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09/12/2016

EU-Entwicklungstage: Was man von sri-lankischen Theaterstücken lernen kann

Entwicklungspolitik

EU-Entwicklungstage: Was man von sri-lankischen Theaterstücken lernen kann

Auf einer Bühne inmitten der Zuschauer performen singhalesische und tamilische Schauspieler zusammen.

[StagesofPeace/YouTube]

Die neue EU-Kulturstrategie trägt erste Früchte: Das Theaterstück einer multikulturellen Schauspielgruppe Sri Lankas zeigt im Rahmen der EU-Entwicklungstage, wie Kooperation den Versöhnungsprozess nach einem Konflikt antreiben kann. EurActiv Brüssel berichtet.

Erst letzte Woche beschloss die EU-Kommission ihre neue Kulturstrategie, welche im November vom Ministerrat abgenickt werden muss. Offiziell in Kraft treten wird sie wahrscheinlich unter der maltesischen Ratspräsidentschaft 2017. Kommissionsvertretern zufolge lassen sich jedoch schon jetzt Anwendungsbeispiele beobachten – und erste Erfolge.

„Es ist wirklich eine Leistung, dass die Strategie schon hier ist“, lobt Diego Marani vom Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD). „Oberstes Ziel ist es, nicht nur eine Botschaft zu senden, sondern auch Vertrauen zu schaffen“, erklärt er. EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini leiste in diesem Zusammenhang wichtige Unterstützung. Europa habe eine reiche, kulturelle Geschichte, aber „es geht um mehr als die Darstellung europäischer Kultur durch Filmfestspiele in Entwicklungsländern“, so Marani. Die EU gebe dieses Format zwar nicht auf, vollziehe jedoch einen Paradigmenwechsel im kulturellen Austausch – mithilfe von „Kultur, Tourismus, Design und Mode“. Man habe all dies ausgearbeitet, um einen interkulturellen Dialog anzustoßen. Dieser soll zeigen, „dass sich kulturelles Erbe nicht nur auf Steine bezieht, sondern auf Menschen“.

Ein erstes praktisches Beispiel dessen ist das sri-lankische Projekt „Stages of Peace“ (Bühnen des Friedens). Es ermutigte Schauspieler der verstrittenen singhalesischen und tamilischen Bevölkerung, nach Beendigung des 30-jährigen Bürgerkriegs 2009/2010 zusammen an Theaterstücken zu arbeiten. Hasini Haputhanthri stellte das Projekt am gestrigen Mittwoch in Brüssel vor. Sinn und Zweck sei nicht unbedingt, lokale Theatergruppen zu engagieren, um eine Botschaft zu übermitteln, erklärte sie etwa 100 Entwicklungsexperten. Stattdessen konzentriere man sich auf den Prozess selbst, auf das Schaffen von Vertrauen im Kreise der Künstler und mit der Gemeinschaft. Das Projekt biete „einen Raum, um aus dem eigenen Schneckenhaus herauszukommen“.

Bühnen des Friedens on Tour

„Stages of Peace“ ist laut Haputhanthri die erste zweisprachige und multiethnische Theatergruppe Sri Lankas. „Man braucht gewisse Fähigkeiten, um das Zusammenleben in einer multikulturellen Gesellschaft zu lernen, wenn man nicht in einer solchen geboren wurde. Aber man kann diese Fähigkeiten erwerben“, bekräftigt sie.

Die gemischte Theatergruppe performt auf einer Bühne, die von Zuschauersitzen umringt wird. So kann jeder im Publikum nicht nur die Schauspieler, sondern auch andere Zuschauer sehen. „Kürzlich gab es erstmals Streit in unserem Cast“, gesteht Haputhanthri, „Es dauert eben seine Zeit.“

Das Projekt hat sich inzwischen erweitert. Es organisiert nun auch gemischte Film-Clubs, in denen Mitglieder der verfeindeten Lager zusammen schwierige Dokumentationen schauen und die Vergangenheit ihres Landes ergründen.

Dies seien nicht die üblichen Förderprojekte mit traditionellen Ergebnissen oder Erfolgsmaßstäben, bestätigt auch Marani. „Schluss mit den ganzen Indikatoren!“, fordert er. „Man kann nicht alles messen.“ Dabei verweist er auf eine jordanische TV-Serie, die teilweise von der Generaldirektion für Entwicklung und Zusammenarbeit (GD DEVCO) finanziert wird. Mit ihr soll das Selbstempfinden eines Landes geweckt werden, dass in einer Region liegt, deren Fernsehen von ägyptischen Produktionen dominiert wird. „Wie will man so etwas messen? Anhand der Produktivität? Der Zuschauer? Es geht einfach nicht“, unterstreicht er.

Aida Liha Matejicek, Referatsleiterin in der GD DEVCO, beschreibt Kultur als „eine befähigende und treibende Kraft der Entwicklung“. Auch wenn Kultur nicht explizit eines der nachhaltigen Entwicklungsziele der UN (SDGs) darstelle, ziehe sie sich durch alle Punkte hindurch und trage zum übergeordneten Ziel bei, bis 2030 die Armut abzuschaffen.

 

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