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17/01/2017

Ebola in Westafrika: Erstmals Impfstoff erfolgreich getestet

Entwicklungspolitik

Ebola in Westafrika: Erstmals Impfstoff erfolgreich getestet

Medizinische Helfer im von Ebola besonders betroffenen Sierra Leone

[DFID - UK Department for International Development/Flickr]

Neue Hoffnung im Kampf gegen die Ebola-Seuche: In Westafrika hat sich ein im Feldversuch getesteter Impfstoff gegen das Virus erstmals als wirksam erwiesen. Testpersonen steckten sich trotz engen Kontakts zu einem neu Infizierten nicht an.

Die Fälle von Ebola-Erkrankungen mögen in Westafrika seit Jahresbeginn markant zurückgegangen sein – besiegt ist die Epidemie noch längst nicht. Bereits ein einzelner Erkrankungsfall in den betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone kann die Seuche wieder ausbrechen lassen.

Seit dem vergangenen Jahr wurden darum unter Hochdruck zwei Impfstoffe entwickelt und bereits an Menschen erprobt. Einer der beiden, der die Bezeichnung „rVSV-ZEBOV“ trägt, wurde nun erstmals in einer von der Weltgesundheitsorganisation WHO organisierten Impfstudie im westafrikanischen Guinea getestet.

Die ersten Testergebnisse der Studie, an der unter anderem die Mediziner Matthias Egger und Sven Trelle von der Universität Bern (ISPM) beteiligt waren, stimmen optimistisch: „Der eingesetzte Impfstoff kann die weitere Ausbreitung des Ebola-Virus wirksam eindämmen“, schreiben die beteiligten Forscher der in den Fachjournals „Lancet“ und „British Medical Journal“ veröffentlichten Feldstudie.

Damit gibt nun neue Hoffnung im Kampf gegen das Virus, das bisher mehr als 11.000 Menschen das Leben gekostet hat und weiterhin eine Gefahr bleibt. Die schwerste Ebola-Epidemie in der Geschichte hatte vor allem Liberia, Sierra Leone und Guinea in Westafrika erfasst.

Tausende Kinder in Sierra Leone sind ohne Eltern

Tausende Kinder hätten allein in Sierra Leone ihre Geschwister und Eltern verloren oder haben infizierte Eltern, wie Roeland Monasch, UNICEF-Gesandter in Sierra Leone, berichtet: „Normalerweise werden Kinder, die ihre Eltern verloren haben, von anderen Familienangehörigen aufgenommen, aber viele haben Angst vor Ebola, deshalb zögern sie, sich um diese Kinder zu kümmern“, sagt er.

Dass an der Virus-Erkrankung so viele Menschen starben, hat auch wirtschaftliche Gründe: Die Entwicklung neuer Arzneien oder Impfstoffe verschlingt hohe Millionensummen, die durch die zu erwartenden Einnahmen in den armen westafrikanischen Ländern kaum aufgefangen werden können. Zudem sind Ebola-Ausbrüche selten.

„Schutzringe“ gegen Ebola

Mit dem getesteten Impfstoff könnte die Seuche bald endgültig ausgemerzt werden. Um die Wirksamkeit des Impfstoffes zu testen, hatte die internationale Forschergruppe in einem ersten Schritt Personen identifiziert, welche innerhalb der vergangenen 21 Tage – der Inkubationszeit des Ebola-Virus – engen Kontakt zu einer frisch an Ebola erkrankten Person hatten und deshalb direkt von einer Ansteckung gefährdet waren. Darunter waren Angehörige und Mitbewohner, oder Krankenpfleger.

In einem zweiten Schritt wurden indirekt gefährdete Personen ausgemacht wie zum Beispiel die Nachbarn oder Arbeitskollegen einer direkt gefährdeten Person – sogenannte „Ringe“.

Im Zeitraum von April bis Juli 2015 wurden die letztlich insgesamt gut 3.500 Kontaktpersonen in zwei Gruppen getestet: Die einen wurden sofort geimpft, die anderen erst nach einer Wartezeit von 21 Tagen. Bei Personen aus der zweiten Gruppe wurde also erwartet, dass einige an Ebola erkranken würden. „Leider kann nur so geprüft werden, ob der Impfstoff auch wirklich wirkt“, sagt Matthias Egger.

Die Ergebnisse zeigten, dass bei den sofort Geimpften nach zehn Tagen keine Ansteckung mehr erfolgte, wohingegen bei der Gruppe mit verzögerter Impfung 16 Ebolafälle auftraten. Diese Fälle traten alle entweder vor oder bis maximal sechs Tage nach der verzögerten Impfung auf. Danach kam es auch in der zweiten Gruppe zu keinen neuen Krankheitsfällen mehr.

„Wir können also sagen, dass der Impfstoff nach etwa einer Woche zu 100 Prozent vor einer Ebola-Ansteckung schützt“, sagt Sven Trelle. Insgesamt betrug die Schutzwirkung innerhalb der Gruppe von gefährdeten Kontaktpersonen, in denen sich auch nicht Geimpfte befanden, immer noch 76 Prozent. Die Ansteckungskette konnte somit in vielen Fällen unterbrochen werden.

„Nicht nur die Wirksamkeit des Ebola Impfstoffes ist nun belegt, sondern auch die der Impfstrategie mit der Bildung von Schutzringen“, sagt Egger. „Dies könnte endlich das Ende der Ebola-Epidemie in West Afrika einleiten und auch in Zukunft für die Bekämpfung dieser Krankheit nützlich sein.“

Hintergrund

Die Mitgliedsstaaten und die Kommission versprachen vergangenes Jahr mehr als eine Milliarde Euro für den Kampf gegen die Ebola-Krise. Der Rat ernannte den Kommissar für Humanitäre Hilfe, Christos Stylianides, zum EU-Ebolakoordinator. 

Die Kommission und die europäische Pharmaindustrie starteten einen Aufruf zur Einreichung von Vorschlägen. 280 Millionen Euro sollten unter dem Dach der Innovative Medicines Initiative (IMI) zusammenkommen. 140 Millionen Euro kommen dabei aus dem EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, Horizon 2020. 140 Millionen Euro kommen von Pharmaunternehmen, die Mitglieder der Europäischen Vereinigung der Pharmazeutischen Industrie und ihrer Verbände (EFPIA) sind.

Die Forschung konzentriert sich auf große klinische Studien neuer Impfstoffe in den von Ebola betroffenen Ländern. Außerdem werden die Gelder für die Entwicklung schneller Diagnosetests sowie für neue Ansätze zur Herstellung und Verteilung von Impfstoffen genutzt.

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