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09/12/2016

EU-Abgeordnete fordern: Keine Genprodukte in G8-Ernährungsstrategie für Afrika

Entwicklungspolitik

EU-Abgeordnete fordern: Keine Genprodukte in G8-Ernährungsstrategie für Afrika

Burkina Faso gibt den Anbau von GVO-Baumwolle aus Qualitätsgründen auf.

[Kimberly Vardeman/Flickr]

Parlamentsmitglieder üben Kritik an der New Alliance for Food Security and Nutrition (NAFSN) der G8 und drängen die EU in einem Entschluss, sich gegen die Einführung von GVOs in Afrika einzusetzen. EurActiv Frankreich berichtet.

Die New Alliance for Food Security and Nutrition (NAFSN, Neue Allianz für Ernährungssicherheit und Ernährung) ist ein Programm zur Entwicklungsförderung in Afrika. Es diene jedoch nicht den Interessen landwirtschaftlicher Familienbetriebe, warnen nun EU-Abgeordnete in einem Entschluss. Dieser wurde am gestrigen Mittwoch von einer großen Mehrheit im Entwicklungsausschuss des EU-Parlaments angenommen. Darin fordern die Abgeordneten von der EU, die Schwachstellen der NAFSN zu beheben. Nur so könne man sicherstellen, dass sie mit den entwicklungspolitischen Zielsetzungen vereinbar sei. In der Entwurfsfassung empfahlen die Gesetzgeber den EU-Mitgliedsstaaten sogar, der NAFSN ihre Unterstützung zu entziehen, solange die beschriebenen Defizite nicht angemessen angegangen würden.

Ein Sturm an Kritik

Diese Warnung aus dem Parlament ist nur ein kleiner Teil der riesigen Sturms an Kritik an der 2012 lancierten Strategie. Ursprüngliches Ziel der NAFSN war es, öffentlich-private Partnerschaften in Afrika zu fördern. So wollte man die landwirtschaftliche Produktion auf dem Kontinent ankurbeln. Hierfür förderte die New Alliance vor allem private Investitionen, an denen es Ländern wie Burkina Faso, der Elfenbeinküste oder Äthiopien mangelt. Indem die NAFSN jedoch intensive Landwirtschaft als Lösungsansatz für Afrikas Probleme bei der Ernährungssicherheit propagierte, profitierten hauptsächlich große Saatgutunternehmen und nicht etwa landwirtschaftliche Familienbetriebe. Dabei sind es eigentlich gerade Kleinbauern, die Afrikas Landwirtschaftsstrukturen ausmachen.

Staatliche Geldgeber stellten bereits 3,2 Milliarden Dollar der 2012 versprochenen 6,2 Milliarden bereit, heißt es im Fortschrittsbericht 2014-2015 der NAFSN. Ganz anders sieht es da bei den privaten Investoren aus. Diese gaben bisher nur 684 Millionen Dollar von insgesamt 10,2 Milliarden frei. „Große, multinationale Unternehmen wie Monsanto, Cargill und Unilever sind sehr gewinnorientiert. Ich sehe nicht, wie solch eine Art Unterstützung durch die New Alliance der lokalen Bevölkerung in ihrer nachhaltigen Entwicklung helfen soll. Vor allem wenn wir doch wissen, dass Familienbetriebe weitgehend von der Entscheidungsfindung bei dieser Initiative ausgeschlossen sind“, kritisiert Maria Heubuch (Bündnis 90/Die Grünen), deutsche Europaabgeordnete und Berichterstatterin des Parlaments in dieser Angelegenheit.

Förderung von Hybridsaatgut und GVOs

Afrikanische Staaten, die Teil dieser Partnerschaften sind, setzten sich sogar dafür ein, ihre Gesetzgebung zugunsten privater Investoren zu verändern.

„Eines der Hauptziele von NAFSN ist es, politische Reformen bei unseren afrikanischen Partnern anzustoßen – vor allem in den Bereichen Zugang zu Ackerland, Nutzung zertifizierten Saatguts (Hybridsaaten, GVOs) und Besteuerung“, erklärt Jean-Cyril Dagorn, Oxfam-Experte für Ernährungssicherheit. Diese gesetzlichen Änderungen kämen Kleinbauern jedoch meist gar nicht zugute. „Das erhöht die Gefahr der illegalen Landaneignung und der Privatisierung von Saatgut“, warnt er.

Im Rahmen der Partnerschaft sollen Entwicklungsländer die Verteilung, Annahme und den Konsum von Pflanzensorten unterstützen, die mit Nährstoffen angereichert wurden (Stichwort: Biofortifikation). Auf diese Weise wolle man die Nährwertqualität von Nahrungsmitteln verbessern, um Mangelernährung zu bekämpfen. Das öffnet vor allem viele Türen für den Anbau von genetisch veränderten Organismen (GVOs).

Gesetzesreformen

„Manche Mitglieder der New Alliance wie Nigeria sind bereits dabei, GVO-Saatgut gesetzlich zu legalisieren“, heißt es in dem gemeinsamen Bericht Hunger, just another business (Hunger, nur ein weiteres Geschäft) von CCFD-Terre Solidaire, Oxfam Frankreich und Action Contre la Faim.

Burkina Faso hingegen gibt den Anbau von GVO-Baumwolle aus wirtschaftlichen Gründen auf, nachdem man die Pflanzen zehn Jahre lang dort angebaut hatte. Die enttäuschende Qualität der GVO-Baumwolle senkte die Preise für Burkina Fasos einstigen Exportschlager. Daher entschied sich die Regierung, zu den konventionellen Saatgutsorten zurückzukehren.

Genau aus diesen Gründen drängen die EU-Abgeordneten die G8-Mitgliedsstaaten nun in ihrem Entschluss, GVOs in Afrika nicht zu fördern. „Jetzt sind die EU und die sechs Mitgliedsländer am Zug, die schließlich Steuergelder in die New Alliance stecken. Diese Organisation soll doch eigentlich Kleinbauern und kleineren afrikanischen Unternehmen helfen – nicht nur den großen, multinationalen Konzernen. Die profitieren schließlich ohnehin schon von unfairen Wettbewerbsvorteilen“, so Isabelle Brachet von ActionAid UE.