel mit. Um die fachliche Qualität der Einsatzteams zu garantieren, müssen diese vor der Aufnahme in das Korps ein Zertifizierungsverfahren durchlaufen, in dem festgestellt wird, ob das medizinische Personal für die Arbeit im Rahmen internationaler Notfallbewältigungsmissionen ausreichend geschult ist.

Das Europäische Medizinische Korps (EMK) ist eine Folge der anfangs schleppenden Reaktion der internationalen Gemeinschaft auf die Ebola-Epidemie in Westafrika, bei der mehr als 11.000 Menschen starben. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte im Herbst 2014 vorgeschlagen, dass die EU in Anlehnung an Blauhelm-Soldaten ein “Weißhelm”-Korps gründet. Es stellt nun schnell abrufbare Ärzteteams einschließlich mobiler Krankenhäuser, Laboreinrichtungen und Flugzeuge zur Evakuierung von Schwerkranken zur Verfügung.

Das Ärztekorps ist Bestandteil der Europäischen Notfallbewältigungskapazität, die im Rahmen des EU-Katastrophenschutzverfahrens eingeführt wurde. Koordiniert wird der Einsatz der medizinischen Helferteams vom Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen (ERCC). Es dient in Angelegenheiten des EU-Katastrophenschutzverfahrens als funtionaler Dreh- und Angelpunkt. Ob ein Einsatz stattfindet, entscheiden die Mitgliedstaaten selbst. Dabei steht es ihnen frei, die Teilnahme an einem Engangement abzusagen.

“Wir müssen die Lehren aus der Ebola-Krise ziehen, als sich die Mobilisierung medizinischer Teams als entscheidendes Problem erwies”, erklärte der für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides. Er forderte weitere europäische Länder auf, sich zu beteiligen. Bislang haben laut Kommission Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Luxemburg, die Niederlande, Spanien, Schweden und Tschechien Beiträge zugesagt.

Stylianides hatte Mitte Januar auch einen Einsatz der “EU-Weißhelme” in der Flüchtlingskrise nicht ausgeschlossen. An der offiziellen Gründungsveranstaltung am Abend nehmen unter anderen Bundesaußenminister Steinmeier und die Leiterin der Weltgesundheitsorganisation, Margaret Chan, teil.

Mit dem EMK leistet Europa einen Beitrag zur Global Health Emergency Workforce. Unter der Leitung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) soll diese nach ihrer Einrichtung Einsatzteams auf der ganzen Welt registrieren und koordinieren. Mit Hilfe des neuen Systems lässt sich die Verfügbarkeit von medizinischen Fachkräften und der im Ernstfall notwendigen Ausrüstung erheblich steigern, damit die Welt in Zukunft besser auf Notfälle wie Ebola vorbereitet ist.

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